Zürich (awp) - Die Nestlé-Aktien gehen nach enttäuschenden Zahlen für das Gesamtjahr und vierte Quartal auf Tauchstation. Sowohl mit dem Volumenwachstum zum Jahresende als auch mit dem Ausblick für das laufende Jahr enttäuscht der Nahrungsmittelriese.

Mit einem Kursminus von knapp 5 Prozent auf 94,22 Franken gegen 9.30 Uhr bilden die Nestlé-Aktien am Donnerstag das klare Schlusslicht im Leitindex SMI, der aufgrund der Kursverluste des Schwergewichts 0,25 Prozent im Minus steht. Das bisherige Tagestief bei 94,14 ist gleichzeitig auch ein neues Jahres- bzw. 52-Wochentief.

Die meisten Analysten finden vor allem ein Wort für die Nestlé-Zahlen: Enttäuschend. "Ein Jahr zum Vergessen", beschreibt es etwa Vontobel. Vor allem beim Mengenwachstum RIG hatten sich Analysten im vierten Quartal mehr erhofft. Dieses ist zwar erstmals seit fünf Quartalen wieder positiv, mit 0,4 Prozent allerdings einigermassen knapp.

Grund dafür sind unter anderem IT-Probleme in der Gesundheitssparte Nestlé Health Science, die zu Lieferengpässen führten. Nestlé hatte ursprünglich angekündigt, diese sollten gegen Jahresende behoben sein - nun dürfte die Besserung aber erst im zweiten Quartal 2024 eintreten.

Analysten sehen darin ein mögliches Warnsignal, zumal Nestlé derzeit auch wegen illegaler Behandlung von Mineralwasser in Frankreich in der Kritik steht. Dazu kündigte Nestlé nun an, die Wasseraktivitäten in weiteren Ländern einer regulatorischen Überprüfung zu unterziehen. Dies könnte Bedenken bezüglich interner Kontrollen auslösen, kommentiert Jefferies.

Auch der Ausblick für das kommende Jahr wird von den Branchenexperten als "unterwältigend" eingeschätzt. Nestlé brauche länger für die Margenerholung als erhofft. Nestlé rechnet mit einem Wachstum von um die 4 Prozent und einer moderaten Margenverbesserung. Einige Analysten werden wohl ihre Schätzungen nach unten revidieren.

Insgesamt brächten die Zahlen nicht den erhofften Befreiungsschlag für Nestlé-Chef Mark Schneider, der dieses Jahr ungewohnt stark in der Kritik stehe, schreibt Baader Helvea. Und Vontobel erwartet nun Massnahmen, um den Konzern wieder zu beleben.

Allerdings gibt es auch Analysten, die den Zahlen etwas Gutes abgewinnen können: So lobt die ZKB die - wenn auch erwartete - Bruttomargenverbesserung und die Bestätigung der mittelfristigen Ziele für 2025. Nestlé sei grundsätzlich auf Kurs, nachhaltig ein organisches Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent zu erzielen und bis 2025 die bereinigte EBIT-Marge auf 17,5 bis 18,5 Prozent zu verbessern.

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