Schweizer Banken werden nach Einschätzung von Analysten nach neuen Wegen suchen müssen, um Kreditnehmer zur Kasse zu bitten. Grund dafür ist die Einführung von Nullzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB), die die Zinsmargen der Kreditinstitute schmälert. Dies könnte dazu führen, dass Bankdienstleistungen und bestimmte Kreditarten bald teurer werden.

Die Entscheidung der SNB im Juni, ihren Leitzins auf null zu senken, hat die Kreditkosten in der Schweiz auf das niedrigste Niveau unter den bedeutenden Volkswirtschaften gebracht - deutlich niedriger etwa als der Einlagensatz der benachbarten Europäischen Zentralbank von 2,0%.

Nach den zwei Zinssenkungen der SNB in diesem Jahr dürften die Nettozinserträge der Banken 2024 um etwa 660 Millionen Schweizer Franken (830 Millionen Dollar) schrumpfen, schätzt Daniel Geissmann von der Bankberatung zeb. Insgesamt erzielten die Banken in diesem Geschäftsfeld 2024 rund 20 Milliarden Franken.

"Nullzinsen sind das Worst-Case-Szenario für Banken", sagt Geissmann. "Die Banken verlieren, weil sie die Zinssenkung nicht an die Sparer weitergeben können."

Als die Zinsen zuletzt zwischen 2011 und 2015 um die 0% lagen, sank die Nettozinsmarge der Schweizer Banken laut SNB-Daten von 1,4% auf 1,1%, was die Gewinne belastete.

Geissmann schätzt, dass den Banken zwischen 2011 und 2014 fast 4 Milliarden Franken entgingen. Allerdings dürfte der Effekt diesmal weniger ausgeprägt sein, da die Margen bereits von einem niedrigeren Niveau aus starten.

Da die Banken die Kosten nicht durch Negativzinsen an die Sparer weitergeben wollen, müssen sie zur Sicherung ihrer Gewinne andere Einnahmequellen erschließen.

Martin Hess, Chefökonom des Schweizerischen Bankierverbands (SBVg), sagt, Kredite könnten teurer werden, da die Banken auf kostenintensivere Finanzierungsquellen wie Kapitalmarktinstrumente anstelle von Einlagen zurückgreifen müssen.

"Letztlich wird dies auf die Realwirtschaft und die Kunden übertragen", so Hess und verweist auf höhere Hypothekenkosten.

IMMOBILIEN

Extrem niedrige Zinsen befeuern in der Regel die Nachfrage nach Immobilien. Zwischen 2011 und 2015 stiegen die Hauspreise laut SNB-Daten um 15% - das Dreifache des Anstiegs von 2000 bis 2005.

"Dadurch stiegen die Risiken einer Überbewertung und einer Korrektur am Immobilienmarkt, auch wenn es beim letzten Mal nicht dazu kam", sagt GianLuigi Mandruzzato, Ökonom bei der EFG Bank.

"Diese Risiken könnten erneut auftreten."

Auch für Versicherer und Pensionskassen war diese Phase herausfordernd, da sie angesichts sinkender Anleiherenditen Schwierigkeiten hatten, ausreichende Renditen für ihre Verpflichtungen zu erzielen, so Mandruzzato.

UBS-Ökonom Maxime Botteron erklärt, dass Banken bei einer weiteren Verflachung oder gar Inversion der Zinskurve und Zinsen bei null zunehmend zurückhaltend bei der Kreditvergabe werden könnten.

Auch der Aktienmarkt bleibt von den Nullzinsen der SNB nicht unbeeinflusst. Mit offiziellen Zinsen deutlich unter denen anderer Zentralbanken in Europa und Nordamerika hinken die Aktien der wichtigsten Schweizer Banken bereits hinter ihren internationalen Konkurrenten her.

So legten die Aktien von UBS, die nach der Übernahme der Credit Suisse 2023 strengeren Kapitalvorschriften unterliegt, 2025 nur um 2,2% zu. Die Titel von Julius Bär verloren im gleichen Zeitraum 6,7%, während das neue Management versucht, eine Serie von Rückschlägen zu beenden.

Der Stoxx European Banks Index stieg im Gegensatz dazu dieses Jahr um 29,3% - ein deutliches Zeichen für die Schweizer Unterperformance.

Am stärksten betroffen von den sinkenden Zinsmargen dürften Sparkassen und Hypothekenbanken sein.

Institute wie Raiffeisen und Valiant, die hauptsächlich Einlagen einsammeln und Hypotheken vergeben, erwirtschaften mehr als 70% ihres Umsatzes mit dem Zinsgeschäft, wie Unternehmensdaten zeigen.

Weniger betroffen sind reine Vermögensverwalter wie Julius Bär und Vontobel, deren Zinseinnahmen nur rund 10% des Umsatzes ausmachen. Diversifizierte Kreditgeber wie die UBS (15%) und die Zürcher Kantonalbank (54%) liegen dazwischen.

Vontobel-Bankenanalyst Andreas Venditti betont, wie sehr die Banken von den Nullzinsen getroffen werden, hängt letztlich davon ab, wie lange dieses Umfeld anhält.

"Das Problem verschärft sich, je länger man bei null bleibt", sagt er. "Die Zinsmargen in Europa und insbesondere in den USA sind deutlich höher."

($1 = 0,7966 Schweizer Franken)