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KORREKTUR/Aktien Frankfurt Schluss: Klare Verluste - Schwache US-Daten

19.05.2022 | 07:14

(Berichtigt wird die Meldung vom 18.05.2022, 18.12 Uhr. Es muss im 3. Absatz, 1. Satz heißen: klare Verluste rpt. Verluste.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutlich fallende US-Börsen haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch in Mitleidenschaft gezogen. Trübe Nachrichten vom US-Einzelhandelssektor sowie negativ interpretierte Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten ließen den Aufwärtsschwung nach dem starken Vortag erlahmen.

Der Dax, der mittags noch im Plus notiert hatte, sank im Schlussgeschäft sogar kurzzeitig unter die viel beachtete Marke von 14 000 Punkten und verlor letztlich 1,26 Prozent auf 14 007,76 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,92 Prozent auf 29 101,48 Punkte nach unten.

Auch die anderen europäischen Leitbörsen verbuchten klare Verluste. Der EuroStoxx 50 fiel um 1,36 Prozent auf 3690,74 Punkte. Der Cac 40 in Paris und der FTSE 100 in London büßten jeweils mehr als ein Prozent ein. Der New Yorker Dow Jones Industrial notierte zum Handelsschluss in Europa 2,4 Prozent im Minus.

Die US-Einzelhändler schockieren derzeit die Anleger mit Kürzungen ihrer Prognosen. Nachdem die Aktien von Walmart bereits am Vortag deshalb um mehr als elf Prozent eingebrochen waren, verloren am Mittwoch die Target-Papiere gar ein Viertel ihres Börsenwertes nach einem eingetrübten Ausblick des Discounters. "Wie bereits zuvor schon bei Amazon und Walmart zu sehen, geraten die Gewinnmargen der Einzelhändler durch die Inflation und die steigenden Transport- und Lohnkosten gehörig unter Druck", kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets.

In den USA gingen die Baubeginne im April zum Vormonat zwar weniger stark zurück als von Analysten erwartet. Allerdings wurde der moderate Anstieg im Vormonat in einen deutlichen Rückgang revidiert. Zudem sank die Zahl der Baugenehmigungen im April noch etwas deutlicher als prognostiziert. Sie laufen den Baubeginnen zeitlich voraus und geben einen Hinweis auf die zu erwartende Bautätigkeit.

"Es ist noch nicht an der Zeit, den Gesamtmarkt zu kaufen, und so kann sich die aktuelle Erholungsphase tatsächlich schnell als Eintagsfliege erweisen", kommentierte Experte Andreas Lipkow. "Der Dax befindet sich in einer sehr wichtigen Börsenphase in der es um Sekt oder Selters für die Marktteilnehmer in den kommenden Handelstagen geht."

Unternehmensseitig standen am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte Übernahmehoffnungen und Geschäftszahlen im Fokus. Dass Siemens Energy Überlegungen einer Komplettübernahme der spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa bestätigte, ließ die Aktien des Energietechnikkonzerns im MDax um 1,3 Prozent steigen. Man erwäge ein Kaufangebot in bar, um die Tochter im Anschluss potenziell von der Börse zu nehmen, teilte Siemens Energy mit. Die Siemens-Gamesa-Aktien an der Börse in Madrid waren zeitweise vom Handel ausgesetzt und gewannen am Ende 12,6 Prozent.

Von der Nachricht profitierten auch andere Papiere aus dem Bereich Alternativer Energien: Die Anteilscheine des Siemens-Gamesa-Konkurrenten Nordex gewannen im Nebenwerte-Index SDax 1,3 Prozent und jene des Windpark-Betreibers Encavis 3,3 Prozent. Der Dax-Spitzenreiter RWE verbuchte ein Kursplus von 3,2 Prozent. Dies reichte dem Energiekonzern für das höchste Kursniveau seit 2011. Fantasie für langfristige Windkraftziele auf hoher See und ein Milliardenplan der EU für die Unabhängigkeit von russischer Energie galten als Treiber.

Bei der Commerzbank sorgte das Thema Übernahme ebenfalls für Rückenwind. Die Aktien gewannen als MDax-Spitzenreiter 3,1 Prozent, nachdem die "Financial Times" berichtet hatte, dass die italienische Unicredit vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs einen Kauf der Konkurrentin und die Zusammenlegung mit der deutschen Tochter Hypo Vereinsbank erwogen habe. Einem Börsianer zufolge ist das Thema zwar aufgeschoben, aber noch nicht vom Tisch: "Die Fusionsfantasie ist zurück."

Dagegen brachen Dermapharm-Titel nach Zahlen am SDax-Ende um 13,4 Prozent ein. Experte Alexander Thiel vom Analysehaus Jefferies attestierte dem Arzneimittelhersteller ein durchwachsenes erstes Quartal.

Außerhalb der deutschen Aktienindizes büßten Cropenergies-Titel über 14 Prozent ein, nachdem der Biosprit-Hersteller seine Jahresbilanz vorgelegt hatte. Die Aktien des im SDax notierten Wettbewerbers Verbio verloren 8,2 Prozent. Börsianer verwiesen auf konkretisierte Pläne der Bundesregierung zur Abschaffung von Biokraftstoffen .

Der Euro kostete zuletzt 1,0488 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0523 Dollar festgesetzt.

Am deutschen Anleihenmarkt ging es bergab: Der Rentenindex Rex fiel um 0,44 Prozent auf 135,42 Punkte. Die Umlaufrendite stieg im Gegenzug von 0,84 Prozent am Vortag auf 0,91 Prozent. Der Bund-Future gewann 0,14 Prozent auf 152,77 Punkte./edh/he

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---


© dpa-AFX 2022
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