Finanziell war die Operation für das britische Schatzamt ein Verlustgeschäft. Selbst unter Einbeziehung der Erlöse aus Aktienverkäufen, der vereinnahmten Dividenden und der kassierten Gebühren bleibt ein Minus von nicht weniger als 10,5 Milliarden Pfund. Ganz anders sieht es im Vergleich beim Rettungseinsatz für Lloyd’s aus, der sich für den Steuerzahler zumindest marginal als gewinnbringend erwies.
Der mühsame Turnaround von NatWest in seiner härtesten Phase zog sich über mindestens acht Jahre, von 2008 bis 2016. In diesem Zeitraum mussten die Aktionäre kumulierte Verluste in Höhe von 64 Milliarden Pfund verkraften. Die Übernahme der niederländischen ABN Amro im Jahr 2007 hatte die damalige RBS schwer belastet – sie brauchte Jahre, um toxische Vermögenswerte abzubauen und ihr Geschäft wieder auf das Vereinigte Königreich zu fokussieren.
Heute präsentiert sich NatWest mit einem deutlich veränderten Profil. Seit 2008 wurden die Vermögenswerte auf weniger als ein Drittel reduziert, während die Einlagen lediglich um rund 40 % zurückgingen. Die Kapitalausstattung zählt mittlerweile zu den besten in Europa, ebenso wie die Eigenkapitalrendite. Auch der Anteil notleidender Kredite liegt unter dem Niveau vergleichbarer Institute wie BNP Paribas oder UniCredit.
Von der lange erwarteten Zinswende profitiert NatWest weiterhin deutlich – in diesem Jahr dürfte der Nettogewinn erstmals seit 2007 wieder über fünf Milliarden Pfund liegen. Anders als damals speisen sich die Gewinne jedoch nicht aus volatilen Trading-Geschäften, sondern aus dem klassischen Kreditgeschäft.
Nach Jahren in der Börsennische ist NatWest mittlerweile wieder mit Bewertungskennzahlen ausgestattet, die im Einklang mit denen anderer europäischer Großbanken stehen – sei es beim Kurs-Gewinn-Verhältnis, dem Kurs-Buchwert-Verhältnis oder der Dividendenrendite. Anders als viele andere Sektoren der Londoner Börse erfreuen sich Banken zudem weiterhin großer Beliebtheit bei institutionellen Großanlegern – eine Liquidität, die dem gesamten Sektor zu neuem Glanz verhilft.
Davon profitiert seit nunmehr achtzehn Monaten der gesamte europäische Bankensektor. Siehe hierzu auch Europäische Banken: Belohnung für ihre Aktionäre, vor einigen Monaten in unseren Spalten erschienen.


















