Zürich (awp) - Zum Wochenstart legt der Schweizer Aktienmarkt eine Pause ein. Nachdem er seit Anfang November um mehr als 4 Prozent gestiegen ist, halten sich die Investoren zum Wochenstart erst einmal zurück. Das sei allerdings auch in den letzten Wochen ein typisches Bild gewesen, heisst es von Händlerseite. Nach einem vorsichtigen Wochenstart hätten die Investoren dann meist im weiteren Wochenverlauf zunehmend Mut gefasst.

Unterstützung erhielten die Notierungen dabei einerseits von Datenseite, durch die Hoffnungen auf Zinssenkungen ab 2024 Nahrung erhielten. Aber auch die Anleihenmärkte haben zuletzt mit ihrem Renditerückgang die Aktienmärkte gestützt. Im weiteren Wochenverlauf stehen nun verschiedene Konjunkturdaten an, von denen sich Anleger weiteren Aufschluss über den möglichen Kurs der wichtigsten Notenbanken erhoffen. Einige Händler betrachten die jüngsten Avancen dagegen als übertrieben. Sie passten nicht in das generelle Stimmungsbild.

Der Leitindex SMI gibt gegen 11.10 Uhr um 0,27 Prozent nach auf 10'849,92 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI verliert 0,24 Prozent auf 1715,45 und der breite SPI 0,24 Prozent auf 14'232,81 Zähler. Im SLI gewinnen zehn Titel hinzu, 17 verlieren und drei sind unverändert.

Dass der Markt zuletzt in eine leichte Konsolidierung eingetreten ist, überrasche wenig, heisst es am Markt. Vielmehr werde hier und da die Frage gestellt, ob es das nun bereits gewesen sei mit dem Jahresendrally oder ob der Aufwärtstrend in den nächsten Wochen wieder Fahrt aufnehmen werde. Rein charttechnisch gesehen lauert bei 11'000 Punkten ein psychologisch möglicher Stolperstein.

Das Verliererfeld bei den Blue Chips wird zum Wochenstart von SIG, Lonza und Julius Bär angeführt, die allesamt um mehr als 1 Prozent fallen. Das zentrale Gesprächsthema am Markt ist dabei Julius Bär. Die Bank hat erstmals offengelegt, wie viel Geld ihr das taumelnde Signa-Immobilienimperium von René Benko schuldet. Sie vermag damit nach den jüngsten Turbulenzen die Wogen nur etwas zu glätten. Analysten begrüssen in einer ersten Reaktion die Transparenz, die Julius Bär nun zu schaffen versuche. Die Schlüsselfrage bleibe damit: Welche Sicherheiten von Signa hält Julius Bär und wie viel sind sie noch wert?, meint Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

Bei SIG wiederum verweisen Händler auf die UBS, die sich in einem aktuellen Kommentare etwas zurückhaltend über den Hersteller von Verpackungslösungen äussert. Der Experte sieht demnach Risiken für das angestrebte Umsatzwachstum im laufenden Jahr. Vor allem liefen die Scholle-Geschäfte schleppender, weil Kunden im letzten Jahr ihre Lagerbestände aufgestockt hätten.

Als Belastung für den Markt erweisen sich auch die drei Schwergewichte. Novartis (-0,7%) geben am Tag vor ihrem Investorentag von den drei am deutlichsten nach. Laut Händlern hat der Broker Redburn die Papiere auf "Sell" abgestuft. Aber auch Roche-Bons (-0,3%) und Nestlé (unv.) lasten auf dem Gesamtmarkt.

Neben Julius Bär geht es zum Wochenstart auch für andere Finanzwerte wie Partners Group, die UBS oder Swiss Life um bis zu 0,7 Prozent abwärts. Allerdings haben diese Titel im bisherigen Jahresverlauf auch schon deutlich zugelegt, so dass Investoren hier eher geneigt sein dürften, Gewinne einzustreichen.

Verluste verbuchen auch Swatch (-0,8%), während Richemont (unv.) etwas hinterherhinken. Die jüngsten Konjunkturdatenaus China zeigten einmal mehr, dass sich die Wirtschaft im Reich der Mitte nur langsam erhole.

Dagegen führen Sonova (+1,1%) über weite Strecken die Gewinnerliste an. Laut Händlern wirkt die Hochstufung von Exane BNP Paribas vom vergangenen Freitag nach wie vor positiv nach.

Auch bei Kühne+Nagel (+0,4%) wirkt ein Analystenkommentar stützend. Goldman Sachs geht davon aus, dass sich das Volumen im vierten Quartal sequentiell erholen werde, auch wenn die Frachtraten weiterhin unter Druck bleiben könnten.

Derweil geht es in den hinteren Reihen für den Backwarenkonzern Aryzta (-8,7%) und das Immobilienunternehmen Varia US Properties (-5,3%) nach Zahlen klar abwärts. Auch das angeschlagene Biotech-Unternehmen Idorsia (-6,4%) setzt den steten Abwärtstrend weiter fort.

hr/rw