Die deutsche Stahlindustrie hat am Donnerstag die Alarmglocken geläutet und davor gewarnt, dass ein Gerichtsurteil, das ein Loch in den Berliner Haushalt gerissen hat, mehr als 40 Milliarden Euro (44 Milliarden Dollar) an geplanten Investitionen in Frage gestellt hat.

Bernhard Osburg, Präsident des deutschen Stahlverbands und Vorstandsvorsitzender der Stahlsparte von Thyssenkrupp, dem größten Stahlhersteller des Landes, sagte vor Reportern, dass es für Deutschland von entscheidender Bedeutung sei, seine künftige Wettbewerbsfähigkeit zu schützen.

"Die Politik muss aufgrund des großen Vertrauensverlustes in der Branche, aber vor allem auch in anderen Ländern bei Zulieferern und potenziellen Partnern in der Wertschöpfungskette, sehr schnell Antworten darauf finden, wie diese Transformation zuverlässig finanziert werden kann."

Seine Äußerungen unterstreichen die große Verunsicherung der deutschen Industrieunternehmen, die bereits mit den wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort zu kämpfen haben und sich zunehmend nach alternativen, günstigeren Märkten wie den Vereinigten Staaten umsehen.

Osburg sagte, dass das bahnbrechende Urteil, das die deutsche Regierung in eine Krise gestürzt hat, bedeutet, dass das Geld, das Berlin zugesagt hat, um die Transformation der Industrie in Richtung Dekarbonisierung zu unterstützen, ein Schlüsselaspekt der politischen Agenda von Bundeskanzler Olaf Scholz, nicht mehr vorhanden ist und dass es schwierig sein wird, das Loch zu stopfen.

Viele Unternehmen hatten Dekarbonisierungsprojekte in dem guten Glauben begonnen, dass die Mittel aus dem Berliner Haushalt irgendwann eintreffen würden. Dies führte zu einer großen Unsicherheit bei den Unternehmen und ihren Zulieferern über die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Projekte.

"Das sind keine Wohlfühlprojekte, sondern tatsächlich wichtige Maßnahmen in unserem Land, um den Industriestandort zu erhalten, um die Industrie als solche zu erhalten ... und, vielleicht gerade deshalb, um sicherzustellen, dass die Klimaziele nicht nur in Deutschland erreicht werden", sagte Osburg.

Deshalb forderte er Berlin auf, bald einen Gipfel mit deutschen Industrieführern abzuhalten, um Antworten darauf zu geben, wie diese Investitionen geschützt werden können, und warnte vor einem "äußersten Handlungsdruck".

Der deutsche Stahlsektor, zu dem neben Thyssenkrupp auch Salzgitter gehört, beschäftigt direkt rund 80.000 Menschen, während indirekt rund 4 Millionen Arbeitsplätze von ihm abhängen. Etwa zwei Drittel aller deutschen Exporte sind stahlbasierte Waren. ($1=0,9168 Euro) (Berichterstattung von Christoph Steitz; Redaktion: Miranda Murray)