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US-Jobdaten drücken Börsen - "Abschwung lugt um die Ecke"

05.08.2022 | 15:34
ARCHIV: DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Franfurt am Main, Deutschland

Frankfurt (Reuters) - Die Furcht vor drastischen Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und deren wirtschaftlichen Folgen setzt Europas Börsen zu.

Außerdem drückten gemischte Firmenbilanzen auf die Stimmung. Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag 0,5 Prozent auf 13.594 Punkte beziehungsweise um 0,8 Prozent auf 3723 Zähler.

US-Unternehmen schufen den Angaben zufolge im Juli außerhalb der Landwirtschaft 528.000 Stellen, mehr als doppelt so viel wie erwartet. "Hier deutet noch nichts auf einen bald beginnenden Abschwung hin", sagte Analyst Bastian Hepperle vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe. Allerdings steige die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe. "Das erinnert doch sehr an die Monate vor früheren Rezessionen. Der Abschwung lugt vorsichtig um die Ecke."

Ein weiterer Belastungsfaktor sei der überraschend starke Anstieg der Löhne, gab Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners zu bedenken. "Das wird die Fed möglicherweise dazu bringen, die Zinsen in hohem Tempo weiter zu erhöhen, um die bestehende Preis-Lohn-Spirale wieder einzufangen." Vor diesem Hintergrund warfen Investoren US-Staatsanleihen aus den Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Bonds auf 2,805 Prozent. Diesem Trend konnten sich die deutschen Pendants nicht entziehen und rentierten ebenfalls höher bei 0,884 Prozent.

Dem Dollar verliehen die US-Daten Zusatzschub. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,9 Prozent auf 106,69 Zähler.

ALLIANZ UND RHEINMETALL KÖNNEN MIT ZAHLEN NICHT ÜBERZEUGEN

Bei den deutschen Aktienwerten rückte Allianz ins Rampenlicht. Die Titel fielen um gut zwei Prozent, obwohl der Versicherer mit einem operativen Gewinn von 3,5 Milliarden Euro das beste zweite Quartal seiner Geschichte verbucht hatte. Wegen Abschreibungen auf die US-Tochter und ein schwächelnden Vermögensverwaltungsgeschäfts bleibe das Netto-Ergebnis aber hinter den Erwartungen zurück, monierte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets.

Rheinmetall konnte einen Rekord-Halbjahresgewinn ebenfalls nicht in Kursgewinne ummünzen. Die Titel des Rüstungskonzerns und Autozulieferers rutschten um acht Prozent ab. Auslöser der Verkäufe sei die auf zehn bis zwölf von 13 bis 15 Milliarden Euro gekappte Prognose für den Auftragseingang der Rüstungssparte, sagten Börsianer.

WERBEAGENTUR WPP IM MINUS - DEUTSCHE POST IM AUFWIND

Lange Gesichter gab es auch bei WPP. Die weltgrößte Werbefirma, zu der unter anderem die deutsche Agentur Scholz & Friends gehört, hob zwar ihre Umsatzziele an. Beeindruckt habe das Investoren aber nicht, sagte Analyst Stephane Ekolo vom Brokerhaus Tradition. "Sie hatten von einem Unternehmen mit starken Perspektiven mehr erwartet." Außerdem lasse der unveränderte Margenausblick bei einigen die Alarmglocken schrillen. WPP-Titel fielen in London um sechs Prozent.

Bei der Deutschen Post honorierten Investoren dagegen das Rekord-Quartalsergebnis des Brief- und Paketzustellers. Sie bescherten den Papieren des Konzerns mit einem Plus von zeitweise fast sieben Prozent den größten Kurssprung seit fünf Monaten. "Alle Divisionen haben sich besser entwickelt als erwartet", lobte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp. Positiv sei außerdem, dass das Unternehmen seine Zielspanne für den operativen Gewinn auch für erreichbar halte, sollte sich die Konjunktur in den kommenden Monaten verschlechtern.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


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