- von Tom Käckenhoff

Essen (Reuters) - Die Arbeitnehmervertreter von Thyssenkrupp gehen gegen die Pläne von Konzernchef Miguel Lopez für einen Teilverkauf der Stahltochter an den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky auf die Barrikaden.

Lopez strebe in den Verhandlungen eine 50-Prozent-Beteiligung für Kretinsky an, sagte der Chef der IG Metall in NRW, Knut Giesler, am Dienstag vor Journalisten in Essen. "Wir fordern ein industrielles Konzept." Ohne das werde es keine Zustimmung geben. "Wir wollen Daten, Zahlen, Fakten", fügte Konzernbetriebsratschef Tekin Nasikkol hinzu. Lopez sei am Zug. "Wir schlagen die Tür nicht zu." Standorte und Beschäftigung müssten aber gesichert sein.

Lopez hatte am Vormittag an einer Versammlung von rund 200 Betriebsräten von Thyssenkrupp Steel Europe in Essen teilgenommen. Die Antworten seien aber völlig unzureichend gewesen, sagte Giesler. "Das ist ein katastrophaler Prozess." Ob der von Lopez angeblich angestrebte Zeitrahmen für eine Einigung bis Ende Oktober einzuhalten ist, sei offen. "Wenn das vernünftig vorliegt, ist das auch in einer Woche möglich."

Vor einem Signing müsse es einen Tarifvertrag mit dem neuen Partner geben, sagte Konzernbetriebsratschef Nasikkol. Maßstab dafür sei die Einigung, die es vor einigen Jahren bei dem später gescheitertem Joint Venture mit Tata Steel Europe gegeben habe. Zudem müsse auch die Zukunft des Stahlkochers Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) gesichert sein, an der Thyssenkrupp 50 Prozent hält.

Am Mittwoch trifft der Aufsichtsrat der Stahltochter zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Die Themen seien noch offen, sagte Nasikkol. Sollte es in den kommenden Wochen zu einer Einigung mit Kretinsky kommen, müsse der Aufsichtsrat des Konzerns zustimmen. Auf die Frage, ob es vorstellbar sei, dass die Konzernführung die Pläne gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter durchsetzen könnte, sagte Giesler: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Dann gehen wir auf die Straße."

Die konjunkturanfällige Stahltochter sucht seit Jahren Partner oder Käufer. Ihre Ergebnisse schwanken stark. Zudem muss sie Milliardensummen für den Umbau zu einer grünen Produktion aufbringen. Kretinsky und seine Holding EPH sind in Deutschland keine Unbekannten. Sie kontrollieren bereits die ostdeutschen Braunkohleverstromer Mibrag und LEAG und weitere Unternehmen außerhalb der Schwerindustrie.

(Bericht von Tom Käckenhoff. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)