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SAP IM FOKUS: Die Zeit nach 'Bill' - Wie schnell setzen die neuen Chefs Akzente?

08.11.2019 | 16:20

WALLDORF (dpa-AFX) - Europas größter Softwarehersteller SAP steht vor einer Weichenstellung. Die neuen Chefs müssen dem Konzern schnell ihren Stempel aufdrücken, denn die Messlatte für die kommenden Jahre hat der abgetretene US-Amerikaner Bill McDermott gelegt. Am kommenden Dienstag (12. November) will das Vorstandsduo Analysten und Investoren erklären, wie der Kurs der kommenden fünf Jahre aussieht. Was im Unternehmen los ist, was Analysten sagen und wie die Aktie zuletzt lief.

WAS IM UNTERNEHMEN LOS IST:

Die Walldorfer wollen in den kommenden Jahren die Früchte der milliardenschweren Investitionen in das Geschäft mit Cloudsoftware ernten. Auch die eigene Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung läuft in der neuen Version S4 Hana wahlweise über das Internet in Rechenzentren und wird im Abonnentenmodell bezahlt. Zusätzlich gab McDermott viel Geld für Zukäufe aus, zuletzt 2,4 Milliarden Dollar für den Vertriebsspezialisten Callidus und 8 Milliarden Dollar für den Marktdatensammler Qualtrics. Auch der Reisekostenabrechner Concur kostete 2014 rund 8 Milliarden Dollar.

Lange bremste das schnelle Wachstum der noch nicht so lukrativen Cloudgeschäfte die Profitabilität aus, zudem fehlten die hohen Einmalzahlungen für Lizenzsoftware. Früher rühmte sich SAP mit Margen von über 30 Prozent des Betriebsgewinns (Ebit). Zum letzten Mal in einem Gesamtjahr hatte SAP die Marke 2016 knapp erreicht. Erzrivale Oracle lag auch zuletzt noch komfortabel über dem Wert.

Zwar sind die Geschäfte von SAP nicht eins zu eins mit Oracle vergleichbar, dennoch soll Schluss sein mit dem Margenschwund. McDermott gab vor, dass die Kennzahl in den kommenden fünf Jahren um insgesamt fünf Prozentpunkte klettern soll. Umsetzen müssen das nun die beiden neuen Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein. Sie wollen den Investoren am Dienstag auf einem Kapitalmarkttag vorstellen, wie das vonstatten gehen soll.

Klar ist, dass vor allem die Cloudsoftware nun zeigen muss, dass sie so profitabel sein kann wie das angestammte Lizenzgeschäft. Dabei sitzt dem Konzern der Cloudprimus Salesforce aus den USA im Nacken, der die Deutschen auch beim Gesamtumsatz überflügeln will. SAP will dagegen halten und sieht seine Vorteile vor allem in einem runden Angebot für die Kunden.

Interessiert zusehen dürfte beim anstehenden Kapitalmarkttag wohl auch der umtriebige US-Investor Paul Singer, der im April eine Beteiligung an SAP in Höhe von 1,2 Milliarden Euro bekanntgab. In den Führungsetagen ist der Amerikaner mit seinem Hedgefonds Elliott nicht gern gesehen, weil er sich lautstark in die strategischen Belange der Unternehmen einmischt, um den Wert seiner in aller Regel recht geringen Beteiligungen in die Höhe zu treiben. Es wird sich zeigen müssen, ob Elliott nicht doch mehr Unruhe stiftet, als den Walldorfern lieb ist.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Die bereits angekündigten höheren Ausschüttungen über Sonderdividenden oder Aktienrückkäufe im kommenden Jahr würden die Anleger wohl nicht mehr als besonders positive Überraschung werten, schreibt JPMorgan-Analystin Stacy Pollard. Das SAP-Management hatte einen solchen Schritt bereits im April in Aussicht gestellt. Der Betrag von bis zu 1,5 Milliarden Euro dürfte aber Anklang finden, so die Expertin. Auf dem Kapitalmarkttag könnte das Unternehmen aber ein mehrjähriges Programm vorstellen, mit dem Anleger zusätzlich Geld von der Firma erhalten würden.

Auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs glaubt, dass SAP dank des von ihm erwarteten Wachstums beim Mittelzufluss Raum für höhere Ausschüttungen in der mittleren Frist hat. Er bezieht für die Jahre 2021 bis 2023 jeweils 2 Milliarden Euro an Sonderausschüttungen in seine Berechnungen ein. Selbst dann sei SAP noch gering verschuldet und habe finanziellen Spielraum, schreibt er. Zudem rechnet der Experte auf der Veranstaltung mit mehr Klarheit zur Entwicklung der Margen.

UBS-Experte Michael Briest könnte sich vorstellen, dass SAP Aktienrückkäufe zwar jährlich neu ankündigt, aber den Investoren immerhin etwas Orientierung dazu geben will.

Bei den im dpa-AFX-Analyser erfassten Analysten zeigt sich eine generell sehr positive Haltung zur Aktie. 16 von 23 Experten raten zum Kauf, 7 zum Halten und keiner zum Verkauf der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei gut 128 Euro. Aktuell liegt der Kurs bei rund 122 Euro.

SO LIEF DIE AKTIE ZULETZT:

SAP hat in den vergangenen Jahren unter McDermott auch durch milliardenschwere Übernahmen von Cloudsoftware-Firmen deutlich an Börsenwert gewonnen und ist mit knapp 151 Milliarden Euro der mit Abstand wertvollste Dax-Konzern. Zum Amtsantritt des Amerikaners als Co-Chef mit Jim Hagemann Snabe 2010 war SAP gerade einmal gut 40 Milliarden wert. Als McDermott das Ruder 2014 alleine übernahm, waren die Walldorfer an der Börse gut 70 Milliarden Euro schwer.

Doch ist der Weg in diese Sphären mitunter steinig gewesen, so zum Beispiel auch in diesem Jahr. Im April legte die Aktie in einem Knalleffekt an einem Tag um 12,5 Prozent zu, als sich McDermott endlich dazu hinreißen ließ, eine klare Marschroute für die operative Marge zu verkünden - und sich als Konzern auch darauf zu verpflichten. Für einen Dax-Konzern, zumal den gewichtigsten, ist das ein sehr deutlicher Kurssprung.

Als das Unternehmen im Juli mit den Zahlen zum zweiten Quartal enttäuschte, ging es um 5,6 Prozent runter, und auch in der Folge schien sich der Kurs eher wieder den 100 Euro anzunähern. Doch als McDermott mit einem starken dritten Quartal abtrat, machte das Papier wieder einen Satz um 10,2 Prozent nach oben.

Auch in den Vorjahren war die Schwankungsbreite des Aktienkurses teils recht hoch. Zum Jahreswechsel war das Papier etwa weniger als 90 Euro wert. Auf mittlere Sicht aber haben die Aktionäre gute Gewinne einstreichen können. Wer im Hoch der Dotcom-Blase im März 2000 bei über 70 Euro zugegriffen hat, musste jedoch länger warten, bis das Niveau wieder erreicht war - bis ins Jahr 2015 nämlich./men/eas/fba


© dpa-AFX 2019
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