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Gegenwind aus Politik und Gewerkschaften für Conti wegen Jobabbau

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16.09.2020 | 16:55

HANNOVER/AACHEN (dpa-AFX) - Die geplante Schließung der Reifenproduktion von Continental im Werk Aachen stößt in der Politik, bei Gewerkschaften und in der Belegschaft auf heftige Kritik. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis verlangten am Mittwoch eine engere Abstimmung. Angesichts der Dimension der vorgesehenen Kürzungen seien schon vorher Gespräche geboten gewesen, erklärten der SPD-Politiker und der Gewerkschaftsvorsitzende zur Lage bei dem Dax-Konzern. "Dafür ist es aber noch nicht zu spät", meinte Weil.

In Nordrhein-Westfalen zeigte sich sein Kollege Armin Laschet (CDU) verärgert: "Die Art und Weise, wie die Continental AG die beabsichtigte Schließung des Reifenwerks kommuniziert hat, ist für die Landesregierung inakzeptabel", sagte er dem "Handelsblatt".

Continental will unter dem Druck des Strukturwandels in der Autoindustrie und der Corona-Absatzkrise weltweit 30 000 Stellen "verändern", davon 13 000 in Deutschland. Dazu gehören neben Umschulungen von Mitarbeitern auch viele Streichungen oder Verlagerungen von Jobs. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer als weiteren Standort die Reifenproduktion in Aachen dichtmachen will. Es geht dabei um etwa 1800 Jobs.

Weil sagte, er setze darauf, dass der Conti-Vorstand mit dem Land in einen Dialog treten werde, falls es um Arbeitsplätze in Niedersachsen gehe. Vassiliadis hält das "Hauruck-Vorgehen" des Managements für "hilflos, kurzsichtig und sozial unausgewogen". Aus Sicht von Laschet hat das Vorgehen "mit einer in Nordrhein-Westfalen und Deutschland gewachsenen Unternehmenskultur und Partnerschaft nichts zu tun". Die Landesregierung werde sich dafür einsetzen, das Aachener Werk zu halten. Aus Konzernkreisen hieß es allerdings, es habe sehr wohl schon vor der Bekanntgabe der Schließungspläne durch die IG BCE ein Gesprächsangebot gegeben. Man sei weiterhin offen für Beratungen.

Nach Angaben des Unternehmens sind die Streichungen Teil des Anfang September angekündigten verschärften Sparkurses. Auch weil das traditionelle Reifengeschäft bisher noch profitabel ist, stoßen die Maßnahmen bei Betriebsräten und Gewerkschaftern auf Widerstand - diese drohen mit einem "folgenschweren Konflikt". Nach Darstellung des Konzerns gibt es jedoch auch in der Reifensparte hohe Kosten und eine Unterauslastung der Kapazitäten. Der Markt in Europa sei rückläufig.

"Uns ist bewusst, dass wir über harte Einschnitte verhandeln", erklärte Conti. "Daher haben wir natürlich großes Verständnis für die Enttäuschung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Der Aufsichtsrat muss den Plänen noch zustimmen. "Unser Ziel ist es, die Anpassungen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Ergebnisse der Gespräche werden wir nach deren Abschluss zeitnah bekanntgeben."

Konzernbetriebsratschef Hasan Allak hat kein Verständnis für die Kürzungen. "Die angekündigte Schließung in Aachen trifft einen profitablen deutschen Traditionsstandort", betonte er. "Außerdem werden mehr als 1000 Stellen bei Contitech abgebaut." Das Unternehmen hatte erklärt, die Maschinenbau-Sparte sei in Aachen nicht betroffen.

Nach Angaben Allaks waren viele Beschäftigte in den zurückliegenden Jahren zur Absicherung ihrer Jobs zu Einkommenseinbußen bereit. "Continental hat gleichzeitig Profite in nie gesehenen Dimensionen verzeichnet und Aktionären immer neue Rekorddividenden gezahlt." Nötig sei "ein vernünftiges und ausgewogenes Paket für Transformation und Krisenbewältigung". In einer Online-Petition äußerten sich viele Mitarbeiter bestürzt über den Sparkurs. Die erzeugte Unsicherheit sei "ein Unding", heißt es etwa, während es gleichzeitig Manager-Boni gebe. Viele sehen die Zukunft generell in Gefahr, falls Kompetenzen ausgehöhlt werden. Teils habe es auch bereits Kündigungen gegeben./jap/DP/nas

© dpa-AFX 2020

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