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ANALYSE/Warum stellen US-Firmen trotz BIP-Schwäche immer noch ein?

30.09.2022 | 10:51

Von Sarah Chaney Cambon

NEW YORK (Dow Jones)--Es bleibt ein wirtschaftliches Rätsel, warum die Arbeitskräfte in den USA trotz des sich abschwächenden Wachstums, der hohen Inflation und der wachsenden Rezessionsängste immer noch so knapp sind? Das Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist in der ersten Jahreshälfte geschrumpft. Und die Kreditkosten stiegen steil an, da die US-Notenbank Federal Reserve die Zinssätze hochschraubt, um die Inflation einzudämmen. Dennoch sind die monatlichen Beschäftigtenzahlen von Januar bis August um durchschnittlich 438.000 gestiegen, fast dreimal so schnell wie vor der Pandemie 2019. Viele Arbeitgeber klagen, dass sie nach wie vor mit großen Personalengpässen zu kämpfen haben, die sich während der Pandemie aufgebaut haben, und zögern, die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren. In vielen Fällen stellen sie immer noch neue Mitarbeiter ein.

"Ich glaube nicht, dass es zu Massenentlassungen kommt", meint Ökonom James Knightley, von ING. "Wir werden sehen, dass die Unternehmen ihre Arbeitskräfte lieber halten, als sie schnell zu entlassen und dann wieder einzustellen, da die Herausforderungen bei der Personalbeschaffung im Moment unglaublich groß sind."

In Eau Claire, im US-Bundesstaat Wisconsin, kauft Jim Fey normalerweise fünf bis acht neue Busse pro Jahr für seinen privaten Schulbusdienst. Für 2023 plant er keine Neuanschaffungen, da die hohe Inflation und die ausufernden Zinssätze den Preis für einen Bus unerschwinglich gemacht hätten. Er macht sich Sorgen wegen einer Rezession. Dennoch möchte Fey seinen Personalbestand von etwa 185 Mitarbeitern um etwa 15 weitere Schulbusfahrer erhöhen. Er und einige seiner Büroangestellten müssen seit Beginn dieses Schuljahres wegen des Mangels an Fahrern Linien fahren. "Ich kann meine Büroangestellten nicht jeden Tag fahren lassen."

   Zahl der offenen Stellen könnte abnehmen 

Einige Ökonomen sind der Meinung, dass die Folgen des Personalmangels im vergangenen Jahr - einschließlich der enormen Kosten für die Einstellung und Rekrutierung von Mitarbeitern, verbunden mit einer hohen Fluktuation - Unternehmen zögern ließen, Mitarbeiter zu entlassen, wenn die Wirtschaft in eine leichte Rezession gerät. Diese Unternehmen hätten ihren Einstellungsbedarf während des Aufschwungs nie vollständig decken können und dürften nun eher Stellenausschreibungen, die auf einem historischen Höchststand sind, zurückfahren, bevor sie auf Entlassungen zurückgreifen.

"Man kann nicht entlassen, was man nicht eingestellt hat", konstatiert Wirtschaftswissenschaftler Ron Hetrick von Lightcast, einem Unternehmen für Arbeitsmarktanalysen. Es gebe eine Reihe von Branchen, die sagten: "Wir warten immer noch darauf, Leute einzustellen. Wir konnten die Party nicht einmal genießen, als sie anfing."

Einige große Konzerne wie Goldman Sachs, Wayfair und Snap haben in letzter Zeit Entlassungen angekündigt oder signalisiert. Aber die Zahl der Unternehmen, die sagen, dass der Arbeitskräftemangel den Absatz und die Produktion einschränkt, ist größer. Domino's Pizza teilte mit, dass der Rückgang vergleichbarer Umsätze im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr zum Teil einem Personalmangel geschuldet sei, der dazu geführt hat, dass an einigen Standorten des Unternehmens die Arbeitszeiten verkürzt wurden. Entlassungen und andere unfreiwillige Arbeitsplatzverlust lagen im Juli mit 1,4 Millionen etwa 20 Prozent unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau des Jahres 2019, als das BIP schneller wuchs.

Obwohl die Menge der offenen Stellen die Zahl der Arbeitssuchenden immer noch bei weitem übersteigt, wird das Tempo der Einstellungen wahrscheinlich nachlassen. Der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, hat erklärt, dass die Bemühungen der Federal Reserve, die Wirtschaft ausreichend zu bremsen um die Inflation zu senken, unweigerlich zu einer Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt führten.

   Fed rechnet mit deutlich schwächerem Arbeitsmarkt 

Auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche prognostizierten die Fed-Vertreter einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent im August auf 4,4 Prozent im vierten Quartal des kommenden Jahres. Einen derartigen Anstieg gab es bisher nur in oder um Rezessionen herum - im historischen Vergleich wäre er jedoch relativ gering. In den Rezessionen nach dem Zweiten Weltkrieg kletterte die Arbeitslosenquote im Durchschnitt um 3,8 Prozentpunkte, wobei die Spanne von 1,5 Punkten im Jahr 1980 bis zu 11,2 Punkten im Covid-19-Jahr 2020 reicht. Die heutige ungewöhnliche Arbeitsmarktsituation lässt sich zum Teil auf Entscheidungen zurückverfolgen, die zu Beginn der Pandemie getroffen wurden. So stellten die Wirtschaftswissenschaftler Robert J. Gordon und Hassan Sayed fest, dass Unternehmen in Sektoren wie dem Baugewerbe, den Versorgungsbetrieben und dem Bergbau während der Lockdowns im Jahr 2020 zu viele Arbeitnehmer entließen. Da die Beschäftigung schneller sank als der Umsatz, legte die Produktivität - der Ausstoß pro Stunde - sprunghaft zu.

