Bundesbank warnt vor Risiken für das Finanzsystem

Bundesbank warnt vor Risiken für das Finanzsystem

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank warnt angesichts drohender Rezession und nervöser Börsen vor Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems. Gedämpfte Wachstumsaussichten, eine hohe Inflation sowie steigende Zinsen und Risikoaufschläge kennzeichneten die Lage, teilte die Bundesbank am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung ihres jüngsten Berichts zur Finanzstabilität mit. Für 2023 werde eine leichte Rezession vorhergesagt. "In der Summe sind also die makroökonomischen Risiken gestiegen, und das Finanzsystem bleibt verwundbar", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Die Lage der Unternehmen habe sich verschlechtert, Insolvenzen würden voraussichtlich zunehmen und die privaten Haushalte hätten an Kaufkraft eingebüßt. Banken, Versicherer und Investmentfonds hätten aufgrund von Kurskorrekturen Verluste verzeichnet. Nach oben gekletterte und extrem schwankungsreiche Börsenpreise für Energieprodukte hätten dazu geführt, dass sich die Anforderungen an Sicherheiten bei Derivateverträgen deutlich erhöhten. "Auch wenn sich die Lage an den Energiebörsen entspannt hat, stellt eine Verschärfung der Energiekrise ein mögliches Risikoszenario für das Finanzsystem dar", erklärte Buch. Darüber hinaus würde ein abrupter Zinsanstieg an den Märkten viele Kreditnehmer und Finanzinstitute nach Einschätzung der Bundesbank unter Druck setzen. Höhere Zinsen hätten bereits zu Anpassungen bei den Wertpapieren geführt, sagte Buch. "Die Banken müssen Abschreibungen vornehmen und haben ihre stillen Reserven auch bereits weitgehend aufgebraucht." Die Preise für Wohnimmobilien stiegen weiter, wenn auch mit geringerer Dynamik. "Gleichwohl sind die Überbewertungen, von denen wir gesprochen haben, nach wie vor im Markt." Für das Jahr 2021 hatte die Bundesbank die Überbewertungen auf 15 bis 40 Prozent geschätzt. Neuere Zahlen nannte die Bundesbank nicht. RAUM FÜR WEITERE RISIKOVORSORGE Geldhäuser sollten die Auswirkungen von Negativszenarien für ihre Geschäfte prüfen, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. "Angesichts einer hohen Unsicherheit sollten sie umsichtig Risikovorsorge betreiben und nur vorsichtig Gewinne ausschütten." Ihn wundere, dass nur wenig zusätzliche Risikovorsorge gebildet werde. Vor kurzem hatte die Europäische Zentralbank (EZB) von gestiegenen Risiken für die Finanzstabilität im Euro-Raum berichtet. Dabei verwies EZB-Vizechef Luis des Guindos auf die gestiegenen Energiepreise und Inflationsraten und die sich eintrübende Konjunktur. Die Verwundbarkeiten von Haushalten, Unternehmen und Staaten, die mehr Schulden haben, hätten zugenommen. Zu den Gefahren zählte die EZB auch Spannungen an den Finanzmärkten. Zwar profitierten Banken von den inzwischen höheren Zinsen. Es gebe aber Anzeichen dafür, dass sich die Qualität der Vermögenswerte verschlechtere. (Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 15:48 Uhr
Chemiebranche - Geplante Preisbremsen der Regierung reichen nicht aus

Chemiebranche - Geplante Preisbremsen der Regierung reichen nicht aus

Berlin (Reuters) - Die deutsche Chemiebranche hält die Preisbremsen auf Strom und Gas in der geplanten Form der Bundesregierung nicht für ausreichend, um energieintensive Betriebe zu retten. Die Fördergrenzen seien für größere Industriefirmen zu gering, außerdem gebe es einen hohen bürokratischen Aufwand und einen Zwang zu hohen Rückstellungen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Chemieverbands VCI, Wolfgang Große Entrup, am Donnerstag. "Gewaltige Strukturbrüche in Deutschlands Industrielandschaft können nur mit einer Rettung der besonders energieintensiven Grundstoffindustrie verhindert werden." Sollte die Unterstützung bei der Chemiebranche nicht ankommen, könne die Regierung ihr Ziel nicht erreichen, Strukturbrüche zu verhindern. Die hohen Energiepreise in Europa als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine belasten viele Industriebetriebe. Laut VCI dürfte sich die Lage zum Jahreswechsel nochmals verschärfen, weil dann viele Energielieferverträge auslaufen. Besonders stark unter Druck seien Mittelständler, die vor allem in Deutschland tätig seien. Die Energiepreise lägen um ein Vielfaches höher als etwa in Japan oder den USA. "Damit ist die hiesige Chemieproduktion akut bedroht", hieß es in einem Papier des Verbandes. Den Gesetzentwürfen zur Strom- und Gaspreisbremse zufolge soll für rund 25.000 Groß-Verbraucher der Industrie ab Januar ein subventionierter Preis von sieben Cent für 70 Prozent des Gasverbrauchs und von 13 Cent beim Strom gelten. Der VCI verwies darauf, dass die Hilfen aber mit Vorgaben der EU kollidierten. Die maximale Fördergrenze von 150 Millionen Euro sei in der Chemiebranche sehr schnell erreicht. Außerdem dürften nur Firmen unterstützt werden, deren operativer Gewinn (Ebitda) um mindestens 40 Prozent zurückgehe. Weil dies im Vorfeld nur schwer zu schätzen sei, müssten in Höhe der Zuwendungen auch Rückstellungen für mögliche Rückzahlungen gebildet werden. (Bericht von Christian Krämer, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 13:41 Uhr
Studie - Preise für Wohnimmobilien fallen 2023 um bis zu sechs Prozent

