Eine historische Serie für britische Aktien: Mit dem Schlusskurs am Dienstag hat der FTSE 100 seine 16. Sitzung in Folge im Plus beendet – so lange wie nie zuvor. Der bisherige Rekord lag bei 14 aufeinanderfolgenden Gewinntagen und stammte aus dem Januar 2017.
Drei Sektoren haben maßgeblich zur jüngsten Stärke des FTSE 100 beigetragen. Zum einen die Finanzwerte, insbesondere Barclays und HSBC, die nach überzeugenden Quartalszahlen zulegen konnten. Zum anderen der Industriesektor mit Titeln wie Rolls-Royce und BAE Systems, die sich deutlich erholten. Und schließlich die Minenwerte – etwa Rio Tinto, Anglo American und Antofagasta – die traditionell einen großen Anteil im Londoner Index ausmachen und vom derzeit entspannteren Ton im Welthandel profitieren.

Auch geopolitisch steht London derzeit vergleichsweise günstig da: Während die EU und China verstärkt ins Visier von US-Präsident Donald Trump geraten sind, blieb das Vereinigte Königreich bislang weitgehend verschont. Im Jahr 2024 wies Großbritannien lediglich einen Handelsüberschuss von 2,2 Milliarden Pfund gegenüber den USA aus. Entsprechend fielen die gegenseitigen Zölle bislang moderat aus – nur 10 % – bevor sie am 9. April für 90 Tage ausgesetzt wurden.
Trotz der beeindruckenden Aufwärtsserie hinkt der FTSE 100 im laufenden Jahr vielen europäischen Indizes hinterher. Diese profitierten bereits im ersten Quartal von erwarteten Budgetaufstockungen im Verteidigungsbereich sowie von fiskalpolitischen Impulsen – vor allem in Deutschland. Dort legte der DAX seit Jahresbeginn um 16 % zu und ist damit Spitzenreiter in Europa.

Nicht zuletzt leidet der britische Index weiterhin unter den langfristigen Folgen des Brexits: Seit 2016 hat der Eurostoxx 50 um 59 % zugelegt, während der FTSE lediglich ein Plus von 36 % verbuchen konnte – ein Ausdruck politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten auf der Insel.



















