Der S&P 500 beendete die turbulente Sitzung am Dienstag leicht im Minus, da Anleger auf Klarheit in der US-Handelspolitik warteten, nachdem die jüngsten Zollandrohungen von Präsident Donald Trump die Hoffnung auf Fortschritte in Gesprächen mit einigen Handelspartnern gedämpft hatten.

Bereits am Montag hatten die Aktien an der Wall Street deutlich nachgegeben, nachdem Trump weitreichende neue Zölle auf Waren wichtiger Handelspartner wie Japan und Südkorea sowie einer Reihe kleinerer Länder ab August angekündigt hatte.

Die Bewegungen der US-Indizes am Dienstag fielen weniger ausgeprägt aus als in der vorherigen Sitzung, doch pendelten der Leitindex S&P 500 sowie der technologieorientierte Nasdaq den ganzen Tag zwischen roten und grünen Zahlen, während Anleger Orientierung in den Schlagzeilen zu den Zöllen suchten.

Trump weitete seinen globalen Handelsstreit am Dienstag offenbar aus, indem er einen 50-prozentigen Zoll auf importiertes Kupfer ankündigte. Zudem erklärte er, dass die lange angedrohten Abgaben auf Halbleiter und Pharmazeutika bald folgen würden.

Der US-Präsident betonte, die Handelsgespräche mit der Europäischen Union und China liefen gut, fügte jedoch hinzu, dass er nur wenige Tage davon entfernt sei, ein offizielles Zollschreiben an die EU zu senden.

,,Es ist fast so, als ob die Märkte darauf warten, auszuatmen", sagte Carol Schleif, Chefstrategin bei BMO Private Wealth in Minneapolis, Minnesota, mit Blick auf die Unsicherheit bezüglich neuer Zölle.

,,Dass sich die Märkte so stabil halten und nur einen Wimpernschlag von ihren Allzeithochs entfernt sind, zeigt, dass die Anleger bereit sind, den Schlagzeilen einen Vertrauensvorschuss zu geben", so Schleif weiter.

Während die Anleger auf den Beginn der Berichtssaison zum zweiten Quartal Mitte Juli warten, dürfte sie laut Schleif zudem erleichtern, dass vergangene Woche der US-Haushaltsplan mit unternehmensfreundlichen Steuerregelungen verabschiedet wurde.

Der Dow Jones Industrial Average fiel um 165,60 Punkte bzw. 0,37 % auf 44.240,76 Zähler, der S&P 500 verlor 4,46 Punkte bzw. 0,07 % auf 6.225,52 Punkte und der Nasdaq Composite legte um 5,95 Punkte bzw. 0,03 % auf 20.418,46 Zähler zu.

Von den elf wichtigsten Branchen des S&P 500 verzeichneten nur fünf Zugewinne. Der Energiesektor legte mit einem Plus von 2,72 % am stärksten zu, während die defensiveren Konsumgüter- und Versorgungssektoren jeweils mehr als 1 % nachgaben.

Während sich Anleger mit größeren Aktien zurückhielten, konnte der Russell-2000-Index für Nebenwerte mit einem Anstieg von 0,66 % überdurchschnittlich zulegen.

Die verhaltene Reaktion des Marktes auf die Schlagzeilen zum Handel stand im Kontrast zur starken Volatilität nach Trumps Zollankündigungen am 2. April, dem sogenannten ,,Liberation Day", die den Nasdaq in einen Bärenmarkt und den Dow sowie den S&P 500 in eine Korrektur drückten.

Seither hat sich die Wall Street erholt und die Verluste wettgemacht: In der vergangenen Woche erreichten Nasdaq und S&P 500 dank eines robusten Arbeitsmarktberichts neue Rekordstände, was Rezessionsängste dämpfte.

BofA Global Research und Goldman Sachs erhöhten ihre Jahresendziele für den S&P 500, getrieben von abnehmender politischer Unsicherheit, widerstandsfähigen Unternehmensgewinnen und möglichen Zinssenkungen.

Das Protokoll der Zinssitzung der US-Notenbank Fed vom Juni wird am Mittwoch veröffentlicht und könnte weitere Hinweise darauf geben, wann die Zentralbank ihren Lockerungszyklus wieder aufnehmen könnte.

Bei den Schwergewichten gewann Tesla 1,3 %, nachdem die Aktie am Montag den stärksten Tagesverlust seit etwa einem Monat verzeichnet hatte.

Unter den Einzelwerten profitierte der US-Kupferproduzent Freeport-McMoRan offenbar von der Aussicht auf hohe Einfuhrzölle auf das Metall und schloss 2,5 % im Plus.

Moderna war der größte prozentuale Gewinner im S&P 500 und sprang um 8,8 %, nachdem führende medizinische Organisationen eine Klage gegen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und das Department of Health and Human Services eingereicht hatten. Sie argumentieren, die aktuellen COVID-19-Impfstoffrichtlinien gefährdeten die öffentliche Gesundheit.

Solaraktien gerieten unter Druck, nachdem Trump am Montag Bundesbehörden anwies, Bestimmungen im ,,One Big Beautiful Bill Act" zu verschärfen, die Steuervergünstigungen für Solar- und Windenergieprojekte aufheben oder ändern.

SunRun verlor 11,4 %, Enphase Energy 3,6 % und SolarEdge Technologies 1 %.

An der NYSE überwogen die Gewinner die Verlierer im Verhältnis 1,51 zu 1; es gab 156 neue Höchststände und 25 neue Tiefststände.

Am Nasdaq stiegen 2.797 Aktien, während 1.669 fielen - ein Verhältnis von 1,68 zu 1 zugunsten der Gewinner.

Der S&P 500 verzeichnete 17 neue 52-Wochen-Hochs und 4 neue Tiefs, während der Nasdaq Composite 83 neue Höchststände und 51 neue Tiefststände erreichte.

An den US-Börsen wechselten 17,03 Milliarden Aktien den Besitzer, verglichen mit dem 20-Tage-Durchschnitt von 18,31 Milliarden.