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Tui sieht sich trotz Engpässen auf Gewinnkurs - Aktie dreht ins Plus

10.08.2022 | 12:09

HANNOVER (awp international) - Der weltgrösste Reisekonzern Tui erwartet trotz des Chaos an vielen Flughäfen weiterhin fast so viele Urlauber wie vor der Pandemie. Damit dürfte der Konzern im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr im Tagesgeschäft wie geplant "signifikant" in die Gewinnzone zurückkehren, bekräftigten der scheidende Vorstandschef Fritz Joussen und sein designierter Nachfolger Sebastian Ebel am Mittwoch in Hannover. Im abgelaufenen Quartal klappte dies allerdings noch nicht - vor allem, weil Tui in Grossbritannien viele Flüge streichen musste.

An der Börse in Frankfurt wurden die Nachrichten zunächst mit Kursverlusten von bis zu vier Prozent quittiert. Nach anderthalb Stunden drehte der Kurs der Tui-Aktie jedoch in die Gewinnzone und lag zuletzt mit knapp einem Prozent im Plus bei 1,7115 Euro. Branchenexperte Richard Clarke vom Analysehaus Bernstein Research erwartet einen sonnigen Sommer für den Reisekonzern. Die Frage sei jedoch, wie sich die Verbraucher in Europa angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten danach verhielten, schrieb er am Morgen.

Im abgelaufenen Quartal machten die Engpässe an vielen Flughäfen auch Tui zu schaffen. Im Mai und Juni habe der Konzern rund 200 Abflüge streichen müssen - vor allem in Grossbritannien und dort in erster Linie in Manchester, sagte Finanzvorstand Ebel, der am 1. Oktober die Konzernführung übernimmt. Die Streichungen kosteten den Konzern 75 Millionen Euro. Zudem habe sich die Kundschaft angesichts der Verwerfungen zwischenzeitlich mit Buchungen zurückgehalten, sagte der Manager.

Inzwischen zieht das Geschäft wieder stärker an. So zählte Tui für den Sommer bisher Buchungen von 11,5 Millionen Gästen und damit rund 90 Prozent des Niveaus von 2019. Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni waren 5,1 Millionen Urlauber mit Tui unterwegs. Das seien 4,2 Millionen mehr als ein Jahr zuvor, als das Geschäft wegen der Corona-Pandemie nur auf Sparflamme gelaufen war.

Der Umsatz sprang daher im Jahresvergleich von 650 Millionen auf 4,4 Milliarden Euro nach oben. Wegen der Belastung durch die Flugausfälle lag das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) mit 27 Millionen im Minus. Ein Jahr zuvor hatte der operative Verlust sogar 670 Millionen betragen. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre diesmal ein Fehlbetrag von rund 357 Millionen Euro nach einem Minus von 935 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten nur mit einem zweistelligen Millionenverlust gerechnet.

Zu schaffen machen Tui die stark gestiegenen Treibstoffkosten. Der Konzern hatte wegen seiner angespannten Finanzlage infolge der Pandemie für dieses Jahr kaum Absicherungsgeschäfte für Kerosin abgeschlossen. Erst für den Winter und kommendes Jahr sieht es dem Vorstand zufolge besser aus.

Andererseits geben die Kunden diesen Sommer bisher im Schnitt 18 Prozent mehr Geld für ihren Tui-Urlaub aus als im Jahr 2019. Dabei wurden vergleichbare Reisen nicht in diesem Ausmass teurer. Vielmehr buchten die Menschen häufiger Pauschalreisen, komfortablere Zimmer und längere Aufenthalte als früher, erklärte der Vorstand. Die Mehreinnahmen helfen dem Konzern auch dabei, die gestiegenen Kerosinkosten abzudecken.

Unterdessen erklärte der scheidende Tui-Chef Joussen die Corona-Sorgen des vom Staat geretteten Reisekonzerns schon für beendet. Das Sommerquartal werde dank der höheren Reisepreise das umsatzstärkste in der Firmengeschichte. "Die Krise ist damit abgehakt", sagte Joussen. Damit seien aber noch nicht alle Probleme - etwa mit Blick auf die Schulden - gelöst.

Die Tui-Führung hofft, mit der Erholung von der Pandemie den Schuldenberg aus der Corona-Krise weiter abzubauen. Zwischen Ende März und Ende Juni hatte Tui die Netto-Schuldenlast um rund 600 Millionen auf 3,3 Milliarden Euro reduziert.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Joussen und Ebel einen "signifikanten" operativen Gewinn vor Sondereffekten (bereinigtes Ebit). Im kommenden Geschäftsjahr sei ein positives Geschäftsergebnis auch nach Abzug von Zinsen und Steuern möglich. "Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg", sagte Ebel.

Derweil steht mit der Inflation eine neue Herausforderung vor der Tür. Ebel erwartet nach eigener Aussage allerdings nicht, dass die gestiegenen Kosten demnächst viele Kunden vom Reisen abhalten. Auch wenn das verfügbare Einkommen kleiner werde, verzichteten die wenigsten komplett auf Urlaub, sagte er. Denkbar sei aber, dass künftig weniger Fernreisen gebucht und nähere Ziele stärker nachgefragt würden, etwa Ägypten statt der Dominikanischen Republik./stw/cwe/ngu/zb


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