Moskau (Reuters) - Ein Gericht in Russland hat im Streit um einen Großauftrag von Gazprom die Beschlagnahmung von 13 Containern des Gase-Konzerns Linde für flüssiges Helium angeordnet.

Das Schiedsgericht für Sankt Petersburg und die Region Leningrad erklärte am Freitag, die Container im Wert von 1,3 Milliarden Rubel (13 Millionen Euro) unter die Kontrolle der Gazprom-Tochter RusKhimAlyans zu stellen. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem Gazprom 50 Prozent hält, will am Ostsee-Hafen Ust-Luga einen großen Erdgas-Komplex bauen und hatte den Auftrag zum Bau der Anlage 2021 an Linde vergeben. Das amerikanisch-deutsche Unternehmen hatte die Arbeiten aber im Mai 2022 mit Verweis auf die EU-Sanktionen gegen Russland eingestellt.

Zu Jahresbeginn hatte das Schiedsgericht auf Antrag von RusKhimAlyans bereits Vermögenswerte von umgerechnet fast 500 Millionen Euro von Linde eingefroren. Der Gase-Konzern, dessen Anlagenbau-Sparte in München sitzt, beruft sich darauf, dass der Export von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Russland nach den EU-Sanktionen verboten ist. Der Auftraggeber steht dagegen auf dem Standpunkt, dass die Sanktion zwar die Lieferung von Ausrüstung für die LNG-Anlage verbieten, ein anderer Teil des Komplexes, ein Werk zur Gas-Aufbereitung, davon aber nicht betroffen ist.

Damals hatte RusKhimAlyans angekündigt, ein Schiedsgericht in Hongkong anzurufen, um 972 Millionen Euro Anzahlungen und einen Schaden von 7,6 Milliarden Rubel (82 Millionen Euro) einzuklagen. Deutsche Bank und Commerzbank hatten im Oktober vor einem Londoner Gericht durchgesetzt, dass RusKhimAlyans sie wegen des gescheiterten Projekts in Russland nicht verklagen kann.

(Bericht von Oksana Kobzeva; Geschrieben von Alexander Hübner; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)