(Reuters) - Die Aktionäre von Tesla haben auf der Hauptversammlung für das 56 Milliarden Dollar schwere Vergütungspaket für Konzern-Chef Elon Musk gestimmt.

Insgesamt kam das Paket auf eine Zustimmung von 77 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Freitag hervorgeht. Die Zustimmung fiel damit etwas höher aus als 2018, als 73 Prozent der Tesla-Aktionäre das Paket durchgewunken hatten. Es handelt es sich um das bislang größte Vergütungspaket, das ein Spitzenmanager eines US-Unternehmens erhalten hat.

Die Zustimmung zu Musks Vergütung gilt als Vertrauensbeweis der Investoren. Vor allem Kleinanleger votierten für das Paket. Tesla hat einen ungewöhnlich hohen Anteil von Kleinanlegern. "Wir haben die großartigste Investorenbasis", sagte Musk bei der Hauptversammlung am Donnerstag. "Verflucht nochmal, ich liebe euch Leute", sagte er zu einer jubelnden Menge im Tesla-Werk in Austin in Texas.

Bei institutionellen Investoren war die Stimmung dagegen gespalten. Der nach Musk größte Einzelaktionär Vanguard votierte für das Paket. Die Aktionärsberater Glass Lewis und Institutional Shareholder Services bezeichneten es dagegen als exzessiv und riefen die Aktionäre dazu auf, mit Nein zu stimmen. "Wenn sowohl die Institutionellen als auch die Berater in eine Richtung tendieren, ist es sehr ungewöhnlich, dass die Abstimmung anders ausfällt", sagte John Lawrence, Partner bei der Anwaltskanzlei Baker Botts. "Das zeigt die Macht der Sozialen Netzwerke in diesem Fall."

Tesla hatte massiv für ein "Ja" zu den Abstimmungen geworben. Führungskräfte des Elektroautobauers veröffentlichten Beiträge auf X, in denen sie sagten, dass Musk für den Erfolg von Tesla entscheidend sei. Tesla schaltete Anzeigen in den sozialen Medien und veranstaltete Werksführungen. Dazu kommen die zahlreichen Tesla-Fans, die ebenfalls Werbung für die Abstimmung gemacht hatten.

Musk hatte bereits am Vorabend erklärt, dass eine große Mehrheit der Aktionäre die Anträge absegnen wollte. Daraufhin hatten die Tesla-Aktien zugelegt. Die Abstimmung galt auch als Referendum über Musks Führungsqualitäten. Der Tesla-Chef sagte auf der Bühne, er sei "pathologisch optimistisch". Ohne diesen Optimismus würde Tesla nicht existieren."Ich liefere am Ende immer noch. Das ist das Wichtigste". Musk ist mit knapp 13 Prozent der Aktien größter Einzelaktionär bei Tesla. Zusammen mit den Aktien aus dem Vergütungspaket käme er auf mehr als 20 Prozent.

MONATELANGER RECHTSSTREIT MÖGLICH

Bevor Tesla jedoch Aktien an Musk ausgeben kann, könnte es nach Auffassung von Rechtsexperten einen monatelangen Rechtsstreit geben. "Diese Angelegenheit ist noch nicht vorbei", sagte Brian Quinn, Rechtsprofessor an der Boston College Law School. Eine Richterin in Delaware hatte das Vergütungspaket im Januar aufgehoben. Ihrer Meinung nach hatte Elon Musk den Prozess zur Aushandlung des Pakets durch den Verwaltungsrat im Jahr 2018 in unzulässiger Weise kontrolliert. Außerdem entschied die Richterin, dass Tesla es versäumt habe, die Anleger umfassend zu informieren, bevor sie für das Paket stimmten.

Nach Angaben von Tesla wurden den Aktionären vor der Abstimmung am Donnerstag nun große Mengen an Informationen zur Verfügung gestellt, einschließlich der 200-seitigen Entscheidung der Richterin. Damit sei auch das Problem der Kontrolle des Prozesses zur Aushandlung des Gehaltspakets durch Musk behoben wurde. Nun muss das Gericht noch einmal entscheiden. Mindestens ein Aktionär hat bereits Klage gegen die erneute Abstimmung eingereicht.

(Bericht von Hyunjoo Jin, Ross Kerber, Akash Sriram, geschrieben von Christina Amann und Esther Blank. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)