Börsen-Update der Woche
Börsen-Update der Woche  :  Ruhe vor dem Sturm

Börsen-Update der Woche : Ruhe vor dem Sturm

Für die Finanzmärkte war es wegen des Feiertags Thanksgiving, an dem die Wall Street ruht, eine eher ruhige Woche, die erneut mit einem Plus endete. Vorausgegangen war die Bestätigung, dass sich das Tempo der Zinserhöhungen in den USA und in Europa bald verlangsamen könnte. Die Zentralbanken warnten allerdings, dass die Inflation noch lange nicht eingedämmt ist und weitere Zinsstraffungen erforderlich sein werden. Wochenperformance* DAX 14541  +0.76% SIEMENS ENERGY AG +9.95% FRESENIUS SE & CO. K... +5.28% BRENNTAG SE +4.14% PUMA SE -3.25% VOLKSWAGEN AG -3.74% ADIDAS AG -4.04% STOXX EUROPE 600440.73  +1.71% S&P 5004026.12  +1.53% NIKKEI 22528283.03  +1.37% GOLD1754.26$  +0.12% BRENT OIL83.79$  -4.45% EURO / US DOLLAR1.04$  +0.62% Tops / Flops der Woche Manchester United (+44 %): Nachdem die Gerüchteküche zuletzt schon brodelte, bestätigte die Familie Glazer, dass sie derzeit ihre Beteiligung am britischen Fußballverein überdenkt. Das bedeutet: Falls sich ein Käufer mit einem guten Angebot findet, ist ein Verkauf wahrscheinlich. Mirati Therapeutics (+25 %): Bloomberg News berichtete diese Woche, dass das Onkologieunternehmen offenbar von mehreren Pharmariesen umworben wird. Seit der große Konkurrent Seagen entschieden hat, unabhängig zu bleiben, hat das Interesse an Mirati zugenommen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) muss bis Mitte Dezember über Adagrasib, ein Medikament zur Behandlung von Lungenkrebs, entscheiden. Burlington Stores (+24 %): Der Textileinzelhändler hat einen optimistischeren Ausblick für das Jahr 2023 abgegeben, was die Anleger beruhigte. Damit wollte man ihnen wohl auch die enttäuschenden Quartalsergebnisse erträglicher machen. Warner Music (+17 %): Die Analysten begrüßten die Mitte der Woche vorgelegten Quartalsergebnisse sowie die Prognosesicherheit für die kommenden Geschäftsjahre. Best Buy (+14 %): Auch hier gab es erfreuliche Ergebnisse. Der Einzelhändler übertraf die Erwartungen und hob daraufhin sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr an, was am Markt natürlich gut ankam. Siemens Energy (+10 %): Nach längerer Durststrecke setzt der deutsche Konzern sein Comeback fort. Die in der letzten Woche veröffentlichten Zahlen und die operative Disziplin überzeugen. Die Aktie hat innerhalb eines Monats um 44 % zugelegt - ein neuer Rekord bei europäischen Large Caps. Dr. Martens (-24 %): Der Hersteller der bekannten Schuhe warnte davor, dass die unerwartet schwache Nachfrage im aktuellen Konsumumfeld auf die diesjährigen Margen drücken wird. Jack in the Box (-16 %): Die Fastfood-Kette gab bei der Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen einen zaghaften Ausblick auf das kommende Jahr, ohne die Erwartungen zu enttäuschen. Außerdem sieht sich die Gruppe durch die Übernahme von Del Taco höheren Kosten gegenüber. TAG Immobilien (-15 %): Das deutsche Immobilienunternehmen kündigte diese Woche an, dass es zugunsten der eigenen Finanzkraft in diesem Jahr auf die Zahlung einer Dividende verzichten wird, und musste dafür kräftig Federn lassen. Ob es im Jahr 2023 eine Ausschüttung geben wird, ist noch unklar. Intrum (-11 %): Das schwedische Unternehmen kündigte eine umfassende negative Anpassung bei einer seiner Beteiligungen an, was den