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Börse Frankfurt-News: Abverkauf - "Inflation bleibt marktbeherrschend" (Anleihen)

22.10.2021 | 15:32

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 22. Oktober 2021. Die hohe Inflation und wie die Notenbanken darauf reagieren werden - das ist nach wie vor das marktbeherrschende Thema im Anleihengeschäft diese Woche. Aufsehen erregte die drastische Zinssenkung der türkischen Notenbank.

Die steigende Inflation bleibt Thema am Anleihemarkt. Nahezu unisono stiegen die Renditen. "Überall sind die Nachrichten zur Inflation schlecht", begründete Rainer Petz von ODDO BHF den Verlauf.

"Die Inflation bleibt marktbeherrschend", pflichtet Simone Wallmeyer von der ICF Bank bei. Hinzu kämen aber in dieser Woche Faktoren wie der Rücktritt von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: "Die Mehrheit der Volkswirte erwartet, dass die EZB das Anleihen-Kaufprogramm vor dem Auslaufen noch einmal aufstockt, um Risiken abzufedern. Jens Weidmann mahnte hingegen das an, wofür die Bundesbank von jeher steht: die Bekämpfung der Inflation." Nach wie vor ist es eine Gratwanderung für die EZB, für stabile Preise zu sorgen und zugleich Staaten günstige Finanzierungen zu ermöglichen, um zum Beispiel in notwendige Klimapolitik und andere Herausforderungen investieren zu können. "Inflationsgeschützte Bundesanleihen sind derzeit besonders gefragt", sagt Simone Wallmeyer.

Renditen zehnjähriger US-Treasuries auf April-Hoch

Die Renditen der zehnjährigen US-Staatstitel erreichten den höchsten Stand seit April.

Sie erhöhten sich auch in vielen Ländern der Eurozone. Lag die zehnjährige Bundesanleihe im August noch bei -0,5, betrug die Rendite am Freitag -0,09 Prozent. Die italienischen zehnjährigen Staatspapiere zogen um 7,6 Basispunkte an, die spanischen um zwei, die französischen um 2,2. "Zum Wochenende fängt sich der Abverkauf, allerdings nur ein bisschen", fasst Simone Wallmeyer zusammen. Der Anleihenmarkt bleibe zwiegespalten: "Das längere Ende rechnet mit niedrigen Zinsen, der Geldmarkt spielt eher die andere Seite." Die Renditekurve sei derzeit ähnlich flach wie im März 2020.

Nach tagelangem Abverkauf waren zehnjährige US-Treasuries am Freitag wieder auf den Kauflisten. Am Donnerstag hatten neue Konjunkturdaten gezeigt: Am US-Arbeitsmarkt verbessert sich die Lage: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosen-Unterstützung war gesunken. Im Zuge der besser als erwartet ausgefallenen Wochenzahlen stiegen die zehn-jährigen US-Treasuries auf 1,70 Prozent, den höchsten Stand seit April.

Schon nachdem die Berichtssaison mit starken Unternehmensdaten - so hatte Tesla den dritten Rekord-Quartalsgewinn in Folge erwirtschaftet - die Hoffnung auf eine Konjunktur-Erholung geschürt hatte, hatten die Treasuries auf 1,67 Prozent angezogen. Zuletzt rentierten sie am Freitag bei 1,68 Prozent.

Allerdings hatten sich insgesamt nach Berechnungen des Conference Board die US-Frühindikatoren, die einen Eindruck vom Zustand der Wirtschaft vermitteln, im September weniger stark verbessert als erwartet. Zu diesen Faktoren zählen u.a. das Verbrauchervertrauen, neue Aufträge für die Industrie, die Erstanträge auf Arbeitslosen-Unterstützung.

Im Konjunkturausblick Beige Book bescheinigte die US-Notenbank FED der US-Wirtschaft am Mittwoch ein mäßiges bis moderates Wachstum. Lieferengpässe und ein Mangel an Personal sorgten für Preisdruck, der Konjunkturausblick bleibe aber positiv. - Angesichts der steigenden Inflation war in den vergangenen Tagen an den Märkten spekuliert worden, ob die FED bereits im September nächsten Jahres mit Zinserhöhungen beginnen würde, obwohl die Mehrheit der FED-Mitglieder diesen Schritt für November 2022 als realistisch betrachtet.

