Europäische Aktien haben den Handel am Freitag mit Verlusten beendet, nachdem vor allem Banken- und Gesundheitswerte die Kurse belasteten. Das Ende einer Woche, die von den neuen Zollankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump überschattet wurde, brachte zusätzliche Unsicherheit. Die Europäische Union wartet zudem weiterhin auf ein offizielles Schreiben Trumps zu möglichen weiteren Zöllen.

Der gesamteuropäische STOXX 600 Index schloss 1 % schwächer und beendete damit eine viertägige Gewinnserie. Es war zugleich der stärkste Tagesverlust seit über drei Monaten.

Auch der deutsche DAX und der britische FTSE mussten ihre in dieser Woche erreichten Rekordhochs wieder abgeben und verloren am Freitag jeweils 0,8 % beziehungsweise 0,4 %.

Die EU hatte ursprünglich gehofft, ein umfassendes Handelsabkommen mit den USA zu erzielen - einschließlich gegenseitiger Abschaffung der Zölle auf Industriegüter. Nach monatelangen, schwierigen Verhandlungen hat sich jedoch die Erkenntnis durchgesetzt, dass zunächst wohl nur ein Zwischenabkommen möglich ist, in der Hoffnung, später bessere Konditionen aushandeln zu können.

„Wir hatten mit einer Einigung am Mittwoch gerechnet. Je länger sich das nun hinzieht, desto mehr befürchten wir, dass Trump nicht an Bord ist und die EU erneut deutlich höhere Zölle drohen“, erklärten Analysten von TD Securities in einer Notiz.

Nach Schätzungen von HSBC könnte eine Erhöhung der US-Importzölle auf europäische Waren um 10 % bis 20 % die Gesamterlöse des FTSE Europe Index um 1,2 % bis 2,4 % und den Nettogewinn um 4,0 % bis 6,0 % schmälern.

Die globale Risikobereitschaft litt, nachdem Trump einen Zollsatz von 35 % auf sämtliche Importe aus Kanada ab dem 1. August angekündigt hatte. Zudem brachte er pauschale Zölle von 15 % oder 20 % auf andere Länder ins Gespräch - ein deutlicher Anstieg gegenüber dem derzeitigen Basissatz von 10 %.

Europäische Banken standen mit einem Minus von 1,8 % an der Spitze der Abwärtsbewegung. Norwegens größte Bank DNB verlor nach enttäuschenden Quartalszahlen sogar 8,8 %. Das Ergebnis wurde durch schwächere Zinserträge und höhere Kreditausfälle belastet.

Auch Gesundheitswerte, die im STOXX 600 mehr als 12 % Gewicht haben, gerieten am Freitag stark unter Druck. Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk büßte 3,6 % ein.

Ein seltener Lichtblick war der Energiesektor: Die Aktien von BP stiegen um 3,4 %, nachdem der britische Ölkonzern für das zweite Quartal eine höhere Fördermenge als zuvor prognostiziert in Aussicht stellte.

Trotz der Verluste am Freitag verzeichneten die meisten europäischen Blue-Chip-Börsen auf Wochensicht Zuwächse von mehr als 1 %. Zu den besten Sektoren der Woche gehörten Automobil- und Minenwerte, während Telekommunikationswerte am schlechtesten abschnitten.

Globale Investoren bleiben angespannt, da Trump die Handelskonflikte in dieser Woche weiter ausgeweitet hat - mit neuen Zöllen auf zahlreiche Länder und einem 50 % Zoll auf Kupfer.

Unternehmensspezifisch sorgte Gjensidige Forsikring für Schlagzeilen: Die norwegische Versicherung stieg nach besser als erwarteten Quartalszahlen um 7,8 % auf ein Rekordhoch.