Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat die Sitzung vom Freitag mit einem deutlichen Plus beendet. Positive Vorgaben aus den USA und Asien sowie verfallsbedingte Transaktionen hätten über weite Strecken für gute Stimmung gesorgt, hiess es im Markt. Die Volumen seien dabei nicht zuletzt wegen des heutigen grossen Eurex-Verfalls recht hoch gewesen. Der SMI als wichtigster Schweizer Index überschritt im Laufe des Tages die Marke von 11'400 klar, büsste dann am späteren Nachmittag und vor allem in der Schlussphase aber wieder etwas an Dynamik ein.

Die jüngsten Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Bank of Japan hätten wieder für mehr Klarheit gesorgt, sagte ein Händler in Bezug auf die allgemeine Stimmung an den Finanzmärkten. Zwar hätten EZB und Fed weitere Zinsschritte signalisiert und mancher Marktteilnehmer müsse nun wohl die Zinserwartungen überdenken, aber der Zinsgipfel dürfte wohl nicht mehr weit sein. "Der Aktienmarkt lässt sich derzeit von den Zinsentscheiden nicht mehr gross beeindrucken. Die Investoren sehen zwar das Risiko, dass die Geldpolitik den Bogen überspannen könnte, finden aber dafür in den aktuellen Konjunkturdaten noch keine Anzeichen", so ein Händler.

Der SMI gewann bei Handelsschluss 0,74 Prozent auf 11'386,26 Punkte, das Tageshoch war mit 11'449 Zählern aber noch deutlich höher. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von gut 1 Prozent. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann 0,63 Prozent auf 1781,75 und der breite SPI 0,59 Prozent auf 15'006,29 Zähler. Von den 30 SLI-Werten legten zum Handelsschluss 24 zu und sechs büssten an Wert ein.

Für eine gewisse Volatilität und zum Teil höhere Volumen sorgte der sogenannte Hexensabbat, wie der grosse quartalsweise Verfall von Optionen und Futures auf Aktien und Indizes an der Eurex auch genannt wird. Vor allem bei gewissen Einzelwerten kam es zum Handelsschluss noch zu grösseren Bewegungen.

Für einen guten Teil der SMI-Gewinne am heutigen Handelstag waren die Index-Schwergewichte Roche (+1,6%) verantwortlich. Auch die Nummer 4 im Index, die Papiere des Luxusgüterkonzerns Richemont (+3,1%), halfen als heutiger Blue-Chip-Gewinner mit. Zu den grössten Einzelgewinnern bei den Blue Chips gehörten ausserdem Givaudan (+1,9%) und Straumann (+1,7%).

Viele dieser Bewegungen dürften mit dem Eurex-Verfall in Zusammenhang gestanden sein, hiess es im Markt. Bei Roche kamen laut Händlern noch eine positive Medikamenten-Meldung hinzu: Die US-Zulassungsbehörde hat das Krebsmittel Columvi des Basler Pharmariesen zugelassen. Anfang Januar hatte die Behörde bereits ein vorrangiges Prüfverfahren für das Mittel bewilligt.

Dagegen gaben die Technologiewerte Temenos (-1,%) und VAT (-1,0%) weiter nach und standen damit am Schluss der SLI-Liste. Während bei Temenos die spekulativen Käufe nachgelassen hätten, litten VAT weiter unter Gewinnmitnahmen. Diese begannen laut Händlern am Vortag, als das Technologieunternehmen wegen der Flaute im Chip-Geschäft die Einführung von Kurzarbeit in den beiden Werken im Rheintal angekündigt hatte. Knapp in den roten Zahlen schlossen ausserdem Julius Bär, Logitech, Adecco und UBS.

Im breiten Markt büssten Interroll (-12,1%) nach einer Gewinnwarnung massiv an Wert ein, und auch die Papiere des Branchennachbars Kardex (-4,1%) standen unter Druck. Grund für die Gewinnwarnung seien die sich abkühlende Konjunktur und Projektverschiebungen bei Kunden, hiess es vonseiten Interroll.

SoftwareOne verloren gut 1 Prozent auf 17,80 Franken. Der Anteil des Softwarehauses hatte am Vortag fast 20 Prozent auf 18 Franken gewonnen. Bain Capital und die Gründungsaktionäre wollen SoftwareOne für 18,50 Franken je Aktie übernehmen und von der Börse nehmen.

Klingelnberg (+5,1%) legten derweil deutlich zu, nachdem der Maschinenbauer über einen guten Geschäftsgang im vergangenen Geschäftsjahr 2022/23 (per Ende März) berichtet und sich der Konzernchef an einem Investoren-Call für das neue Geschäftsjahr 2023/24 "sehr optimistisch" gezeigt hatte. Evolva (+9,4%) erholten sich derweil etwas von den massiven Kursverlusten Anfang Woche, als das Unternehmen über Finanzierungsschwierigkeiten berichtet hatte.

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