Die große Wende: Dollar verkaufen
Noch zu Jahresbeginn hätte kaum jemand auf diesen Kursverlauf gewettet: Der Dollar-Index hat seit Jahresanfang rund 9 % verloren – der schlechteste Halbjahresverlauf seit 1991.
Dabei galt die Aufwertung des Dollars Ende 2024, im Zuge von Donald Trumps Wiederwahl, als Konsensmeinung. Starke US-Wachstumsdaten, fiskalische Impulse und protektionistische Maßnahmen sollten die US-Notenbank zu anhaltend hohen Zinsen bewegen – und damit den Greenback stärken.
Doch es kam anders: Handelsunsicherheit, geopolitische Risiken und eine sich abzeichnende Wachstumsverlangsamung in den USA führten zur abrupten Umkehr dieser Erwartung. Die Folge: Der Dollar verlor an Boden – und das mit überraschender Geschwindigkeit.
Inzwischen hat sich die Marktmeinung radikal gewandelt. Laut der aktuellen Fund Manager Survey von Bank of America ist die Wette auf einen fallenden Dollar nun der „most crowded trade“ – der am stärksten überlaufene Markttrend.

Quelle: Bank of America
Der Euro wird zur Zufluchtswährung
Gleichzeitig bauen Investoren massiv Euro-Positionen auf. Die Umfrage zeigt: Die Übergewichtung in der Gemeinschaftswährung ist so hoch wie seit Januar 2005 nicht mehr. Auch bei europäischen Aktien erreichen die Engagements ein Fünfjahreshoch.

Nach Jahren der Vernachlässigung haben sich viele Anleger neu in Europa positioniert – motiviert durch politische Unsicherheit in den USA, fiskalische Lockerungen in Deutschland und steigende Verteidigungsbudgets auf dem Kontinent.
Der daraus resultierende Anstieg des EUR/USD bereitet der Europäischen Zentralbank allerdings zunehmend Sorgen. Bereits Anfang Juli warnte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos vor dem Niveau von 1,20 – ein kritischer Schwellenwert für die Frankfurter Währungshüter.
Nach der deutlichen Aufwertung im ersten Halbjahr zeigt sich der Euro-Dollar-Kurs nun stabilisiert – ein klassisches Signal dafür, dass ein "überfüllter" Trade an seine Grenzen stößt.
Dollar-Schwäche ist gewollt – aber nicht um jeden Preis
Die US-Regierung unter Trump verfolgt erklärtermaßen das Ziel, den Dollar zu schwächen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie zu verbessern. Eine überbewertete Währung gilt als wirtschaftspolitisches Hindernis.
Doch eine Schwäche des Dollars ist nicht mit einem Verlust seines internationalen Leitwährungsstatus gleichzusetzen – ein Unterschied, auf den viele Analysten regelmäßig hinweisen.
Für die USA bringt der Dollar als globale Referenzwährung immense Vorteile – unter anderem günstigere Finanzierungskosten und geopolitischen Einfluss. Laut Donald Trump sei der Versuch der BRICS-Staaten, die Dollar-Dominanz zu untergraben, eine Gefahr vergleichbar mit dem Verlust eines „großen Weltkriegs“.
Wörtlich sagte er bei einem internen Treffen: „Der Dollar ist König. Und das wird so bleiben. Wenn wir den Dollar-Status verlieren, sind wir nicht mehr dieselbe Nation.“



