Studie - Preise für Wohnimmobilien fallen 2023 um bis zu sechs Prozent

Berlin (Reuters) - Die Zinswende dürfte einer Studie zufolge am deutschen Immobilienmarkt erstmals seit zwölf Jahren für sinkende Preise sorgen. Kaufpreise für Wohnimmobilien fallen 2023 im Jahresdurchschnitt voraussichtlich um vier bis sechs Prozent, wie am Donnerstag aus einer Analyse der DZ Bank hervorgeht. Das bedeute aber nicht, dass der Erwerb eines Eigenheims leichter werde. "Die womöglich noch steigenden Hypothekenzinsen treiben insbesondere Kaufinteressierten mit geringem Eigenkapital Sorgenfalten auf die Stirn und sind ein Grund dafür, dass sich die Fertigstellung von geplanten Bau-Projekten verzögert." Aufgrund des veränderten Umfelds dürften sich viele Menschen vorerst für eine Mietwohnung entscheiden. Wegen des knappen Wohnungsangebots und einer wachsenden Bevölkerung dürften die Mietpreise 2023 erheblich steigen. Bereits im laufenden Jahr kletterten die Preise demnach um fast fünf Prozent. "Die günstigen Voraussetzungen für den Immobilienmarkt haben sich verflüchtigt und den 2010 eingesetzten Preisauftrieb beendet", heißt es in der Studie. "Der Immobilienboom hatte seinen Zenit ohnehin erreicht, doch mit dem Ukraine-Krieg kam das Ende abrupt." Seit Jahresbeginn hätten sich die Zinsen für Immobilienkredite auf vier Prozent vervierfacht. Damit sei der kräftige Preisanstieg bei Wohnimmobilien zu Ende gegangen. Vor allem eigenkapitalschwache Kaufinteressenten können sich die Kreditraten kaum noch leisten. Im dritten Quartal 2022 hätten zunächst die Preise von Mehrfamilienhäusern zu sinken begonnen. "Bei Wohneigentum dürfte der Preisrückgang etwas zeitversetzt im vierten Quartal einsetzen." Aber nicht nur das Finanzieren und Heizen, auch das Bauen von Wohnimmobilien sei spürbar teurer geworden. Zugleich müssten die angespannten Wohnungsmärkte eine rapide steigende Zuwanderung verkraften - vor allem durch Geflüchtete aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine. Wegen der steigenden Zinsen und hoher Materialkosten ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Deutschland zuletzt auch im September eingebrochen. Es war der fünfte Rückgang in Folge und mit 9,1 Prozent spürbar. Die Baubranche spricht von einer Stornierungswelle. "Das ohnehin anspruchsvolle Neubauziel der Regierung von 400.000 Wohnungen jährlich inklusive 100.000 Sozialwohnungen ist angesichts der stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten als utopisch hoch einzuschätzen", erklärten die Autoren der Studie. Die Zahl der Fertigstellungen könnte bis 2024 in Richtung von nur noch 200.000 Neubauwohnungen sinken. (Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Ralf Banser - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 13:30 Uhr
Stimmung in der Wirtschaft aufgehellt - Rezession könnte mild ausfallen