Marktteilnehmern sehr missfiel. Das Research-Haus Nordea senkte seine Empfehlung von Kaufen auf Halten. Crédit Suisse (-12 %): Für die Bank geht der Albtraum weiter: Sie rechnet für das 4. Quartal mit einem hohen Verlust. Trotzdem führte die Crédit Suisse eine Kapitalerhöhung von 4 Mrd. CHF durch und verschaffte sich damit ein Sicherheitspolster für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Transformation. Rohstoffe Energie: Die Ölmärkte stehen weiterhin unter Druck und gaben in der vergangenen Woche erneut nach. Die Europäische Union erwägt eine Preisobergrenze von 65 bis 70 USD für russisches Öl, das bereits mit einem deutlichen Abschlag gegenüber der Sorte Brent gehandelt wird (Urals-Öl steht derzeit bei rund 67 USD je Barrel). Daraus lässt sich schließen, dass sich die Preisobergrenze kaum auf die russische Ölproduktion auswirken dürfte. Diese wird in den nächsten Monaten also voraussichtlich nicht wesentlich zurückgehen, was zumindest teilweise die niedrigeren Ölpreise der letzten Tage erklärt. Die Nordseesorte Brent notiert bei ca. 86 USD, während die US-Referenzsorte WTI mit 79 USD pro Barrel gehandelt wird. Beim Erdgas pendelt der europäische Referenzpreis am niederländischen Handelsplatz TTF um die Marke von 123 EUR/MWh. Russland hat der Ukraine vorgeworfen, beim Transit durch ihr Staatsgebiet Gas abzuzweigen, das für die Republik Moldau bestimmt war. Gazprom droht daher, seine Lieferungen über die Ukraine zu drosseln. Metalle: Industriemetalle verbilligten sich weltweit, da Beunruhigung über die neuen Coronabeschränkungen in China herrschte. Die erneute Ausbreitung des Coronavirus veranlasste die dortigen Behörden, mehrere Städte und Viertel wieder abzuriegeln. Der Markt muss also folglich noch etwas Geduld haben, bis sich die Metallnachfrage deutlich erholt. Eine Tonne Kupfer kostet an der LME aktuell etwas über 8.000 USD. Im Segment Edelmetalle verharrte der Goldpreis bei 1.750 USD. Der World Platinum Investment Council rechnet für nächstes Jahr zum ersten Mal seit 2020 wieder mit einem Platinmangel. Dabei verweist das Institut auf eine kräftige Nachfrage aus der Automobilindustrie (deren Bedarf gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % steigen dürfte), während das globale Angebot voraussichtlich nur um 2 % zulegen wird. Derzeit notiert Platin bei etwa 985 USD je Tonne. Agrarprodukte: Die Ukraine erwartet, dass sie 13 Millionen Tonnen Weizen in der Saison 2022/2023 exportieren wird und damit deutlich weniger als die 20 Millionen Tonnen im Vorjahr. Weizen notiert in Chicago unter der Marke von 800 Cent, Mais dagegen bei 660 Cent je Scheffel. Makroökonomie Marktstimmung: Konfus aber positive Tendenz. Nach wie vor sprechen die Konjunkturindikatoren, die Zinsen und die Aktien jeweils eine ganz unterschiedliche Sprache. Wer blickt da noch durch? Die europäischen Einkaufsmanagerindizes von November haben die Prognosen der Ökonomen übertroffen. In den USA sind sie unverändert schwach, doch die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind besser als erwartet und das Verbrauchervertrauen hellt sich auf. Die Aktienmärkte profitierten davon, dass die Anleger positiv auf das Protokoll der letzten Fed-Sitzung reagierten. Sie lasen darin Anzeichen für eine etwas weniger starre Haltung der US-Notenbank mit Blick auf das Tempo der Zinsanhebungen. Ob sie richtig liegen, wird