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Die Schlagzeilen der Sonntagspresse vom Sonntag, 14. August 2022

14.08.2022 | 04:33

Bern (awp/sda) - Die Bundesratsambitionen der GLP, die vielen Facetten der drohenden Strommangellage und die Schweiz - Land der Fischzuchten: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:

"NZZ am Sonntag"

Die nationalen Wahlen finden in gut einem Jahr statt - die GLP will dann in den Bundesrat einziehen, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. Ihr Wahlziel: Den Wähleranteil von heute 7,8 Prozent auf über 10 Prozent steigern. "Dann erheben wir Anspruch auf einen Bundesratssitz", sagte Präsident Jürg Grossen der Zeitung. "Die GLP gehört in den Bundesrat." Für ihn ist klar, dass auch die Grünen Anspruch auf einen Regierungssitz haben, falls sie ihren Wähleranteil von 13,2 Prozent halten können. Von einem gemeinsamen Öko-Bundesrat hält er nichts: "Bei SP und Grünen verlangt auch niemand einen Gewerkschafts-Bundesrat." Um das Wahlziel zu erreichen, setzen die Grünliberalen auf strategische Allianzen. Sie möchten mit der Mitte-Partei zusammenspannen und in möglichst vielen Kantonen Listenverbindungen eingehen. Diese Strategie bescherte der Partei bereits bei den Wahlen vor vier Jahren einige Sitzgewinne im Nationalrat.

"SonntagsZeitung":

Zwischen der Schweiz und Italien ist wegen Streit um Gas Feuer im Dach, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Gasimporte sind für die Schweiz besonders wichtig, weil sie keine eigenen Gasspeicher hat. Italien und Deutschland verschärften soeben ihre Ausfuhrgesetze für Gas. Damit wird im Krisenfall der Export in die Schweiz praktisch verboten. Das einzige Pfand der Schweiz ist die Transitleitung zwischen Deutschland und Italien. Deshalb drohten Schweizer Behörden jetzt, Gas aus dieser Leitung für sich selber zu nutzen, auch wenn es für Italien bestimmt ist. Gemäss einer Klausel hat die Schweiz im Krisenfall das Recht dazu. Die Drohung ist in den Verhandlungen für ein Energie-Solidaritätsabkommen mit den Nachbarländern schlecht angekommen. Die Italiener haben gemäss gut unterrichteten Quellen geharnischt reagiert. Eine Sprecherin von Energieministerin Simonetta Sommaruga sagte dazu: "Selbstverständlich zieht in dieser Situation jedes Land verschiedenste Szenarien in Erwägung, auch Extremszenarien."

"NZZ am Sonntag":

Gemäss einer Umfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF dürften die Löhne im Schnitt um 2,2 Prozent steigen. Damit bleiben sie hinter der Inflation von rund 3 Prozent zurück. Dies obwohl selbst zurückhaltende Arbeitnehmervertreter mit steilen Forderungen in die Lohnrunde 2023 steigen, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. Der Kaufmännische Verband etwa verlangt eine Erhöhung von bis zu 4 Prozent. Der Verband Öffentliches Personal Schweiz peilt gar ein Plus von 5 Prozent an. Zu den Gewinnern zählen laut Umfrage die Angestellten im Gastgewerbe. Sie können gemäss mit einem Plus von 4,4 Prozent rechnen. Die Wirte und Hoteliers reagieren damit auf die Personalknappheit und die Abwanderung in andere Branchen. Banker können hingegen nicht auf den grossen Reibach hoffen. Der Finanzsektor erwartet Lohnerhöhungen von 1,5 Prozent.

"Le Matin Dimanche":

Das Zeitfenster für Verhandlungen für die Schweiz zur Teilnahme am EU-Programm Horizon Europe, das mit 95 Milliarden Euro ausgestattet ist, schliesst sich, warnt "Le Matin Dimanche". Laut einer europäischen Quelle aus Diplomatenkreisen und einer Schweizer Quelle aus dem Forschungsbereich, die von der Zeitung zitiert werden, wird dieser Sommer informell als letzte Gelegenheit betrachtet. Aber nichts bewegt sich, stellt die Zeitung fest und weist darauf hin, dass der letzte Arbeitsbesuch der Staatssekretärin für auswärtige Angelegenheiten, Livia Leu, in Brüssel keine Fortschritte gebracht hat, ebenso wenig wie das Treffen zwischen Bundespräsident Ignazio Cassis und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, in Lugano. "Weiterhin zu versuchen, assoziiert zu werden, macht keinen Sinn mehr. Horizon Europe ist bereits zu weit fortgeschritten", sagt Nationalrat Roland Rino Büchel (SVP/SG) in der Zeitung. "Wir werden wahrscheinlich über unsere Beteiligung am nächsten Programm, das 2027 beginnt, diskutieren".

