Vevey (awp) - Nestlé hat seine Aktionäre und die Analysten für einmal negativ überrascht: Die hohe Inflation, Probleme im Gesundheitsgeschäft und der starke Schweizer Franken liessen das Unternehmen schlechter abschneiden als erwartet. Nun will der Konzern zurück auf den Erfolgspfad kehren.

Nestlé konnte 2023 nicht das Erwartete liefern. Umsatz, Betriebsgewinn und EBIT-Marge fielen tiefer aus als im Vorfeld angenommen. Und obwohl die Firma im letzten Quartal nach fünf rückläufigen Quartalen wie angekündigt die Verkaufsmengen wieder steigerte, ging das Verkaufsvolumen - das sogenannte RIG - im Gesamtjahr um 0,3 Prozent zurück. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Minus von 0,1 Prozent gerechnet.

Schwäche sind sich die Marktteilnehmer vom erfolgsverwöhnten Konzern nicht gewöhnt. Entsprechend enttäuscht zeigten sie sich denn auch in ihren Kommentaren. Von einem "Jahr zum Vergessen" war da die Rede, und von einer "besorgniserregenden" Entwicklung. Auch die Dividendenerhöhung um 5 Rappen auf 3,00 Franken je Aktie vermochte darüber nicht hinwegzutrösten.

Der Aktienkurs des weltgrössten Lebensmittelherstellers gab am Donnerstag um 4,9 Prozent nach auf 94,24 Franken. Damit standen die Papiere so tief wie zuletzt beim Beginn der Pandemie und zogen aufgrund ihres Gewichts im SMI den Leitindex ins Minus.

Probleme mit Gesundheits- und Wassersparte

Firmenchef Mark Schneider betonte an der virtuellen Medienkonferenz, dass sich die Lebensmittelbranche in den letzten beiden Jahren in einer "historischen Inflationswelle" befunden habe. Dies habe die Nachfrage gedämpft. Ausserdem drückte der starke Schweizer Franken den Umsatz um 7,8 Prozent.

Aber Nestlé hatte auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. So beeinträchtigte etwa ein IT-Problem in der Gesundheitssparte Nestlé Health Science (NHSc) die Lieferketten. In der Folge verkaufte der Konzern dort 3,2 Prozent weniger Ware, obwohl die Sparte ein erklärter Wachstumspfeiler ist.

Auch die Verkaufsmenge von Wasser ging um ganze 5,1 Prozent zurück. Hier gab es unter anderem Kapazitätsengpässe bei der Marke Perrier. Nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen wegen des Gebrauchs von nicht regelkonformen Wasserreinigungspraktiken in Frankreich und der Schweiz im Visier der Behörden geraten ist, will Nestlé nun zudem auch die anderen Standorte überprüfen.

Premiumisierung schreitet voran

Mit dem Konzernumbau - Nestlé trennt sich bekanntlich von wenig profitablen Geschäftsfeldern und fokussiert vermehrt auf Premium - geht es jedoch voran. Die lukrativen Premium-Produkte machten inzwischen 36 Prozent des Umsatzes aus. Vor zehn Jahren waren es erst 11 Prozent gewesen.

Gerade auch im Bereich Tierfutter zeigt sich das: Diese Sparte, mit der Nestlé inzwischen jeden fünften Franken generiert, legte insbesondere dank der Marke "Purina Pro Plan" zu, unter der Nestlé sein von Tierärzten und Ernährungswissenschaftlern entwickeltes Hunde- und Katzenfutter vertreibt.

So war Tierfutter erneut der absolute Kassenschlager und legte volumenmässig um 2,8 Prozent zu. Zusammen mit Preiserhöhungen von 12,1 Prozent ergab sich damit ein organisches Wachstum von 12,1 Prozent - deutlich höher als bei allen anderen Sparten.

Der Umsatzanteil der drei stärksten Bereiche Tierfutter, Kaffee und Ernährung (diese Kategorie umfasst bspw. Nahrungsergänzungsmittel etc.) macht inzwischen 63 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die Analysten der ZKB rechnen damit, dass der Portfolioumbau weitergehen dürfte, was vom Markt "etwas unterschätzt" werde. Für die Mittelfristziele sei Nestlé jedenfalls auf Kurs.

Für die mittelfristigen Ziele (bis 2025) peilt Nestlé weiterhin ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie eine bereinigte operative Marge zwischen 17,5 und 18,5 Prozent an. Für das laufende Jahr hat sich Nestlé ein organisches Wachstum von "um 4 Prozent" und einen "leichten Anstieg" der operativen Marge vorgenommen.

tv/tt