Stimmung in der Wirtschaft aufgehellt - Rezession könnte mild ausfallen

(.) Berlin (Reuters) - Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen hat sich im November überraschend deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 86,3 Zähler von revidiert 84,5 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich 85,0 Punkte erwartet. Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden, der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ließ aber merklich nach. "Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet haben", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Aufwärtstendenz beim Geschäftsklima zog sich durch alle Branchen - vom Verarbeitenden Gewerbe, über Dienstleistungen bis hin zum Handel und dem Bauhauptgewerbe. Mit der Revision des Vormonatswerts zeigt sich nun auch, dass sich das Ifo-Geschäftsklima schon den zweiten Monat in Folge verbessert hat. "Die deutsche Wirtschaft sendet Hoffnungssignale aus. Sie schlägt sich besser als erwartet", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. Die Winter-Rezession könnte demnach mild ausfallen. KEIN GRUND ZUR ENTWARNUNG DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle verwies darauf, dass die Geschäftserwartungen unter dem Eindruck des Ukrainekriegs kollabiert waren und einen Konjunktureinbruch wie in der Hochphase der Corona-Krise signalisiert hatten: "Damit rechnet aktuell niemand mehr. Dass Deutschland in eine Rezession abrutscht, ist unstrittig, aber es wird nicht der befürchtete Absturz werden." Doch gibt es aus Sicht von LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch noch keinen Grund zur Entwarnung: "Wir rücken vor aus der Zone der Untergangsangst in den Bereich normaler Rezessionssorgen. Die Erwartungen waren katastrophal, jetzt sind sie nur noch düster." Deutschland steht laut der Bundesbank zwar eine Winter-Rezession ins Haus. Doch eine Gasmangellage könne wahrscheinlich vermieden werden. Und aktuelle Umfragedaten des Finanzdienstleisters S&P Global lassen darauf schließen, dass sich die Talfahrt der Wirtschaft wegen nachlassenden Preisdrucks im November bereits abgeschwächt hat. Im Sommerquartal war die Wirtschaft angesichts der Aufhebung vieler Corona-Maßnahmen noch gewachsen: Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,3 Prozent zu. (Bericht von Reinhard Becker; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com) - von Reinhard Becker und Rene Wagner und Klaus Lauer
Am 24. November 2022 um 11:02 Uhr
Keine Einigung zum Gaspreis-Deckel bei EU-Ministertreffen in Sicht

Keine Einigung zum Gaspreis-Deckel bei EU-Ministertreffen in Sicht

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die EU-Staaten können sich trotz eines Kompromissvorschlags der Kommission weiter nicht auf eine Preis-Grenze beim Gas-Einkauf verständigen. "Man kann zusammenfassend sagen, dass alle irgendwie unglücklich sind mit dem Vorschlag der Kommission", sagte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold am Donnerstagmorgen kurz vor Beginn eines Sonder-Treffens der Energieminister in Brüssel. "Da wird noch viel Arbeit auf uns zukommen." Für Deutschland sei wichtig, dass die Märkte nicht durcheinanderkämen. Die belgische Ministerin Tinne Van der Straeten sagte: "Dieser Kommissions-Vorschlag muss im Detail diskutiert und der Text verbessert werden." Einigen Staaten halten den Kommissionsvorschlag für nicht weitgehend genug und damit unwirksam im Kampf gegen die hohen Preise. Anderen geht er als Eingriff in den Markt schon zu weit. Die Kommission hatte eine Obergrenze bei einem Anstieg der Gaspreise im Großhandel vorgeschlagen. Diese soll nur unter hohen Auflagen greifen - wenn der Preis an der europäischen Gasbörse in den Niederlanden (TTF) über zwei Wochen hinweg höher als 275 Euro pro Megawattstunde liegt. Zugleich muss der Preis zuvor zehn Tage um mindestens 58 Euro über einem weltweiten Referenzpreis für Flüssiggas liegen. Derzeit liegt der TTF-Preis etwa über 100 Euro pro Megawattstunde. Im Sommer hatte er kurzzeitig bei über 300 Euro gelegen. Eine Gruppe von 15 Staaten, geführt vor allem von Spanien und Frankreich, hält den Deckel für zu hoch und glaubt nicht, dass er so wirken kann. Die polnische Ministerin Anna Moskwa nannte diesen Deckel einen "Witz". Eine zweite kleinere Gruppe, geführt von Deutschland, sieht einen Deckel allgemein kritisch. Sie fürchtet, dass Flüssiggas dann gar nicht erst in Europa ankommen und das Gas in Europa rationiert werden muss. Zudem könnte dies dann zu Verteilungskämpfen unter den Staaten kommen, wenn es eine Gasmangel-Lage gibt. "Das wollen wir unbedingt vermeiden", sagte Giegold. Auch formal einigen werden sich die Mitgliedsländer allerdings auf einen gemeinsamen Gas-Einkauf sowie eine bessere Förderung Erneuerbarer Energien, deren Ausbau Vorrang in ganz Europa bekommen soll. Dies soll Genehmigungen beschleunigen. Darauf hatten sich die Minister und die Kommission bereits im Vorfeld verständigt. (Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 24. November 2022 um 09:58 Uhr
Habeck - Brauchen mit USA schnell Einigung zu Spannungen in Handelspolitik