"SonntagsBlick":

Energieministerin Simonetta Sommaruga hat ein Gassparziel von 15 Prozent, wie es in der EU vereinbart wurde, als "sicher sinnvoll" bezeichnet. Ein derartiger Entscheid des Bundesrat steht allerdings noch aus - im Herbst wird erst mal eine Energiesparkampagne lanciert. "Wir müssen aufhören, Energie zu verschwenden", sagte Sommaruga in einem Interview mit dem "SonntagsBlick". Das werde die zentrale Botschaft sein. Nur ein Grad weniger heizen, spare fünf Prozent Energie. Die öffentliche Verwaltung müsse dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Dass eine solche Kampagne erst im Herbst komme und nicht bereits laufe, wie etwa in Deutschland, liege an der hiesigen Stromproduktion: "In der Schweiz produzieren wir einen grossen Teil unseres Stroms aus Wasserkraft", so Sommaruga.

"SonntagsBlick":

Unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine beschloss der Nationalrat in der Sommersession eine Reform der Sanktionspolitik. Künftig soll die Schweiz souverän über Strafmassnahmen gegen Staaten, Individuen und Unternehmen entscheiden, wenn diese Völkerrecht brechen oder Menschenrechte verletzen. Bislang kann der Bund lediglich Sanktionen der Uno oder der Europäischen Union mittragen, aber nicht von sich aus eigene beschliessen. Doch dagegen formiert sich in der kleinen Kammer nun Widerstand, wie der "SonntagsBlick" schreibt. In einem Schreiben an die Aussenpolitische Kommission des Ständerats, das der Zeitung vorliegt, hält die Sicherheitspolitische Kommission (SiK) fest, dass sie die Entscheidung des Nationalrats mit Sorge zur Kenntnis genommen habe. "Diese Änderung, sofern sie von beiden Räten beschlossen würde, hätte Auswirkungen namentlich auch auf die Neutralität der Schweiz", so die SiK.

"SonntagsZeitung":

Wegen einer drohenden Energieknappheit im Winter schlägt Bundesrätin Sommaruga jetzt eine hochumstrittene Massnahme vor: Ihr Departement "prüft für den äussersten Notfall jetzt auch den Einsatz von mit Öl betriebenen Kraftwerken", wie eine Sprecherin in der "SonntagsZeitung" bestätigte. Ein solches Kraftwerk läuft dem Ziel einer schnellen Energiewende diametral entgegen. Denn Öl-Turbinen sind noch viel schmutziger als Gaskraftwerke, weil sie wesentlich mehr CO2 ausstossen. Andererseits könnte die Schweiz damit den möglichen Strommangel im Winter abwenden oder zumindest mildern. Denn Öl wird es im Winter voraussichtlich genug geben. Für den Neubau eines solchen Kraftwerks reicht die Zeit nicht. In Birr im Kanton Aargau steht aber bereits ein Versuchskraftwerk, das mit Öl betrieben werden kann. Es hat die gleiche Leistung wie das AKW Beznau 1. Dafür braucht es allerdings riesige Mengen von Öl. Tanks sind auf dem Areal jedoch vorhanden und Bahngleise stellen die Versorgung sicher.

"NZZ am Sonntag":

Seit 2018 unterstützt der Bund Berufsleute, die sich weiterbilden wollen, finanziell. 2021 schüttete der Bund bereits insgesamt 98 Millionen Franken für Vorbereitungskurse auf die Berufsprüfung mit Fachausweis und die höhere Fachprüfung mit Diplom aus. Wie die "NZZ am Sonntag" nun schreibt, entlasten diese neuen Bundessubventionen vor allem die Firmen und weniger die Angestellten. Die finanzielle Beteiligung der Firmen an der Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden hat sich in dieser Zeit halbiert, die Arbeitnehmer konnten ihre Belastung hingegen nur leicht reduzieren.

"SonntagsZeitung":

Steigende Strompreise und die Angst vor dem Blackout lösen in der Bevölkerung einen Run auf alternative Stromquellen aus, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Um sich selbst mit Strom zu versorgen, bestellen die Menschen massenweise Mini-Solarpanels für den Balkon. Die Nachfrage nach steckbaren Photovoltaikanlagen, mit denen sich bis zu 15 Prozent des Strombedarfs decken lassen, ist im Juli explodiert. Gemäss Bund sind die kleinen Kraftwerke bis zu einer Leistung von 600 Watt bewilligungsfrei. Dagegen wehren sich nun die Hauseigentümer. Ihr Verband fordert, dass künftig eine Bewilligungspflicht herrscht.