die wichtige Rede von Jerome Powell nächsten Mittwoch zeigen. Devisen: Das Pfund Sterling hatte eine gute Woche und wertete gegenüber den meisten Währungen wieder auf. Die Devisenhändler erklären diese Dynamik mit den weiterhin sehr hohen Inflationszahlen in Großbritannien, denn so sieht sich die Zentralbank gezwungen, an der Zinsschraube zu drehen. Sie sind jedoch in Anbetracht der Wirtschaftslage in Großbritannien skeptisch, ob dieses Phänomen von Dauer sein wird. Der Kurs des Pfund Sterling liegt nun bei 1,2104 USD bzw. 1,1619 EUR. Der Euro holte gegenüber dem US-Dollar ebenfalls auf und erreichte ein Niveau 1,0418 USD, bevor er am Freitag wieder unter die Marke von 1,04 USD sank. Auch die chinesische Währung machte Boden gut, nachdem die Zentralbank des Landes erneut eingriff, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Anleihen: In den USA geht der Anleihemarkt weiterhin davon aus, dass die US-Notenbank das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen wird. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank von 3,78 % vor einer Woche auf 3,71 %. In Erwartung einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung, die allerdings auf sich warten lässt, sind auf der inversen Zinsstrukturkurve die Renditen kurzfristiger Schuldtitel nach wie vor höher als die von Langläufern. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verharrt unter 2 %, obgleich sie am Freitag deutlich gestiegen ist. Französische Staatsanleihen pendelten sich im Bereich von 2,4 % ein, Schweizer Staatspapiere mit 10 Jahren Laufzeit werfen dagegen 1 % ab. Kryptowährungen: Der Bitcoin steht noch immer unter dem Schock der FTX-Pleite. Diese Woche rückte die digitale Währung mit einem Plus von 1,73 % leicht in positives Terrain vor und bewegte sich bei Redaktionsschluss bei rund 16.500 USD. Nachdem das Vertrauen im Ökosystem der Kryptowährungen auf null gesunken war, wird es vermutlich viele Wochen dauern, bis der Markt für digitale Anlagen wieder für eine größere Zahl von Anlegern attraktiv wird. Während wir warten, dass der Optimismus in Bezug auf die Kryptowährungen zurückkehrt, arbeiten Amazon und Apple an der Produktion einer Serie bzw. eines Films über das Chaos bei der Kryptobörse FTX. Kryptobegeisterte dürften gespannt sein... Termine: Nächste Woche stehen einige makroökonomische Daten auf dem Programm: Am Dienstag wird das Conference Board den aktuellen US-Verbrauchervertrauensindex veröffentlichen. Am Mittwoch erwarten wir dann die erste Schätzung zur Inflation in Europa im November, eine neue Prognose zum US-amerikanischen BIP im 3. Quartal, den JOLTS-Report des US-Arbeitsministeriums zur Anzahl offener Stellen und eine wichtige Rede des Fed-Präsidenten Jerome Powell. Am Donnerstag stehen in den USA die Verbraucherpreisinflation und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf der Agenda. Am selben Tag treffen sich auch die OPEC-Staaten. Am Freitag wird sich Christine Lagarde zu Wort melden, außerdem werden die US-Arbeitsmarktdaten für November veröffentlicht. Ruhe vor dem Sturm Auf die Ruhe folgt der Sturm. Nach dem Feiertag in den USA wird nächste Woche eine Flut von Zahlen erwartet. Wenn der Black Friday und der Cyber Monday vorüber sind, werden die Marktteilnehmer erfahren, wie es um die Konsumlaune der US-Verbraucher steht. *Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.
