Europas Mobilfunkanbieter stecken seit Jahren in einem Dilemma: Sie müssen massiv in ihre Netze investieren, stehen dabei aber unter einem enormen Preisdruck. Der Wettbewerb wurde von Regulierungsbehörden bewusst gefördert, um Verbraucherpreise niedrig zu halten – mit der Folge, dass die erzielbaren Margen kaum ausreichen, um die Inflation zu kompensieren, geschweige denn nachhaltige Renditen auf Investitionen zu erwirtschaften.

Doch es zeichnet sich eine Trendwende ab – sowohl in der EU als auch im Vereinigten Königreich. Konsolidierungen, die bislang kritisch beäugt wurden, könnten künftig unterstützt werden, sofern sie mit umfassenden Investitionszusagen zur Modernisierung der Netzinfrastruktur einhergehen. Vodafone hat diesen Kurs verinnerlicht: Mit dem Versprechen von Investitionen in Höhe von 11 Milliarden Pfund konnte der Konzern die britische Wettbewerbsbehörde von seiner Fusion mit dem Anbieter Three überzeugen.

Umstrukturierung unter Margherita Della Valle

Unter der Führung von CEO Margherita Della Valle treibt Vodafone die Restrukturierung mit Nachdruck voran. Unternehmensbeteiligungen werden verkauft, Schulden abgebaut. Innerhalb von zwei Jahren konnten so 17 Milliarden Pfund an Verbindlichkeiten getilgt werden. Damit steht Vodafone deutlich besser da als Wettbewerber wie British Telecom oder Telefónica.

Diese Entwicklung kommt zur rechten Zeit, denn angesichts möglicher weiterer Zinserhöhungen ist finanzielle Robustheit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Geschäftsjahr 2025: Licht und Schatten

Zwar weist Vodafone für das vergangene Geschäftsjahr einen Buchverlust aus – bedingt durch eine umfangreiche Wertberichtigung auf Vermögenswerte in Deutschland, wo man einen profitablen Kabel-TV-Vertrag verloren hat. Dennoch konnte der Konzern einen operativen freien Cashflow von 8,7 Milliarden Pfund erwirtschaften – nur leicht unter dem Vorjahreswert von 10,3 Milliarden, als Della Valle das Ruder übernahm.

Wie bereits im Vorjahr von MarketScreener prognostiziert, wurde die Dividende kräftig gekürzt, um finanzielle Spielräume zu schaffen. Bemerkenswert ist jedoch, wie niedrig die aktuelle Bewertung des Konzerns ausfällt: Die Marktkapitalisierung entspricht dem 2,3-fachen des freien Cashflows – die Enterprise Value/Free Cashflow-Bewertung liegt bei lediglich 5,6.

Sektor unterbewertet und strukturell dysfunktional

Solche Bewertungsmultiplikatoren reflektieren die Realität eines strukturell dysfunktionalen Sektors. Umso bedeutsamer ist der nun erkennbare Kurswechsel der Regulierungsbehörden. Doch Vodafone warnt, gemeinsam mit Branchengrößen wie Telefónica, Nokia, Deutsche Telekom, Ericsson und Orange: Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus.

Wachstum nur noch in Schwellenländern?

Laut diesem Lobbyverbund müssen europäische Mobilfunkanbieter verstärkt Wachstumschancen in Schwellenmärkten erschließen – etwa in Afrika, dem Nahen Osten oder der Türkei. Doch andere Beispiele zeigen, dass diese Strategie mit Vorsicht zu genießen ist.