- von Tom Käckenhoff und Vera Eckert

Essen (Reuters) - Der Chef der Thyssenkrupp-Wasserstofftochter Nucera, Werner Ponikwar, rechnet nach einer schwächelnden Nachfrage mit einer raschen Erholung des Ausrüster-Marktes.

"Wir sehen aus heutiger Perspektive nicht, dass dieser Markt jetzt eine Pause macht", sagte Ponikwar in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Randes des "Handelsblatt Wasserstoff-Gipfels" in Essen. Es gebe zwar eine abwartende Haltung, diese sei aber nur vorübergehend. "Wir glauben, dass der Markt über die nächsten zehn, 20 Jahre extrem stark wachsen wird und wir wollen weiterhin dort eine sehr, sehr wichtige Rolle spielen."

Nucera entwickelt Elektrolyseure, Anlagen, mit denen grüner Wasserstoff produziert werden kann. Dieser spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Auftragsverschiebungen hatten der Firma im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2023/24 (per Ende September) zugesetzt. Im operativen Geschäft (Ebit) rutschte Nucera in die Verlustzone. Investoren hielten sich zurück, weil die Regulierung von Wasserstoff-Projekten unklar sei, hieß es. Inzwischen hat sich die Stimmung Ponikwar zufolge verbessert. "Vor allem im Bereich von Windkraft und Solar haben wir gehört, dass die Genehmigungszeiten sich schon deutlich verkürzt haben." Grüner Wasserstoff wird mit Hilfe von CO2-freiem Strom produziert. Zudem habe Nucera ein Auftragsvolumen von knapp einer Milliarde Euro in den Büchern.

NUCERA ENTWICKELT SICH ZUR JOBMASCHINE

Thyssenkrupp hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Dortmund vor einem Jahr an die Börse gebracht, hält aber noch die Mehrheit. "Die Mehrheitsbeteiligung von Thyssenkrupp hat Vorteile, weil wir damit natürlich auch einen sehr guten Zugang haben zu einer potenziellen Kunden-Basis", sagte Ponikwar.

Nucera entwickelt sich zu einer Jobmaschine. "Wir haben jetzt über 900 Mitarbeiter", erklärt der 54-jährige Manager, der seit 2022 das Unternehmen führt. Die Zahl werde weiter wachsen. "Nächstes Jahr werden es über 1000 sein und vielleicht in zwei, drei Jahren 1500 oder 2000. Wir setzen da jetzt erstmal keine Grenze." Nucera konzentriere sich derzeit auf das Wachstum vorwiegend in Europa und den USA. "Wir fangen erstmal mit den beiden Regionen an." Danach kämen vielleicht der Mittlere Osten, Australien und weitere Regionen. In Deutschland gebe es relativ wenige große Projekte. "Die großen Projekte spielen sich heute in Europa eher im Süden ab, in Portugal und in Spanien."

Einen Dämpfer erhielt Nucera kürzlich bei der Neuberechnung des Kleinwerteindex SDax, aus dem das Unternehmen zum 24.Juni ausscheiden muss. Der Abstieg sei natürlich schade. "Wir haben leider einen sehr kleinen Free-Float mit knapp 18 Prozent." Und auf diesen frei handelbaren Aktien werde die Marktkapitalisierung berechnet. "Wir wollen möglichst rasch zurückkehren."

(Bericht von Tom Käckenhoff, Vera Eckert, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)