Habeck - Brauchen mit USA schnell Einigung zu Spannungen in Handelspolitik

Berlin (Reuters) - Die jüngsten Spannungen mit den USA in der Handelspolitik müssen laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck schnell gelöst werden. "Das muss also jetzt - jetzt heißt in wenigen Wochen - eine Einigung geben, sonst ist Europa genötigt, einen anderen Schritt zu gehen", sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch beim Wirtschaftsgipfel der "Süddeutschen Zeitung" in Berlin. Die EU müsse dann dafür sorgen, dass es wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen gebe. Das heiße unter anderem eine Antwort darauf zu finden, dass die USA für Subventionen einen bestimmten Anteil von Produkten vorschrieben, die in den Vereinigten Staaten gefertigt werden müssten. Habeck bezog sich auf den sogenannten Inflation Reduction Act der USA - ein 370-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramm, mit dem unter anderem Erneuerbare Energien und die Industrie im Kampf gegen den Klimawandel gestärkt werden sollen. Allerdings sind damit auch Klauseln verbunden, dass die Unternehmen in den USA investieren und produzieren müssen. Das hat die EU alarmiert, da sie fürchtet, dass auch europäische Firmen so ihre Produktion nach Übersee verlagern. "Wir müssen neue Handelsbeziehungen schließen", sagte Habeck. Natürlich werde es weiter Wirtschaftsbeziehungen mit China geben. "Das ist für die deutsche Wirtschaft völlig unmöglich, davon jetzt schnell Abschied zu nehmen." Deutschland dürfe aber nicht die Augen verschließen. China wolle strategischen Einfluss über Investitionen in wichtigen Sektoren aufbauen. Das müsse kritischer betrachtet und im Zweifel auch untersagt werden. (Bericht von Christian Krämer.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 08:48 Uhr
Scholz erwartet baldige Einigung über Preisdeckel für russisches Öl

Scholz erwartet baldige Einigung über Preisdeckel für russisches Öl

Berlin/Brüssel (Reuters) - Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich optimistisch geäußert, dass sich die EU auf einen Preisdeckel für russisches Öl einigen kann. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir dies bald miteinander hinkriegen", sagte Scholz am Mittwochabend in Berlin und verwies auf laufende Verhandlungen in Brüssel. Es gehe darum, eine Lösung zu finden, die Russland treffe ohne zu große Nachteile für die EU-Staaten zu haben. Auch im G7-Rahmen wird über eine Ölpreisbremse gesprochen worden, auf die etwa die USA drängen. Umstritten ist aber nicht nur, was passiert, wenn nicht alle Einkaufsländer mitmachen. Bisher hat man auch keine Einigkeit über die Höhe des Preisdeckels für russisches Öl erzielt. Im G7-Rahmen werde an einen Deckel zwischen 65 und 70 Dollar pro Barrel Öl gedacht, sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Diplomat. "Polen, Litauen und Estland halten den Preis für zu hoch, weil sie ihn an den Produktionskosten orientieren wollen, während Zypern, Griechenland und Malta ihn für zu niedrig halten, weil die Gefahr besteht, dass ihre Schiffe noch mehr entladen werden, was bedeuten könnte, dass die G7 einen guten Mittelweg gefunden hat", sagte ein EU-Diplomat. Etwa 70 bis 85 Prozent der russischen Rohölexporte werden mit Tankschiffen und nicht über Pipelines befördert. Die Idee der Preisobergrenze besteht darin, Schifffahrts-, Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen zu verbieten, russische Rohöltransporte rund um den Globus abzuwickeln - es sei denn, das Öl wird zu einem Preis verkauft, der nicht über dem von der G7 und ihren Verbündeten festgelegten Höchstpreis liegt. Da die wichtigsten Schifffahrts- und Versicherungsunternehmen der Welt ihren Sitz in den G7-Ländern haben, würde die Preisobergrenze es Moskau sehr schwermachen, sein Öl - seinen größten Exportartikel, der etwa zehn Prozent des weltweiten Angebots ausmacht - zu einem höheren Preis zu verkaufen, lautet die Überlegung. Da die russischen Produktionskosten aber auf etwa 20 Dollar pro Barrel geschätzt werden, würde die Preisobergrenze den Verkauf von russischem Öl dennoch rentabel machen und auf diese Weise einen Versorgungsengpass auf dem Weltmarkt verhindern. Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis warnte nach dem Gespräch mit Scholz vor einer Wettbewerbsverzerrung. In Anspielung auf das Nachbarland Türkei sagte er, ein Preisdeckel müsse auch für Staaten gelten, die Mitglied der EU werden wollten oder Nato-Mitglied seien. Es könne nicht sein, dass diese Staaten um Investitionen aus Russland werben würden, während andere Länder Sanktionen gegen Russland beschlössen. Hintergrund sind die weiter relativ guten Beziehungen der Türkei und Russlands. Anastasiadis sagte mit Blick auf die früheren hohen russischen Investitionen auf Zypern, dass diese bereits seit der Finanzkrise deutlich zurückgegangen seien. Das EU-Land könne deshalb die EU-Sanktionen gegen Moskau ohne Probleme umsetzen. (Bericht von Andreas Rinke, Jan Strupcewski; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 07:28 Uhr
Einmaleffekten nach CPI-Übernahme belasten Immofinanz

