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UniCredit-Chef stopft dünne Kapitaldecke mit Verkäufen

03.08.2016 | 15:41

Frankfurt/Mailand (Reuters) - Die italienische Großbank UniCredit versucht die immer dünner werdende Kapitaldecke mit dem Verkauf einer weiteren Beteiligung zu stopfen.

Ende Juni lag die harte Kernkapitalquote nur noch bei 10,3 Prozent, wie die Mutter der HypoVereinsbank (HVB) am Mittwoch in Mailand mitteilte. Drei Monate zuvor waren es noch 10,8 Prozent. Viele UniCredit-Anleger warfen daraufhin die Aktie aus dem Depot: Sie fiel um fast vier Prozent auf 1,77 Euro. "Sie haben schon wieder Kapital verbrannt", sagte ein Händler. Seit dem europäischen Banken-Stresstest, bei dem nur fünf von 51 Instituten schwächer abgeschnitten haben als UniCredit, hat das Papier fast 20 Prozent an Wert verloren. Der neue Vorstandschef Jean-Pierre Mustier arbeitet eifrig daran, das Kapitalpolster mit Verkäufen zu flicken: Nun gibt die größte Bank des Landes das Karten-Abwicklungsgeschäft in Italien, Deutschland und Österreich für eine halbe Milliarde Euro ab.

Bereits an seinen ersten beiden Arbeitstagen im Juli hatte Mustier die Kapitalquote mit dem Verkauf von je zehn Prozent am Online-Broker FinecoBank und an der polnischen Tochter Bank Pekao um 0,2 Prozentpunkte nach oben geschraubt, der Gewinn von 440 Millionen Euro aus dem Verkauf der Abwicklung von Karten-Transaktionen an der Ladenkasse und am Geldautomaten bringt nun weitere 0,12 Prozentpunkte.

Mustier hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Struktur des Konzerns zu vereinfachen, die Kosten zu senken und Bereiche außerhalb des Kerngeschäfts zu verkaufen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Er denkt Insidern zufolge auch über einen Komplettausstieg bei der Bank Pekao nach, an der UniCredit noch 40 Prozent hält. Damit will er die erwartete Kapitalerhöhung so gering wie möglich halten, die trotzdem mindestens fünf Milliarden Euro einbringen dürfte. Bis 2019 muss UniCredit das Kapitalpolster auf mindestens 10,75 Prozent schrauben. Derzeit reichen den Bankenaufsehern zehn Prozent.

Der Bestand an ausfallgefährdeten Krediten sei von April bis Juni um 2,4 Prozent auf 77,1 Milliarden Euro zurückgegangen, erklärte UniCredit im Zwischenbericht. 51,3 Milliarden davon gelten als akut gefährdet. Alle italienischen Großbanken ächzen unter einem Berg fauler Kredite. Trotzdem stieg der bereinigte Nettogewinn von UniCredit im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 687 Millionen Euro, stärker als von Analysten erwartet. Einschließlich Sondereffekten, etwa aus dem Verkauf des Anteils an Visa Europe hat er sich sogar auf 915 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Bank- und Kreditkarten-Transaktionen lässt UniCredit künftig in seinen drei Kernmärkten vom italienischen Spezialisten SIA abwickeln. Mit dem Verkauf des eigenen Abwicklungsgeschäfts sei ein Dienstleistungsvertrag über zehn Jahre mit SIA geschlossen worden. 400 UniCredit-Mitarbeiter wechseln mit zu dem neuen Eigentümer. SIA gehört knapp zur Hälfte der staatlichen Beteiligungsfirma CDP Equity und zu 17 Prozent dem italienischen Infrastruktur-Fonds F2i. UniCredit, die Deutsche Bank und andere Institute halten kleine Minderheitsbeteiligungen. Das Unternehmen war 2015 für Transaktionen mit 65 Millionen Karten zuständig, nun kommen 13,5 Millionen von UniCredit ausgegebene Karten hinzu.

Unternehmen in diesem Artikel : Bank Pekao SA, UniCredit SpA, FinecoBank Banca Fineco SpA

© Reuters 2016
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