Brasilien verfügt über logistische und kommerzielle Flexibilität, um die Wettbewerbsfähigkeit seines Öls auf dem internationalen Markt zu erhalten, falls der von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch angekündigte Zollsatz von 50% am 1. August in Kraft tritt. Das sagten Experten gegenüber Reuters.

Öl ist das wichtigste Exportprodukt Brasiliens in die USA und war bislang von dem in diesem Jahr eingeführten 10%-Zoll auf brasilianische Exporte ausgenommen. Es ist jedoch unklar, ob dies auch bei den neuen 50%-Zöllen der Fall bleiben wird.

"Diese Zölle könnten kurzfristig zu Unruhe in den Handelsströmen führen und die Margen bei Spot-Kontrakten beeinträchtigen, stellen jedoch kein strukturelles Risiko dar", erklärten die BTG Pactual-Analysten Luiz Carvalho und Gustavo Cunha in einem Bericht an Kunden.

Das brasilianische Erdölinstitut (IBP), das den staatlichen Ölkonzern Petrobras sowie große in Brasilien tätige Ölgesellschaften wie Shell, TotalEnergies und Equinor vertritt, zeigte sich am Donnerstag in einer Stellungnahme "besorgt" über Trumps Maßnahme und forderte die brasilianische Regierung zu diplomatischem Handeln auf.

Das IBP hatte keine Informationen darüber, ob die bisherige Zollbefreiung für Öl nach der Ankündigung weiterhin gelten wird.

Im Jahr 2024 exportierte Brasilien insgesamt 1,78 Millionen Barrel pro Tag (bpd), davon gingen 243.000 bpd in die USA, wie aus Regierungsdaten hervorgeht, die von der Beratungsfirma StoneX zusammengestellt wurden.

Petrobras, Brasiliens wichtigster Produzent, wird laut den BTG-Analysten von den Zöllen nicht wesentlich betroffen sein. Im ersten Quartal des Jahres gingen laut Unternehmensangaben nur 4% der Exporte in die USA.

Bei Ölprodukten lag der Anteil der Petrobras-Exporte in die USA bei 37% von insgesamt 209.000 bpd, das entspricht etwa 77.000 bpd.

"Obwohl die USA einen erheblichen Anteil an den Exporten von Derivaten haben, glauben wir, dass es sich in absoluten Zahlen um ein geringes Volumen handelt und dass Petrobras diesen Exportfluss problemlos in ein anderes Land umleiten kann", so die Analysten von BTG.

In einer Erklärung teilte Petrobras mit, dass das Unternehmen die Auswirkungen der am Vortag angekündigten Zölle prüfe und weiterhin die Strategie verfolge, "in jedem Szenario stets die beste Alternative für das Unternehmen zu suchen".

Am Donnerstag notierten die Vorzugsaktien von Petrobras nahezu unverändert.