Türkische Notenbank senkt Leitzinsen drastisch - Lira auf Rekordtief

Trotz einer Inflationsrate von 19,6 Prozent hat die türkische Zentralbank ein weiteres Mal die Zinsen gesenkt. Die Türkische Lira fiel daraufhin auf ein neues Rekordtief zu Euro und US-Dollar. Unter Ökonomen ist jedoch Konsens, dass eine Notenbank die Zinsen erhöht, wenn die Inflation hoch ist.

Als erste große Notenbank weltweit dürfte die Bank of England auf ihrer Sitzung am 4. November den Leitzins erhöhen: 0,25 Prozent gelten als nahezu sicher, und als Reaktion sind die Anleihekurse deutlich gesunken. Damit einher gehen steigende Renditen: Lag die Rendite für zweijährige britische Staatsanleihen im September noch bei 0,2 Prozent, so sind es inzwischen bereits 0,7 Prozent.

Unternehmensanleihen: Kaum Neu-Emissionen und wenig Retail-Umsätze

Im Retail-Bereich berichtete Rainer Petz von geringen Umsätzen und kaum Neu-Emissionen für die zu Ende gehende Woche. Bewegung sei aber einmal mehr im Immobilien-Sektor: Rainer Petz sagte, dass chinesische Immobilien-Anleihen auch in dieser Woche sehr schwankungsanfällig waren. "Die Immobilien-Krise in China bleibt ein Thema."

Der hochverschuldete chinesische Immobilien-Konzern Evergrande hatte in dieser Woche fällige Zins-Zahlungen einer Yuan-Anleihe beglichen. Laut Medienberichten soll Evergrande auch Zinsen von 83,5 Millionen US-Dollar für eine Anleihe gezahlt haben, die zum 23. September fällig waren. Nach 30 Tagen wäre die formelle Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Weitere Zinszahlungen stehen aber an.

Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank hätten sich Evergrande-Anleihen erholt. "Bei uns allerdings ohne Umsatz. Bei einer Stückelung von 200.000 in US-Dollar muss man hier ohnehin eine sehr feste Meinung haben."

Von Käufen berichtete Gregor Daniel bei einer neuen FCR-Immobilien-Anleihe (DE000A2TSB16), die mit "einer überdurchschnittlichen Rendite von 4,61 Prozent" aufwartet und einen Kupon von 5,25 Prozent aufweist. Zuvor war eine andere FCR-Anleihe ausgelaufen. "Vermutlich haben die Investor*innen das Kapital aus dem alten Bond neu investiert, zumal die Rendite attraktiv ist und sie wohl die Zuversicht haben, auch diesmal eine Rückzahlung zu erhalten", erklärt der Renten-Experte.

Rainer Petz ergänzt: "Die Anleihen der Adler Real Estate (XS1713464524), (XS1713464441), (XS2283225477) sind in dieser Woche nach der Attacke des Short Sellers Fraser Perring stabil. Doch das Thema ist nicht zu Ende." Adler-Papiere waren eingebrochen, nachdem Anschuldigungen über abgezogenen Gelder und aufgeblähte Bilanzen durch den Investor Fraser Perring erhoben worden waren. Derzeit prüft der Immobilien-Konzern Vonovia einen Einstieg bei Adler.

Obwohl in dieser Woche die Ölpreise nachgaben, war eine Anleihe der Neuquen Province (USP7169GAA78) gesucht, wie Gregor Daniel angesichts der Umsätze feststellte: "Mit dem Anstieg der Rohstoffpreise seit Monaten betrachten es Investor*innen als wahrscheinlicher, dass die Anleihe auch zurückgezahlt wird."

Fraport hat das Volumen eines Schuldscheins von 200 auf 500 Millionen Euro erhöht und erfolgreich platziert. Die Laufzeiten betragen laut Simone Wallmeyer 7,5 und 5 Jahre . Valuta für den Schuldschein ist der 29. Oktober. "Die Nachfrage war offensichtlich immens."

von: Antje Erhard, 22. Oktober 2021.

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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


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