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MONTE CARLO/Munich Re erwartet kein schnelles Ende des Preiskampfs

11.09.2016 | 18:09

MONTE CARLO (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re rechnet im jahrelangen Preiskampf in der Branche mit keinem baldigen Umschwung. Bei den Vertragsverhandlungen mit Erstversicherern wie Allianz <ALV.ETR> oder Axa <PCS.PSE> <AXA.ETR> im Schaden- und Unfallgeschäft für den kommenden Jahreswechsel sei das Marktumfeld "unverändert herausfordernd", sagte Rückversicherungs-Vorstand Torsten Jeworrek am Sonntag beim Branchentreffen "Rendez-Vous de Septembre" in Monte Carlo.

Die dicken Kapitalpolster der Rückversicherer, die anhaltenden Niedrigzinsen und der Zustrom branchenfremder Investoren prägten den Wettbewerb. Die Branche sucht nach neuen Feldern, die höhere Gewinne versprechen. Immerhin hat sich der Preisverfall im Standardgeschäft in den kleineren Verhandlungsrunden seit Jahresbeginn abgeschwächt, wie Rückversicherer und Ratingagenturen berichten. "Es gibt zwar keinen positiven Trend, aber positive Zeichen", sagte Jeworrek.

Auch der französische Rückversicherer Scor, weltweit die Nummer fünf der Branche, stellt sich auf eine längere Durststrecke ein. "Wir planen für die nächsten drei Jahre mit der Annahme, dass der Markt sich jetzt irgendwann drehen muss", sagte der Chef des Schaden- und Unfallgeschäfts von Scor, Victor Peignet. Aber Vorstandschef Denis Kessler dämpfte die Hoffnungen: Auch 2017 werde dies nicht gelingen. Die Renditeerwartungen für die kommenden Jahre hat Scor bereits gekappt.

Die großen Rückversicherer versuchen mit dem Verzicht auf unrentable Verträge und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder gegenzusteuern. So wollen die Münchner das Geschäft mit der Cyberversicherung gegen Hackerattacken und Datenlecks ausbauen. Bis Ende 2020 dürfte das weltweite Cyber-Prämienvolumen von heute 3 Milliarden auf dann 8 bis 10 Milliarden US-Dollar wachsen, schätzt Munich-Re-Vorstand Thomas Blunck.

Die Preise im Rückversicherungsgeschäft sind seit 2013 im Sinkflug. Weil ganz schwere Katastrophen seither ausblieben, können Erstversicherer und Großkunden in den Verhandlungen immer niedrigere Prämien durchsetzen. Das letzte Jahr mit immens hohen Schäden war 2011, als etwa die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan, Beben in Thailand und schwere Überflutungen in Thailand die Versicherungsbranche teuer zu stehen kamen.

Inzwischen sitzen die Rückversicherer auch dank vergleichsweise geringer Schäden auf dicken Kapitalpolstern. Damit wächst die Kapazität und das Angebot an Rückversicherungsschutz. Das anhaltende Zinstief tut sein Übriges: Weil andere Anlagen immer weniger abwerfen, drängen Hedgefonds und andere Profi-Investoren mit Milliardensummen ins Rückversicherungsgeschäft. Laut der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur A.M. Best stellt dieses alternative Kapital mit 71 Milliarden Dollar heute rund ein Fünftel der weltweiten Rückversicherungskapazität.

Diese Entwicklung dürfte sich vorerst kaum umkehren, schätzt A.M. Best. Obwohl Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück seit Jahren mit Aktienrückkäufen und steigenden Dividenden viel Kapital an ihre Aktionäre zurückgeben, schwoll das Kapital im Rückversicherungsmarkt zuletzt weiter an.

In Monte Carlo sondieren Rückversicherer, Erstversicherer und Makler jedes Jahr im September die Preise und Bedingungen für die wichtigste Vertragserneuerung des Jahres. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) schätzt, dass die Preise im Schaden- und Unfallgeschäft 2016 und 2017 um jeweils bis zu fünf Prozent sinken. In den Vorjahren war das Prämienniveau noch deutlich stärker geschrumpft.

Damit die Rückversicherer bei den Erstversicherern wieder höhere Prämien für die übernommenen Risiken durchsetzen zu können, muss Jeworreks zufolge einiges passieren. "Es braucht noch mehr Druck auf die Ergebnisse", sagte er. S&P erwartet, dass die Prämieneinnahmen der Rückversicherer im Schaden- und Unfallgeschäft spätestens 2017 nicht mehr ausreichen, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken./stw/fbr


© dpa-AFX 2016
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