Als die Wirtschaft wieder ansprang, kehrte sich die Situation um. Die Neueinstellungen überstiegen die Umsätze, und die Produktivität ging zurück. Diese Dynamik wurde in diesem Jahr besonders deutlich. Nach Angaben des Arbeitsministeriums sank die Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA im zweiten Quartal mit einer saisonbereinigten Jahresrate von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies folgte auf einen Einbruch von 7,4 Prozent im ersten Quartal, dem stärksten Rückgang seit mehr als 74 Jahren. Derweil kassierte der in Virginia ansässige Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern Raytheon Technologies seine Umsatzprognosen für das Jahr wegen Einschränkungen in der Lieferkette und bei den Arbeitskräften, wodurch sich die Produktion verlangsamte. Die Beschäftigten bei den Zulieferern kamen nach Entlassungen zu Beginn der Pandemie nur langsam wieder zurück.

   Inflation ist nicht das Kernproblem 

"Die Inflation ist eine Herausforderung, aber wir können sie meistern. Wir können daran arbeiten, sie zu überwinden. Nicht genug Leute in der Lieferkette zu haben - das hat sich als viel schwieriger erwiesen", meinte Raytheon-Chef Greg Hayes im Sommer gegenüber Analysten. "Ich sage es nur ungern, aber das Einzige, was die Verfügbarkeit von Arbeitskräften lösen wird, ist eine Verlangsamung der Wirtschaft, denn im Moment gibt es einfach nicht genug Arbeitskräfte für alle unsere Zulieferer."

Die Arbeitgeber haben auch mit der Fluktuation zu kämpfen. Selbst Unternehmen, die nicht versuchen, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen, müssen immer wieder neue Mitarbeiter einstellen, um freie Stellen zu besetzen, die durch die historisch hohe Fluktuation entstanden sind. Im Juli gaben 2,7 Prozent der Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz auf, gegenüber 2,3 Prozent im Februar 2020, als die Arbeitslosenquote einen Tiefstand von einem halben Jahrhundert erreichte.

Die Zahl der Entlassungen im Baugewerbe rangiert immer noch unter dem Niveau vor der Pandemie, obwohl die Verkäufe neuer Häuser in diesem Jahr stark zurückgegangen sind und die Zahl der Baubeginne wegen höherer Hypothekenzinsen gesunken ist. Die Wohnungsbauunternehmen haben noch mit den Folgen des Stellenabbaus während der Immobilienkrise 2007 bis 2009 zu kämpfen, denn die Beschäftigung im Wohnungsbau liegt 12 Prozent unter dem Höchststand von 2006.

Anfragen für neue Häuser und Grundstücksverkäufe an Hauskäufer haben sich seit diesem Sommer verringert, da potenzielle Käufer mit höheren Zinssätzen und einem unsicheren wirtschaftlichen Klima konfrontiert sind, so Eugene Graf. Er besitzt ein Unternehmen für Grundstückserschließung und Eigenheimbau im US-Bundesstaat Montana. Graf sorgt sich am meisten um die verfügbaren Arbeitskräfte. "Die Personalknappheit ist im Moment die größte Herausforderung. Wir können für eine Abkühlung planen und verstehen, was jedes Projekt in der Zukunft kosten wird, aber der heutige Personalmangel stresst uns alle."

Viele von Grafs Subunternehmern haben zu wenige Arbeitskräfte. Ein Malerbetrieb, der normalerweise mit etwa 100 Mitarbeitern arbeitet, hat nur noch 80. Und ein Elektrounternehmen bot drei Mitarbeitern eine Stelle an, von denen an einem Montagmorgen nur einer auf der Baustelle erschien. Ein Granitverleger verlor etwa 15 Mitarbeiter, da sie es sich wegen rasant kletternder Immobilienkosten nicht mehr leisten konnten, in der Region wohnen zu bleiben. "Wir würden zögern, jemanden zu entlassen, einfach weil wir die Verträge, die wir haben, noch erfüllen müssen", meint Graf.

   Amazon beschäftigt zu viele Mitarbeiter in Lagerhäusern 

Unternehmen gehen das Risiko ein, zu viele Mitarbeiter einzustellen. Einige große Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihre Belegschaften aufgestockt haben, versuchen nun, einige ihrer Betriebe zu verkleinern. Amazon beschäftigt nach eigenen Angaben inzwischen in seinen Lagerhäusern zu viele Mitarbeiter. Die Facebook-Muttergesellschaft Meta Platforms kündigte an, sie werde ihre Einstellungen drastisch verlangsamen, nachdem sie die Zahl ihrer Mitarbeiter seit 2018 mehr als verdoppelt hat.

(MORE TO FOLLOW) Dow Jones Newswires

September 30, 2022 04:50 ET (08:50 GMT)

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