Einmaleffekten nach CPI-Übernahme belasten Immofinanz

Wien (Reuters) - Der Wiener Immobilienkonzern Immofinanz hat in den ersten drei Quartalen bei stabilen Mieterlösen unter dem Strich weniger verdient. Das Konzernergebnis schrumpfte um 15,9 Prozent auf 248,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte. Nachdem die CPI Property Group die Mehrheit erlangte, seien im Berichtszeitraum einige Einmaleffekte schlagend geworden, erklärte der Konzern. Dazu zählten unter anderem höhere Aufwendungen infolge der Übernahmeangebote von CPI und von S Immo sowie durch vorzeitige Rückzahlungen von Unternehmensanleihen aufgrund des Kontrollwechsels und das Ausscheiden von zwei Vorständen. Das für die Branche wichtige operative Ergebnis aus dem Vermietungsgeschäft (FFO 1) legte hingegen um 15,4 Prozent auf 115,9 Millionen Euro zu. Darin enthalten sei auch die Dividendenzahlung der S Immo, an der die Immofinanz rund 26,5 Prozent hält. Im Gesamtjahr erwartet Immofinanz den FFO1 bei rund 135 Millionen Euro. S Immo und Immofinanz sollen nach den Plänen des Mehrheitsaktionärs CPI Property Group zusammengeführt werden. Dazu strebt die Immofinanz bis Jahresende den Kauf der Mehrheit an der S Immo an. Dazu würde sich die dem tschechischen Milliardär Radovan Vitek gehörende CPI von einem Anteil von mindestens 23,61 Prozent an der S Immo trennen. Die Mieterlöse der Immofinanz blieben in den ersten neun Monaten mit 216,9 (216,4) Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau. Das Portfolio des Immobilienkonzerns habe sich per Ende September um 6,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro erhöht und umfasse 260 Objekte. Das Ergebnis aus Immobilienverkäufen schrumpfte auf 5,0 (24,1) Millionen Euro. Grund dafür seien die im zweiten Quartal vorgenommenen vollständigen Wertberichtigungen einer Kaufpreisforderung von 12,9 Millionen Euro aus Russland. Diese Forderung stammte aus dem Verkauf des Russland-Portfolios im Jahr 2017 und hätte in der ersten Jahreshälfte beglichen werden sollen. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der damit verbundenen Sanktionen gegen Russland sowie deren Auswirkungen - insbesondere die in Russland verhängten Zahlungsbeschränkungen - ist die Forderung aus Sicht des Managements voraussichtlich uneinbringlich. Darüber hinaus würden keine weiteren Forderungen oder Verpflichtungen aus dem Verkauf des Russland-Portfolios bestehen, hieß es. Das Unternehmen prüfe derzeit alle rechtlichen Optionen zur Geltendmachung dieser Forderung. (Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 07:23 Uhr
Audi legt Aktivitäten auf Twitter komplett auf Eis