"SonntagsBlick":

Erste Umfragen zur Abstimmung am 25. September zeigen: Bei der Verrechnungssteuer ist die Sache wohl gelaufen. Und zwar zugunsten der Linken. Zu diesem Schluss kommt Politologe Claude Longchamp, wie der "SonntagsBlick" schreibt. Angesichts der Umfragewerte von gerade einmal 30 Prozent Ja-Stimmen dürfte es für das bürgerliche Lager "fast unmöglich" sein, die Abstimmung noch zu gewinnen, analysiert Longchamp. Das sehen auch viele im bürgerlichen Lager so. Hinter vorgehaltener Hand geben laut der Zeitung nicht wenige die Abstimmung schon für verloren.

"SonntagsZeitung":

Das Schutzmachtmandat, das die USA und die Schweiz für Venezuela vor drei Jahren vereinbart haben, ist bisher nicht in Kraft getreten, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Demnach hätte die Schweiz die amerikanischen Interessen in Venezuela vertreten sollen. Das südamerikanische Land hat bisher aber nicht zugestimmt, wie das Aussendepartement EDA gegenüber der Zeitung bestätigte. Die Regierung von Staatschef Nicolas Maduro verlangte im Gegenzug, dass die Schweiz die Interessen Venezuelas in den USA wahrnehmen muss. Die USA haben das jedoch abgelehnt, weil sie Maduros Widersacher Juan Guaidó unterstützen. "Somit verweigerte die Maduro-Regierung die Zustimmung", schreibt das EDA. Diese Woche wurde auch bekannt, dass sich Russland weigert, die Schweiz als Schutzmacht der Ukraine zu akzeptieren.

"NZZ am Sonntag":

Während der Corona-Pandemie haben Hunderte Eltern ihre Kinder aus der Schule genommen, weil sie mit den dort geltenden Massnahmen nicht einverstanden waren. Nun aber zeigt sich: Der Trend zum Homeschooling hält an. Wie das Zürcher Volksschulamt auf Anfrage der "NZZ am Sonntag" mitteilt, wurden fürs neue Schuljahr 789 Kinder für den Heimunterricht gemeldet. Das sind knapp 276 mehr als vor einem Jahr und rund dreimal so viele wie vor Corona. Auch in anderen Kantonen, die Homeschooling erlauben, nimmt die Zahl weiter zu. Im Aargau etwa stieg sie gegenüber dem Vorjahr von knapp 400 auf gut 600, Luzern meldet einen Zuwachs von 110 auf über 150. "Bei einigen Eltern ist das Vertrauen in die Volksschule geschwächt", sagte Gabriela Kohler, die den Verband der Elterngremien im Kanton Zürich präsidiert, gegenüber der Zeitung. Das habe nun auch mit dem Lehrpersonenmangel zu tun: Immer noch sind nicht alle Stellen besetzt, teilweise werden nach den Sommerferien Laien vor den Klassen stehen.

"SonntagsZeitung"

In Grossbritannien reichen 1000 Mütter und Väter Klagen gegen eine Klinik ein, die ihre Kinder mit Pubertätsblockern behandelte. Laut einem Bericht waren dort jahrelang Hormone verabreicht worden, ohne die Langzeitfolgen abschätzen zu können, wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Auch in der Schweiz werden trans Kinder und Jugendliche mit solchen Medikamenten behandelt. Ihre Eltern fühlen sich oft alleine gelassen und unter Druck gesetzt.

"SonntagsZeitung":

Der Anteil der an ausgebildeten Fachkräften hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. Das schreibt die "SonntagsZeitung" unter Berufung auf Zahlen des Bundesamt für Statistik, das seit 2018 den Anteil an ausgebildeten Lehrkräften in Vollzeitäquivalenten erfasst. Diese Woche hatte die der Lehrerinnen und Lehrerverband LCH um Präsidentin Dagmar Rösler vor den Medien gesagt, immer mehr Stellen müssten mit nicht oder nicht ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden.

"Le Matin Dimanche":

Die Schweiz wird zu einem Fischzucht-Land, wie "Le Matin Dimanche" schreibt. Seit 2016 hat die Produktion in den Teichen (1400 Tonnen) die Fänge der Berufsfischer des Landes (1360 Tonnen) übertroffen. Und der Trend setzt sich fort: 2360 Tonnen Fisch, Algen und Krustentiere wurden im letzten Jahr in Fischfarmen produziert, während nur 900 Tonnen in Netzen gefangen wurden. Der Schweizerische Fischereiverband spricht in der Zeitung von einer "historischen Wende". Schweizer Fischzüchter produzieren laut der Koordinationsstelle für Aquakultur "rund zwanzig Fischarten für Lebensmittelzwecke". "Die Regenbogenforelle hat lange Zeit den Grossteil der Schweizer Produktion ausgemacht", erinnert Thomas Janssens, der Direktor von Aquaforum, aber Zander und Lachs sind auf dem Vormarsch. Jede Schweizerin und jeder Schweizer isst 9 kg Fisch pro Jahr.


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