Indien denkt darüber nach, die Kraftstoffeffizienz-Normen für Kleinstwagen zu lockern, nachdem Maruti Suzuki - angesichts eines SUV-Booms - für eine solche Maßnahme geworben hatte. Dies berichten Branchen- und Regierungsquellen gegenüber Reuters.
Kleinstwagen waren bisher ein entscheidender Erfolgsfaktor für Maruti in Indien und machen den Großteil der Verkäufe des Unternehmens aus. Doch die Nachfrage nach Modellen wie Alto oder Wagon-R ist rückläufig, sodass ihr Anteil an den insgesamt 1,7 Millionen verkauften Fahrzeugen im vergangenen Geschäftsjahr auf unter 50% gefallen ist - von fast zwei Dritteln vor zwei Jahren.
Auch die indische Regierung zeigt sich besorgt über die sinkenden Verkaufszahlen kleiner, erschwinglicher Fahrzeuge. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte, der größte Autohersteller des Landes habe jüngst argumentiert, günstigere Emissionsnormen für Kleinstwagen seien nötig, da der Absatzrückgang das Gesamtwachstum des Pkw-Marktes gefährde.
„Kleinstwagen sollten stärker profitieren. Maruti fordert das schon länger, und wir stimmen dem zu“, sagte der Beamte und erläuterte so die Beweggründe für die geplante Maßnahme.
Nach den geltenden Corporate Average Fuel Efficiency (CAFE)-Normen koppelt Indien die zulässige Menge an Kohlendioxid-Emissionen an das Gewicht eines Fahrzeugs - für alle Autos unter 3.500 kg (7.716 lb).
Die geplante Lockerung soll diese Grenzwerte für Fahrzeuge unter 1.000 kg aufweichen, wie drei mit der Sache vertraute Personen berichten - ohne jedoch konkrete Details zur Reduktion zu nennen.
Um die Normen einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden, müssen die Hersteller einen bestimmten Anteil an emissionsarmen Modellen - vor allem Elektroautos - verkaufen.
Eine Lockerung der Grenzwerte für Kleinstwagen würde den Druck verringern, diese zu elektrifizieren, was besonders Herstellern mit einem hohen Anteil solcher Modelle zugutekommen würde, so die Quellen.
Mit zehn von derzeit 17 Modellen unter 1.000 kg würde Maruti am meisten profitieren.
Auch andere Hersteller wie Hyundai Motor, JSW MG Motor, Renault und Toyota Motor haben mindestens ein Kleinstwagenmodell im Angebot.
Das indische Ministerium für Schwerindustrie reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Maruti antwortete ebenfalls nicht auf eine E-Mail-Anfrage, aber der japanische Mutterkonzern Suzuki Motor erklärte im Nachhaltigkeitsbericht 2024, Kleinstwagen seien nicht nur wegen ihrer geringeren Emissionen umweltfreundlich, sondern auch, weil ihre Herstellung weniger Materialien und Energie erfordere.
In einer nicht-öffentlichen Sitzung am 17. Juni fragte das Ministerium Autohersteller wie Tata Motors, Mahindra & Mahindra und Volkswagen, ob sie bereit seien, Kleinstwagen in der nächsten Runde der Kraftstoffeffizienz-Normen, die ab April 2027 gelten, mehr Spielraum einzuräumen, wie drei Personen berichteten.
Die Unternehmen haben bislang nicht geantwortet, doch jede Bevorzugung würde einen Bruch mit dem bisher erzielten Konsens bedeuten und könnte als unfaire Vorteilsgewährung für Maruti ausgelegt werden, sagten vier Quellen.
Auch Tata, Mahindra, Volkswagen, Hyundai, JSW MG Motor und Toyota reagierten nicht auf Anfragen per E-Mail.
Renaults Indien-Chef Venkatram Mamillapalle erklärte, das Unternehmen sei zuversichtlich, dass der indische Automobilverband „die kollektive Stimme der Branche vertreten wird ... zum Wohle aller Beteiligten“.
Vier mit dem Vorgang vertraute Personen betonten, dass die Anwendung unterschiedlicher Normen je nach Gewicht oder Größe eines Fahrzeugs bislang in den monatelangen Beratungen zwischen Regierung und Autoherstellern nicht zur Sprache gekommen sei.


