Audi legt Aktivitäten auf Twitter komplett auf Eis

Frankfurt (Reuters) - Der Volkswagen-Konzern hat alle bezahlten Aktivitäten auf Twitter eingestellt. Alle Marken des Volkswagen-Konzerns hätten ihre Werbeaktivitäten auf der Social-Media-Plattform bis auf weiteres eingefroren, sagte ein Sprecher des Wolfsburger Autobauers am Mittwoch. Volkswagen hatte Anfang des Monats den zum Konzern gehörenden Marken VW, Audi, Seat, Cupra, Lamborghini, Bentley, Ducati und Porsche empfohlen, nach der Übernahme des Kurznachrichtendienstes durch Elon Musk bis auf weiteres auf bezahlte Werbung bei Twitter zu verzichten. Alle Marken hätten den Rat befolgt, sagte der Sprecher. Audi habe sogar entschieden, sämtliche Aktivitäten auf Twitter, wie direkte Posts, einzustellen. Darüber hatte zuvor die "Wirtschaftswoche" berichtet. Dem Magazin zufolge wurden seit dem 2. November auf dem Unternehmensaccount keine Tweets mehr veröffentlicht. Davor hatte Audi dort fast täglich getwittert. Andere Firmen wie die Opel-Mutter Stellantis oder die Fluggesellschaft United Airlines gehen ebenfalls auf Distanz zu dem Kurznachrichtendienst. Mit seinen erratischen Entscheidungen bei Twitter stößt der neue Eigner Musk, der unter anderem auch den Elektroauto-Bauer Tesla leitet, sowohl Beschäftigte als auch Nutzer vor den Kopf. Werbekunden vergrätzt zudem der Plan des selbst ernannten "Absolutisten der Meinungsfreiheit", die Regeln für die Moderation von Inhalten auf Twitter zu lockern. Kritiker warnen, dass die Plattform dadurch zum Sammelplatz für Hassrede und Verschwörungstheorien werden könnte. (Bericht von Hakan Ersen und Victoria Waldersee, geschrieben von Ralf Banser, redigiert von Birgit Mittwollen.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 07:03 Uhr
BKS - Zahl der Großinsolvenzen verdoppelte sich im dritten Quartal

BKS - Zahl der Großinsolvenzen verdoppelte sich im dritten Quartal

Frankfurt (Reuters) - Die Zahl der Pleiten großer Unternehmen nimmt einer Untersuchung des BKS zufolge kräftig zu. Die Zahl der Großinsolvenzen ab einem Umsatz von 50 Millionen Euro verdoppelte sich im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) mitteilte. Drei Branchen fielen in der Analyse der BKS und der Insolvenzmonitoring-Firma STP Business Information besonders auf: Den größten Anstieg von Insolvenzen verzeichnete die Automobilindustrie. Hier gab es im dritten Quartal 33 Prozent mehr Firmenpleiten als im Vorjahr. Im Maschinenbau stiegen die Insolvenzen um 23 Prozent, gefolgt vom Gastgewerbe. Pleiten von Hotels und Restaurants nahmen im dritten Quartal um 22 Prozent zu. Die wirtschaftliche Unsicherheit betrifft laut Experten der BKS alle Branchen und habe einen Einfluss auf Privatinsolvenzen, aber auch auf die Bilanzen der Banken. "Ich sehe ein großes Risiko für weitere Insolvenzen durch sogenannte Zombieunternehmen", sagt BKS-Präsident Jürgen Sonder. "Schon zu Zeiten üppiger Liquidität waren diese nicht in der Lage, Schulden zu tilgen." Nun müssten diese Firmen höhere Material- und Energiekosten, sowie höhere Zinsen schultern. (Bericht von Marta Orosz, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 23. November 2022 um 17:50 Uhr
Strombranche läuft Sturm gegen Erlös-Abschöpfungspläne des Bundes

Strombranche läuft Sturm gegen Erlös-Abschöpfungspläne des Bundes

Berlin (Reuters) - Die Strombranche wehrt sich gegen die Pläne der Bundesregierung zur Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen in der Energiekrise. Sowohl der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) also auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) zeigten sich zwar am Mittwoch bereit, Abgaben aus den derzeit hohen Gewinnen der Stromerzeuger zu leisten. Der BDEW kritisierte vor allem die im Gesetzentwurf der Regierung unklare Laufzeit der Abschöpfung. Der Beginn dürfe nicht wie geplant rückwirkend ab September, sondern erst ab Dezember greifen. "Das Enddatum der Erlösabschöpfung muss mit dem 30. Juni 2023 klar im Gesetz genannt sein", forderte der Verband in seiner Stellungnahme zum Entwurf weiter. Der BEE lehnte eine Erlös-Abschöpfung insgesamt ab und plädierte für eine Steuer auf die Gewinne. Da die Strompreise indirekt an den Gaspreisen hängen, sind sie ebenfalls stark gestiegen. Da die Produktionskosten etwa der Ökostrom-Branche sich deutlich weniger verteuert haben, entstehen hohe Extra-Gewinne. Die Bundesregierung will nun die Erlöse der Stromerzeuger fast aller Technologien abschöpfen. Dabei wird jeder Erzeugungsart wie Wind-, Solar, Braunkohle- oder Atomenergie ein bestimmter Erlös als Basis zugebilligt. Alles was darüber erzielt wird, soll zu 90 Prozent abgeschöpft werden. Das Geld, erwartet wird ein zweistelliger Milliarden-Betrag, soll zur Finanzierung der Strompreis-Dämpfung für Haushalte und Industrie verwandt werden. Die Abschöpfung soll zunächst von September bis Juni 2023 gelten, kann aber dem Entwurf zufolge bis Ende 2024 verlängert werden. Das Bundeskabinett soll noch diese Woche den Entwurf zusammen mit Strom- und Gaspreisbremse beschließen. Die Verbände kritisieren das Vorhaben als viel zu bürokratisch und kaum umsetzbar. Der BEE beklagt vor allem eine Benachteiligung der Erneuerbaren Energien, die für die aktuell hohen Preise nicht verantwortlich seien. Es bestehe zudem die Gefahr, dass es Fehlanreize im Strommarkt gebe. "Aus diesem Grunde wäre ein Abschöpfungsmechanismus, der am Gewinn einer Anlage ansetzt, grundsätzlich sinnvoller. Daher plädiert der BEE nach wie vor für eine steuerliche Lösung", heißt es in der BEE-Stellungnahme. (Bericht von: Markus Wacket; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 23. November 2022 um 17:13 Uhr
Finanzministerium plant Sonderabgabe von 33 Prozent für Energiekonzerne

