Berlin (Reuters) - ProSiebenSat.1 muss dem schwächelnden Werbegeschäft Tribut zollen und erreicht deshalb seine bisherigen Umsatzziele für 2023 wohl nicht mehr.

Dennoch konnte der Fernsehkonzern im Sommer den operativen Gewinn erstmals seit 2021 wieder zum Vorjahres-Quartal steigern, wie das Unternehmen am Dienstag erklärte. So kletterte das bereinigte Ebitda um 1,7 Prozent auf 110 Millionen Euro. "Wir sehen die ersten Zeichen, dass sich der klare Fokus auf unsere strategisch wichtigen Geschäftsfelder auszahlt", sagte Finanzchef Martin Mildner. Im für die TV-Branche besonders wichtigen Schlussquartal 2023 rechnet er bei Umsatz und Gewinn mit leichten Anstiegen. Dies sehen Investoren positiv: Die im MDax notierte Aktie von ProSiebenSat.1 lag im frühen Handel rund 13 Prozent im Plus.

"Es kam kein Schock mehr", kommentierte ein Händler den Kurssprung. Die Aktie sei zuvor katastrophal gelaufen, so dass Anleger nun Short-Positionen auflösten, um Gewinne mitzunehmen. Aktionäre der Senderkette um ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 haben trübe Zeiten hinter sich. Die Papiere hatten allein in den vergangenen drei Monaten rund 40 Prozent an Wert verloren. Das bayerische Unternehmen musste sich nicht nur gegen die Konjunkturflaute und die damit verbundene Schwäche am Werbemarkt stemmen. Der seit einem Jahr amtierende Konzernchef Bert Habets musste sich mit den Großaktionären MFE von der italienischen Berlusconi-Familie und der tschechischen PPF-Gruppe arrangieren. Der frühere RTL-Chef Habets kappte die Dividende für mehr Investitionen, verpasste dem Unternehmen ein Sparprogramm und baute rund 400 Vollzeitstellen ab. Der Fokus liegt nun klar auf Unterhaltung und der Streamingplattform Joyn als Hoffnungsträger.

Das Sparpaket habe man Ende Oktober erfolgreich abgeschlossen, sagte Habets. "Die Einspareffekte aus unserem Effizienzprogramm werden wir im vierten Quartal beziehungsweise ab dem Jahr 2024 vollumfänglich realisieren." Das Senken von Personal- und Sachkosten dürfte sich dieses Jahr mit einen geringen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag niederschlagen. Der volle Kosteneffekt werde sich 2024 auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen. Zugleich gab es bis Ende des dritten Quartals wegen des Jobabbaus Restrukturierungskosten von 70 Millionen Euro.

Die schwache Konjunktur schreckt derzeit Werbekunden der TV-Branche ab. Zuletzt musste deshalb der Konkurrent RTL seine Prognose für 2023 das zweite Mal in diesem Jahr senken. Auch ProSiebenSat.1 geht nun von weniger Umsatz aus. Für das Gesamtjahr dürften die Erlöse leicht unter der erwarteten Spanne von 3,95 bis 4,25 Milliarden Euro liegen, erklärte der Konzern. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) dürfte am unteren Ende der prognostizierte Bandbreite von rund 600 Millionen Euro (plus/minus 50 Millionen Euro) liegen. Der Umsatz sank im dritten Quartal um fast drei Prozent auf 888 Millionen Euro - das Unternehmen sprach von einer Stabilisierung. In den ersten neun Monaten fielen die Erlöse jedoch um gut elf Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro, während das bereinigte Ebitda um über 35 Prozent auf 243 Millionen Euro einbrach.

(Bericht von Klaus Lauer; Mitarbeit von Stefanie Geiger, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)