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Börse Frankfurt-News: Sicherheitsbedürfnis lässt nach (Anleihenhandel)

11.09.2020 | 15:58

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Der EZB-Verzicht auf weitere geldpolitische Lockerungen drückt auf die Kurse von Bundesanleihen. Im Handel mit Corporate Bonds stehen unter anderem Ferratum, Aurelius, Grenke, Otto und RWE im Fokus. Gut angenommen wird eine neue Euro-Anleihe von Ford. Behrens Warnung vor einer möglichen Insolvenz verschreckt Investoren.

11. September 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die derzeit geldpolitisch ruhige Hand der Europäischen Zentralbank war vor dem Hintergrund konjunktureller Erholung von vielen erwartet worden. Bis auf weiteres bleibt es im Euroraum bei einem Leitzins von 0 Prozent und einem Einlagensatz von minus 0,5 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stehe aber bei Bedarf bereit, ihre geldpolitischen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. "Enttäuscht wurden Marktteilnehmer, die mit Schnellschüssen gerechnet hatten", meint Arthur Brunner von der ICF Bank.

Zehnjährige Bundesanleihen verloren nach der EZB-Sitzung nur leicht, mussten aber mit der besseren Stimmung am Aktienmarkt im Wochenverlauf - der Euro-Bund-Future verlor von 176,35 auf 173,78 Prozent - deutlich Federn lassen.

Euro-Aufwertung nicht erwünscht

Sorge bereitet den Währungshütern scheinbar die Euro-Stärke insbesondere zum US-Dollar, wie Brunner feststellt. Konkrete Wechselkursziele gebe es zwar nicht, der Euro-Preis im Verhältnis zu anderen Währungen beeinflusse aber die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure aus der Währungsgemeinschaft. Auch verbillige eine teure Währung die Importe und drücke auf die ohnehin zu niedrige Inflation. Seit Mitte März legte der Euro zum US-Dollar von 1,03 auf 1,19 Dollar zu.

Flucht aus Behrens-Bond

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbucht Brunner insgesamt eher Kaufnachfrage. Für eine 20 Millionen Euro schwere, fünfjährige Behrens-Anleihe (WKN A2TSEB) mit einem Kupon von 6,25 Prozent und Fälligkeit in 2024 gelte dies nicht. Anleger verabschiedeten sich in größerem Stil von dem Wert.

Behrens habe in einer Adhoc-Meldung die Zukunft des Unternehmens von der Refinanzierung einer im November fälligen Anleihe mit einem Restvolumen von 16,2 Millionen Euro abhängig gemacht. "Scheitert die Refinanzierung, droht dem Hersteller von Befestigungstechnik für Holz eigenen Angaben zufolge die Insolvenz." Derzeit liefen Gespräche über eine staatliche Garantieunterlegung einer neuen Anleihe bzw. eine stille Beteiligung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Seit Veröffentlichung der Meldung mehr als halbierte sich der Preis für die Anleihe, aktuell notiert der Wert um 45 Prozent.

Ferratum, Aurelius und Grenke gesucht

Eine rege gehandelte bis Mai 2022 laufende Ferratum-Anleihe (WKN A2LQLF) mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent landete Brunner zufolge verstärkt in den Depots. Nach 92 Prozent zum Wochenauftakt notiert der Bond aktuell um 93,50 Prozent.

Viele Zuflüsse verzeichnet Brunner in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten Aurelius Equity Opportunities-Anleihe (WKN A2SAP3), die im Dezember 2024 fällig wird. Die meisten der Konzernunternehmen scheinen die Krise bisher ganz gut gemeistert zu haben. Im ersten Halbjahr liegt der Aurelius-Umsatz mit 1,63 Milliarden Euro von dem im Vorjahresvergleich erreichten 1,89 Milliarden Euro immer noch auf einem guten Niveau.

Lebhaftes Interesse zumeist auf der Kaufseite sieht Brunner in einer im Oktober fälligen, 300 Millionen Euro schweren Grenke Finance-Anleihe (WKN A2RT0W) mit einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent. Aktuell kostet der Bond etwas unter 103 Prozent und liegt damit auf Wochensicht 1,2 Prozent im Plus.

Otto und RWE gefragt

Kaufnachfrage erkennt Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank nach einer siebenjährigen Anleihe von Otto (WKN A2TR80) mit einem Kupon von 2,625 Prozent. Der im April 2026 fällige Wert notiert derzeit um 103,3 Prozent. Der Hamburger Online- und Versandhändler plant den Aufbau einer Online-Plattform mit eigenem Bezahlservice. Für den Herbst sei die Gründung einer Otto-Tochter geplant, die Anfang 2022 starten soll.

Eine bis 2075 laufende RWE-Anleihe (WKN A14KAB) mit einem Kupon von 3,5 Prozent steht Mägerle zufolge ebenfalls zumeist auf den Kauflisten. "Auf Wochensicht legte der Wert von 106 auf 108 Prozent zu."

Vertrauen in Ford

Eine neue fünfjährige Anleihe von Ford (WKN A282GC) im Volumen von 750 Millionen Euro wird laut Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank trotz einer Stücklung von 100.000 Euro auch von Privatanlegern recht gut angenommen. "Das liegt sicher auch an der mit 3,25 Prozent recht guten jährlichen Verzinsung."

von: Iris Merker

11. September 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


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