ZB Heute um 18:11
Schwerpunkte
Bundesbank warnt vor Risiken für das Finanzsystem

Bundesbank warnt vor Risiken für das Finanzsystem

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank warnt angesichts drohender Rezession und nervöser Börsen vor Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems. Gedämpfte Wachstumsaussichten, eine hohe Inflation sowie steigende Zinsen und Risikoaufschläge kennzeichneten die Lage, teilte die Bundesbank am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung ihres jüngsten Berichts zur Finanzstabilität mit. Für 2023 werde eine leichte Rezession vorhergesagt. "In der Summe sind also die makroökonomischen Risiken gestiegen, und das Finanzsystem bleibt verwundbar", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Die Lage der Unternehmen habe sich verschlechtert, Insolvenzen würden voraussichtlich zunehmen und die privaten Haushalte hätten an Kaufkraft eingebüßt. Banken, Versicherer und Investmentfonds hätten aufgrund von Kurskorrekturen Verluste verzeichnet. Nach oben gekletterte und extrem schwankungsreiche Börsenpreise für Energieprodukte hätten dazu geführt, dass sich die Anforderungen an Sicherheiten bei Derivateverträgen deutlich erhöhten. "Auch wenn sich die Lage an den Energiebörsen entspannt hat, stellt eine Verschärfung der Energiekrise ein mögliches Risikoszenario für das Finanzsystem dar", erklärte Buch. Darüber hinaus würde ein abrupter Zinsanstieg an den Märkten viele Kreditnehmer und Finanzinstitute nach Einschätzung der Bundesbank unter Druck setzen. Höhere Zinsen hätten bereits zu Anpassungen bei den Wertpapieren geführt, sagte Buch. "Die Banken müssen Abschreibungen vornehmen und haben ihre stillen Reserven auch bereits weitgehend aufgebraucht." Die Preise für Wohnimmobilien stiegen weiter, wenn auch mit geringerer Dynamik. "Gleichwohl sind die Überbewertungen, von denen wir gesprochen haben, nach wie vor im Markt." Für das Jahr 2021 hatte die Bundesbank die Überbewertungen auf 15 bis 40 Prozent geschätzt. Neuere Zahlen nannte die Bundesbank nicht. RAUM FÜR WEITERE RISIKOVORSORGE Geldhäuser sollten die Auswirkungen von Negativszenarien für ihre Geschäfte prüfen, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. "Angesichts einer hohen Unsicherheit sollten sie umsichtig Risikovorsorge betreiben und nur vorsichtig Gewinne ausschütten." Ihn wundere, dass nur wenig zusätzliche Risikovorsorge gebildet werde. Vor kurzem hatte die Europäische Zentralbank (EZB) von gestiegenen Risiken für die Finanzstabilität im Euro-Raum berichtet. Dabei verwies EZB-Vizechef Luis des Guindos auf die gestiegenen Energiepreise und Inflationsraten und die sich eintrübende Konjunktur. Die Verwundbarkeiten von Haushalten, Unternehmen und Staaten, die mehr Schulden haben, hätten zugenommen. Zu den Gefahren zählte die EZB auch Spannungen an den Finanzmärkten. Zwar profitierten Banken von den inzwischen höheren Zinsen. Es gebe aber Anzeichen dafür, dass sich die Qualität der Vermögenswerte verschlechtere. (Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 15:48 Uhr
Chemiebranche - Geplante Preisbremsen der Regierung reichen nicht aus

Chemiebranche - Geplante Preisbremsen der Regierung reichen nicht aus

Berlin (Reuters) - Die deutsche Chemiebranche hält die Preisbremsen auf Strom und Gas in der geplanten Form der Bundesregierung nicht für ausreichend, um energieintensive Betriebe zu retten. Die Fördergrenzen seien für größere Industriefirmen zu gering, außerdem gebe es einen hohen bürokratischen Aufwand und einen Zwang zu hohen Rückstellungen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Chemieverbands VCI, Wolfgang Große Entrup, am Donnerstag. "Gewaltige Strukturbrüche in Deutschlands Industrielandschaft können nur mit einer Rettung der besonders energieintensiven Grundstoffindustrie verhindert werden." Sollte die Unterstützung bei der Chemiebranche nicht ankommen, könne die Regierung ihr Ziel nicht erreichen, Strukturbrüche zu verhindern. Die hohen Energiepreise in Europa als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine belasten viele