NEW YORK (dpa-AFX) - Der plötzliche Chefwechsel beim Chiphersteller Intel bereitet dem US-Analysehaus Bernstein Sorgen. Durch das entstandene Vakuum an der Spitze des Konzerns dürften die Gewinnerwartungen erst einmal nicht mehr so stark nach oben revidiert werden wie zuletzt, schrieb Analyst Stacy Rasgon in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Er sieht das mögliche Aufwärtspotenzial für die Aktie nun als begrenzt an, selbst wenn die Ergebniskennziffern sich vorerst noch verbessern sollten. Vielmehr dürften nun die strukturellen Herausforderungen für den Konzern stärker zutage treten, was den Gewinnverbesserungen womöglich sogar ein abruptes Ende setzen könnte. Der Experte stufte deshalb sein Votum für die Aktie von "Market-Perform" auf "Underperform" ab und senkte das Kursziel von 54 auf 42 US-Dollar. Damit traut er dem Papier ein Rückschlagrisiko von rund 17 Prozent zu.

Strukturelle Probleme sollten sich ab dem kommenden Jahr offenbaren, glaubt Rasgon. So fielen etwa die Investitionen deutlich höher aus als die Abschreibungen und das für den Betrieb notwendige Kapital sei auf einem Rekordniveau, während gleichzeitig Wachstum aus den weniger attraktiven Märkten komme.

Der Experte hatte nach dem letzten Quartalsbericht die Aktie hochgestuft, weil er auf eine Fortsetzung des starken Laufs im Datenzentren-Geschäft hoffte. Doch inzwischen geht er davon aus, dass sich dies als schwierig herausstellen dürfte. Unter anderem habe sich der Wettbewerb verschärft, zudem kämpfe Intel in dem Bereich mit einer hohen Vergleichsbasis. Die zeitlichen Verzögerungen bei der geplanten Massenproduktion der 10nm-Chips verschlechterten die Situation noch weiter. Intel starte somit erstmals in einen neuen Produktzyklus, ohne die Marktführerschaft inne zu haben.

Rasgon rechnet deshalb damit, dass sich das Wachstum beim Gewinn je Aktie (EPS) des Konzerns ab dem kommenden Jahr verlangsamen werde. Auch ein Rückschlagrisiko für die Kennziffern schließt er nicht aus.

Und selbst die aktuelle Bewertung der Aktie sei weniger eine Stütze, als es auf den ersten Blick erscheine. Das Papier sei zwar mit Blick auf die Gewinne des Konzerns günstig zu haben, doch für die Beurteilung des Unternehmens ebenfalls wichtige Kennziffern wie der freie Barmittelfluss und das EPS drifteten immer weiter ab. Zudem könnten nun die technologischen und wettbewerbsbedingten Probleme zu einem Sinken der Bewertungsmultiplikatoren führen.

Entsprechend der Einstufung "Underperform" erwarten die Analysten von Bernstein Research, dass die Kursentwicklung der Aktie in den kommenden zwölf Monaten um mehr als 15 Prozentpunkte unter der Entwicklung des S&P-500-Index Index liegen wird./tav/la/he

Analysierendes Institut Bernstein.