Finanzministerium plant Sonderabgabe von 33 Prozent für Energiekonzerne

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will ungewöhnlich hohe Gewinne von Mineralöl- und Gasunternehmen mit einer Sonderabgabe abschöpfen. Die Höhe solle dem europarechtlichen Mindestabgabewert von 33 Prozent entsprechen, verlautete am Mittwoch aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums. Die Grünen forderten umgehend einen höheren Satz. Erwartet werden dadurch Steuermehreinnahmen von einer bis drei Milliarden Euro, die dem Bund zustehen. In einer Formulierungshilfe für die Bundestagsfraktionen der Ampel-Koalition heißt es, der Gewinn betroffener Firmen in den Jahren 2022 und 2023 müsse jeweils um 20 Prozent höher liegen als der Durchschnittsgewinn der Jahre 2018 bis 2021. Betroffen seien Unternehmen - unabhängig von ihrer Rechtsform - im Erdöl-, Erdgas-, Kohle- sowie Raffineriebereich. Die Abgabe sei keine abzugsfähige Betriebsausgabe bei der Einkommens- beziehungsweise Körperschaftssteuer. Laut Finanzministeriumskreisen sollen ausschließlich besonders profitable Konzerne in die Pflicht genommen werden. Es gehe um eine niedrige zweistellige Zahl. FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner hatte sich lange gegen eine Übergewinnsteuer gesträubt, muss sie nun aber in etwas anderer Form einer Abgabe einführen. Deutschland müsse den sogenannten EU-Energiekrisenbeitrag bis zum Jahresende 2022 umsetzen, ansonsten drohe ein Vertragsverletzungsverfahren, so die Insider aus dem Finanzministerium. Sie verwiesen ausdrücklich darauf, dass die Verhandlungen auf EU-Ebene vom Wirtschaftsministerium unter grüner Leitung geführt worden seien und es verfassungsrechtliche Bedenken gegeben habe. Verschiedene Formen der Umsetzung seien geprüft worden. Die jetzt gewählte Abgabe sei mit den geringsten rechtlichen Risiken verbunden. Die Grünen sprachen sich für eine andere Umsetzung aus. Mehr sei nötig und es sei auch ein höherer Satz als 33 Prozent möglich, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck. "In der jetzigen Form sind Gewinnverschiebungen ins Ausland zu befürchten, so dass die Abgabe wahrscheinlich großflächig umgangen werden kann und nur ein geringes Aufkommen zu erwarten wäre." Ähnlich äußerte sich Grünen-Chefin Ricarda Lang: Es müsse nochmal geprüft werden, wer davon betroffen und wie hoch die Abgabe am Ende sei. "Ich glaube, da ist noch mehr drin", sagte sie dem TV-Sender "Welt". Die Ampel-Regierung hatte diese Woche ihre Pläne für eine Gas- und Strompreisbremse vorgestellt. Darin enthalten sich auch Pläne, Zufallsgewinne der Stromerzeuger abzuschöpfen - und zwar rückwirkend ab Anfang September 2022. Dies soll zunächst bis Juni 2023 gehen, kann aber bis Ende 2024 verlängert werden. Die Produzenten können gestaffelt nach Erzeugungsart wie etwa Wind-, Sonne- oder Braunkohle einen bestimmten Basiserlös plus eines Aufschlages behalten, müssen darüber hinaus aber 90 Prozent der Erlöse abtreten. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar sind die Energiepreise deutlich nach oben geschossen. Davon haben einige Konzerne profitiert, während andere Firmen unter den hohen Preisen leiden. (Bericht von Christian Krämer und Holger Hansen. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 23. November 2022 um 15:21 Uhr
EZB-Vize - Notenbank wird Zinsen trotz Rezessionsrisiken weiter anheben

