Die Pariser Börse gibt am heutigen Morgen um 0,2% nach und notiert bei etwa 7.710 Punkten. Getragen wird der Markt von Pernod Ricard (+2,6%) und Capgemini (+2,5%), während Hermès (-1,5%) und Renault (-1,4%) bremsen.
Nachdem das Thema zuletzt in den Hintergrund getreten war, rücken die Sorgen der Anleger nun wieder auf die laufenden Handelsgespräche und die heikle Frage der US-Zölle mit ihren wichtigsten Partnern.
Wie angekündigt, hat US-Präsident Donald Trump gestern eine Reihe neuer Zollmaßnahmen gegen Importe aus mehreren Ländern vorgestellt, zeigte sich jedoch weiterhin offen für Verhandlungen.
In einer Serie von Schreiben an die betroffenen Regierungen hat das Weiße Haus unter anderem die Einführung von Zöllen in Höhe von 25% auf Japan und Südkorea, 30% auf Südafrika, 35% auf Bangladesch, 36% auf Thailand und 40% auf Laos offiziell gemacht.
Auffällig ist das Fehlen von Kanada, Mexiko, der Europäischen Union und China auf dieser Liste, was auf einen weiter fortgeschrittenen Stand der Handelsgespräche mit diesen Partnern hindeuten könnte.
Nach diesen Ankündigungen gerieten die US-Aktienmärkte gestern dennoch unter Druck, was dazu führte, dass die Indizes S&P 500 und Nasdaq im Verlauf der Sitzung um bis zu 1% nachgaben.
Trotz der wieder aufgeflammten Handelsunsicherheiten registrierten die Anleger, dass keiner der neuen Zölle vor dem 1. August in Kraft treten wird. Das verschafft den betroffenen Ländern knapp dreieinhalb Wochen Zeit, um Vereinbarungen zu erzielen.
Dieses Vorgehen erinnert an die bisher von Washington bevorzugte Strategie der Eskalation und anschließenden Deeskalation, oder wie manche Kommentatoren kritisch das Akronym "TACO" für "Trump Always Chickens Out" - also "Trump zieht am Ende immer zurück" - verwenden.
"Das gibt der US-Regierung die nötige Zeit, um die Reaktion der Märkte, die Preisentwicklung und letztlich die Stimmung der Verbraucher zu bewerten", schätzen die Analysten der Danske Bank.
In diesem Klima der Unsicherheit könnten Unternehmen jedoch versucht sein, ihre Investitionspläne zu verschieben, was sich langfristig auf die wirtschaftliche Aktivität auswirken könnte.
"Der Privatsektor bleibt im Unklaren. Investitionsentscheidungen werden aufgeschoben, was zweifellos negativ für das Wachstum ist", betont die Danske Bank. Die dänische Bank empfiehlt Anlegern daher, angesichts der widersprüchlichen Signale vorsichtig zu bleiben.
Auch geldpolitisch stärkt die Handelsunsicherheit das Argument für eine abwartende Haltung der US-Notenbank, selbst wenn die neuen Zölle noch längst nicht umgesetzt sind.
Als direkte Folge haben sich die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Kurve hinweg erhöht - ein Zeichen für die allgemeine Vorsicht an den Rentenmärkten. In den USA zog die Rendite der zehnjährigen Anleihe wieder an und liegt bei etwa 4,41%. Die gleichlaufende Bundesanleihe notiert bei 2,65% (+4 Basispunkte), die französische OAT bei 3,36% (+4 Basispunkte).
Der US-Dollar, der das schwächste Jahresauftakt seit Langem verzeichnet, dient angesichts der Handelskonflikte nicht als sicherer Hafen. Der Euro hält sich am Morgen bei rund 1,175 $ (+0,3%) und erreicht damit den höchsten Stand seit fast vier Jahren gegenüber dem Greenback.
Am Ölmarkt belasten die kombinierten Sorgen um den Welthandel und ein Überangebot die Rohölpreise. Ein Barrel Brent verliert am Morgen fast 0,5% und fällt in London auf etwa 69,2 Dollar zurück.
Auf der Statistikseite wurde ein Anstieg des französischen Handelsdefizits bekannt: Laut saison- und kalenderbereinigten Daten (CVS-CJO) aus Bercy belief sich das Defizit im Mai auf 7,77 Milliarden Euro, nach 7,69 Milliarden im Vormonat.
Gleichzeitig stieg der saison- und kalenderbereinigte Handelsüberschuss Deutschlands laut Destatis im Mai auf 18,4 Milliarden Euro, verglichen mit einem Überschuss von 15,7 Milliarden Euro im Vormonat.
Aus den französischen Unternehmen gibt es folgende Neuigkeiten: Alstom und EFE Trenes de Chile haben einen Wartungsvertrag für die Signalsysteme der 23 Kilometer langen S-Bahn-Linie in Santiago unterzeichnet.
Atos teilt mit, dass das Unternehmen von der Direktion für digitale Dienste (DSN) der Assistance Publique-Hôpitaux de Paris (AP-HP) für die Umsetzung von zwei Ausschreibungspaketen im Bereich digitaler Anwendungsdienstleistungen ausgewählt wurde.
Vallourec berichtet über den Gewinn von zwei Verträgen zur Lieferung von OCTG-Produkten (Oil Country Tubular Goods) für Bohrprojekte von CNOOC und PetroChina im Irak. Das Auftragsvolumen beträgt über 130 Millionen Dollar.
Schließlich geben Carrefour und die Genossenschaft U bekannt, dass sie eine europäische Einkaufsgemeinschaft namens Concordis gründen werden. Ziel ist es, durch gebündelte Volumina die Einkaufskompetenz ihrer Partner zu stärken und letztlich dem Verbraucher zugutekommen.
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