Industriebetriebe. Laut VCI dürfte sich die Lage zum Jahreswechsel nochmals verschärfen, weil dann viele Energielieferverträge auslaufen. Besonders stark unter Druck seien Mittelständler, die vor allem in Deutschland tätig seien. Die Energiepreise lägen um ein Vielfaches höher als etwa in Japan oder den USA. "Damit ist die hiesige Chemieproduktion akut bedroht", hieß es in einem Papier des Verbandes. Den Gesetzentwürfen zur Strom- und Gaspreisbremse zufolge soll für rund 25.000 Groß-Verbraucher der Industrie ab Januar ein subventionierter Preis von sieben Cent für 70 Prozent des Gasverbrauchs und von 13 Cent beim Strom gelten. Der VCI verwies darauf, dass die Hilfen aber mit Vorgaben der EU kollidierten. Die maximale Fördergrenze von 150 Millionen Euro sei in der Chemiebranche sehr schnell erreicht. Außerdem dürften nur Firmen unterstützt werden, deren operativer Gewinn (Ebitda) um mindestens 40 Prozent zurückgehe. Weil dies im Vorfeld nur schwer zu schätzen sei, müssten in Höhe der Zuwendungen auch Rückstellungen für mögliche Rückzahlungen gebildet werden. (Bericht von Christian Krämer, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 13:41 Uhr
Studie - Preise für Wohnimmobilien fallen 2023 um bis zu sechs Prozent

Studie - Preise für Wohnimmobilien fallen 2023 um bis zu sechs Prozent

Berlin (Reuters) - Die Zinswende dürfte einer Studie zufolge am deutschen Immobilienmarkt erstmals seit zwölf Jahren für sinkende Preise sorgen. Kaufpreise für Wohnimmobilien fallen 2023 im Jahresdurchschnitt voraussichtlich um vier bis sechs Prozent, wie am Donnerstag aus einer Analyse der DZ Bank hervorgeht. Das bedeute aber nicht, dass der Erwerb eines Eigenheims leichter werde. "Die womöglich noch steigenden Hypothekenzinsen treiben insbesondere Kaufinteressierten mit geringem Eigenkapital Sorgenfalten auf die Stirn und sind ein Grund dafür, dass sich die Fertigstellung von geplanten Bau-Projekten verzögert." Aufgrund des veränderten Umfelds dürften sich viele Menschen vorerst für eine Mietwohnung entscheiden. Wegen des knappen Wohnungsangebots und einer wachsenden Bevölkerung dürften die Mietpreise 2023 erheblich steigen. Bereits im laufenden Jahr kletterten die Preise demnach um fast fünf Prozent. "Die günstigen Voraussetzungen für den Immobilienmarkt haben sich verflüchtigt und den 2010 eingesetzten Preisauftrieb beendet", heißt es in der Studie. "Der Immobilienboom hatte seinen Zenit ohnehin erreicht, doch mit dem Ukraine-Krieg kam das Ende abrupt." Seit Jahresbeginn hätten sich die Zinsen für Immobilienkredite auf vier Prozent vervierfacht. Damit sei der kräftige Preisanstieg bei Wohnimmobilien zu Ende gegangen. Vor allem eigenkapitalschwache Kaufinteressenten können sich die Kreditraten kaum noch leisten. Im dritten Quartal 2022 hätten zunächst die Preise von Mehrfamilienhäusern zu sinken begonnen. "Bei Wohneigentum dürfte der Preisrückgang etwas zeitversetzt im vierten Quartal einsetzen." Aber nicht nur das Finanzieren und Heizen, auch das Bauen von Wohnimmobilien sei spürbar teurer geworden. Zugleich müssten die angespannten Wohnungsmärkte eine rapide steigende Zuwanderung verkraften - vor allem durch Geflüchtete aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine. Wegen der steigenden Zinsen und hoher Materialkosten ist die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Deutschland zuletzt auch im September eingebrochen. Es war der fünfte Rückgang in Folge und mit 9,1 Prozent spürbar. Die Baubranche spricht von einer Stornierungswelle. "Das ohnehin anspruchsvolle Neubauziel der Regierung von 400.000 Wohnungen jährlich inklusive 100.000 Sozialwohnungen ist angesichts der stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten als utopisch hoch einzuschätzen", erklärten die Autoren der Studie. Die Zahl der Fertigstellungen könnte bis 2024 in Richtung von nur noch 200.000 Neubauwohnungen sinken. (Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Ralf Banser - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 24. November 2022 um 13:30 Uhr
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