EZB-Vize - Notenbank wird Zinsen trotz Rezessionsrisiken weiter anheben

Madrid (Reuters) - Trotz der Rezessionsgefahren wird die EZB laut Notenbank-Vizechef Luis de Guindos ihren Zinserhöhungskurs fortsetzen. "Wir werden weiterhin die Zinsen auf ein Niveau anheben, das es uns möglich macht, sicherzustellen, dass sich die Inflation unserer Definition von Preisstabilität annähert", sagte der Stellvertreter von EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Mittwoch auf einer Finanzkonferenz in Madrid. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt zwei Prozent Teuerung für den Euro-Raum an. Davon ist sie aber aktuell weit entfernt: Im Oktober erreichte die Inflationsrate mit 10,6 Prozent ein neues Rekordniveau - so hoch war die Inflation noch nie seit der Einführung des Euro. Auf den möglichen Umfang der nächsten Zinserhöhung bei der Ratssitzung am 15. Dezember ging de Guindios nicht näher ein. Dies hänge von den anstehenden neuen EZB-Prognosen und den Inflationswerten im November ab. Zur Zinssitzung werden den Währungshütern neue Vorhersagen der Notenbank-Volkswirte zu Inflation und Wachstum vorliegen. Auch eine Prognose für 2025 wird erstmals dabei sein. Die Inflation werde in den nächsten Monaten in der Nähe des derzeitigen Niveaus von etwa zehn Prozent verharren, sagte de Guindos. Die Hartnäckigkeit des Inflationsdrucks dürfe nicht unterschätzt werden. "Es ist sehr wichtig, die Entwicklung der Kerninflation und mögliche Zweitrundeffekte zu beobachten, da sie die Reaktion der Geldpolitik bestimmen werden", sagte er. Bei der Kerninflation werden die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet. Zuletzt hatte die EZB hinsichtlich möglicher Zweitrundeneffekte unter anderem die Lohnforderungen der Gewerkschaften im Blick, die in Reaktion auf die massive Zunahme der Inflation stark gestiegen waren. De Guindos zufolge wird eine Verlangsamung der Konjunktur oder eine Rezession alleine nicht ausreichen, um von den hohen Inflationsniveaus wegzukommen. "Es ist sehr gut möglich, dass wir im vierten Quartal und im ersten Quartal des nächsten Jahres negative Wachstumsraten haben werden", sagte er. Der EZB-Vize rechnet zudem damit, dass sich der Preisanstieg im ersten Quartal oder in der ersten Jahreshälfte 2023 etwas verlangsamen wird. (Bericht von Jesús Aguado, Emma Pinedo; Bearbeitet von Frank Siebelt; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 23. November 2022 um 12:42 Uhr
Kartellamt - Facebook geht bei Virtual-Reality-Brille auf Bedenken ein

Kartellamt - Facebook geht bei Virtual-Reality-Brille auf Bedenken ein

Düsseldorf (Reuters) - Der US-Internetriese Meta geht mit seiner Tochter Facebook im Streit um die Virtual-Reality-Brille Quest 2 dem Kartellamt zufolge auf Bedenken der Wettbewerbshüter ein. Die Brillen könnten künftig auch ohne Facebook-Konto genutzt werden, teilte das Kartellamt am Mittwoch mit, das seit Mai 2020 im Zusammenhang mit den VR-Brillen gegen den US-Konzern ermittelt. Die Brille könne nun auch mit einem separaten Konto - dem Meta-Konto - in Betrieb genommen werden, hieß es weiter. Damit könne der Verkauf der Brillen in Deutschland starten - dies gelte auch für das neue Produkt Quest Pro. Meta habe auf dem wachsenden VR-Markt eine bedeutende Position, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. "Wenn die Nutzung der VR-Brillen nur für Facebook- oder Instagram-Mitglieder möglich wäre, könnte dies den Wettbewerb in beiden Bereichen stark beeinträchtigen." Das Verfahren sei damit aber noch nicht abgeschlossen, teilte die Behörde mit. Es gehe dem Amt auch um die Frage der Verbindung der im Rahmen der unterschiedlichen Meta-Dienste verarbeiteten Daten. Das Kartellamt nimmt verstärkt Online-Riesen ins Visier, um den Wettbewerb in der Wachstumsbranche zu sichern. Der Gesetzgeber hatte dem Kartellamt dazu im Januar 2021 neue Instrumente in die Hand gegeben. Unter anderem nimmt das Amt aktuell auch Amazon und Google unter die Lupe. (Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 23. November 2022 um 12:36 Uhr
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