Zürich (awp) - Der SMI hat am Donnerstag nach einem erfreulichen Start im Verlauf an Schwung verloren. Händler erwähnen charttechnische Faktoren und schwache Bankaktien als Gründe für die schwindende Dynamik. Inzwischen wird das Plus des Swiss Market Index (SMI) fast nur noch vom Schwergewicht Nestlé getragen.

Neben der auf Hochtouren laufenden Berichtssaison stehen die jüngsten Entwicklungen im Fokus der Anleger. Laut Bloomberg will US-Präsident Donald Trump den Verhandlungen mit China 60 Tage mehr Zeit geben. Zu viel Freude wäre aber verfrüht, warnen Marktteilnehmer. In der Vergangenheit habe es viele solcher Hoffnungsschimmer gegeben - und der Zwist zwischen den beiden Wirtschaftsmächten dauere immer noch an.

Der Leitindex SMI, der zunächst bis auf ein neues Jahreshoch von 9'237 Punkten gestiegen ist, notiert gegen 11 Uhr noch 0,50 Prozent höher bei 9'210,18 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) zieht um 0,39 Prozent auf 1'422,96 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,77 Prozent auf 10'778,81 Punkte an. 22 Gewinner stehen im SLI 8 Verlierern gegenüber.

Der SMI befindet sich laut Händlern in einer wichtigen Zone. Der Leitindex habe in der Region von 9'200 Punkten zuletzt oft den Kopf angestossen. Auf dieser Höhe nähmen Anleger oft eine vorsichtigere Haltung ein, eine zunehmende Abgabebereitschaft würde daher nicht überraschen.

Nestlé gewinnen nach Zahlen 2,5 Prozent; im frühen Handel wurde bei 89,90 Franken gar ein neues Allzeithoch markiert. Der Nahrungsmittelriese hat die Erwartungen der Analysten insgesamt erfüllt und sieht sich gut auf Kurs zu seinen Zielen. Auch die Guidance für 2019 kommt gut an. Nestlé alleine kann den SMI mit jedem Kursfranken um 25 Punkte in die eine oder andere Richtung bewegen.

Belastet wird der Gesamtmarkt vor allem von schwachen Bankaktien Credit Suisse (-1,6%) und UBS (-0,9%). Die Credit Suisse hatte mit ihren Jahreszahlen für 2018 eigentlich positiv überrascht. Es hätten jedoch sehr viele schwer durchschaubare Sonderfaktoren mitgespielt, sagten Börsianer. Negativ ausgelegt werden der Bank der schwache Zufluss an Nettoneugeld, die nach wie vor hohen Kosten sowie die eher karge Dividende.

Im Gegensatz dazu kann der Lift- und Fahrtreppenbauer Schindler (Aktie: +3,1%) seine Zahlen in steigende Kurse ummünzen. Die Innerschweizer sind schneller als erwartet gewachsen. Noch deutlicher legen im SLI/SMI nur noch Temenos (+4,0%) zu. Am Vortag waren die Papiere noch unter Druck geraten, nachdem überraschend der Abgang von Firmenchef David Arnott verkündet worden war. Clariant (+2,1%), Sonova (+1,6%) und ABB (+1,4%) werden ebenfalls gesucht.

Richemont (-1,1%) und Swatch (-0,7%) werden trotz positiver Nachrichten aus China verkauft. Dass im Handelsstreit eine Entspannung in Sicht ist, wurde bereits am Vortag im späten Handel eingepreist. Nun würden Gewinne mitgenommen. Swatch werde zudem von schwachen Zahlen des Mitbewerbers Fossil belastet.

Im breiten Markt ziehen Sulzer um 3,5 Prozent an. Der Winterthurer Traditionskonzern legte zwar das zweite Jahr in Folge bei Umsatz und Auftragseingang deutlich zu - die Gewinnzahlen lagen aber unter den Erwartungen. Sulzer habe aber gezeigt, dass sich die abkühlende Konjunktur bisher nicht auf das Geschäft auswirkt, urteilten Analysten.

Addex fallen um deutliche 12 Prozent. Das Biotechunternehmen und sein Forschungspartner haben die Entwicklung eines Produktkandidaten eingestellt.

Airopack springen von sehr tiefem Niveau aus um 34 Prozent nach oben. Kreditgeber versuchen, bei der mit Finanzierungsproblemen kämpfenden Gesellschaft die operative Tochtergesellschaft herauszulösen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

ra/tt