MFE-MediaForEurope, der von der italienischen Familie Berlusconi kontrollierte TV-Konzern, könnte sein Angebot für den deutschen Konkurrenten ProSiebenSat.1 erhöhen, um auf das Gegenangebot der tschechischen Investmentgruppe PPF zu reagieren. Das sagte der Chef des Medienunternehmens.

Bei einer Veranstaltung am späten Dienstagabend in der Konzernzentrale nahe Mailand erklärte CEO Pier Silvio Berlusconi, dass sein Unternehmen offen für Gespräche mit PPF sei. PPF ist nach MFE der zweitgrößte Investor bei ProSieben. Die Gespräche könnten stattfinden, sobald die jeweiligen Angebote abgeschlossen sind.

,,Alles ist möglich, wir werden sehen", sagte Berlusconi, Sohn des verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten, auf die Frage nach einer möglichen Erhöhung des fast 1 Milliarde Euro schweren Bar- und Aktientauschangebots, das MFE im April zum gesetzlich zulässigen Mindestpreis vorgelegt hatte.

Dieser Schritt löste ein reines Barangebot von ProSiebens zweitgrößtem Investor PPF aus, der private Fernsehsender in sechs osteuropäischen Ländern betreibt.

Der tschechische Mischkonzern bot an, ProSieben-Aktien zu einem Preis von 7 Euro pro Aktie zu kaufen - das entspricht einem Aufschlag von 21 % gegenüber dem von MFE implizierten Angebotspreis. Ziel ist es, den Anteil auf bis zu 29,99 % zu erhöhen - knapp unter der Schwelle, die eine Pflichtübernahme auslösen würde.

MFE versucht, seinen Einfluss auf den deutschen Wettbewerber ProSieben zu stärken, um einen gesamteuropäischen, werbefinanzierten TV-Konzern aufzubauen.

Beide Angebote - von MFE und PPF - enden am 13. August.

,,Bis dahin wird es ein Schachspiel sein ... Technisch gesehen dürfen wir derzeit nicht mit PPF sprechen, und das tun wir auch nicht. Aber danach hätten wir nichts dagegen, einen starken Partner mit Erfahrung im Mediensektor an unserer Seite zu haben", sagte Berlusconi.

Am Rande derselben Veranstaltung sagte MFE-Finanzchef Marco Giordani, dass eine mögliche Erhöhung des MFE-Angebots vermutlich nach dem 31. Juli erfolgen würde - dann legt ProSieben die Halbjahreszahlen vor.

,,Wir haben noch keine Entscheidung getroffen. Aber (falls wir unser Angebot erhöhen), werden wir nichts Verrücktes tun", sagte er mit Blick auf die mögliche Höhe einer Aufstockung.

Eine weitere Option für MFE wäre, nach Ablauf des aktuellen Übernahmeangebots ProSieben-Aktien direkt am Markt zu kaufen.

Traditionelle Fernsehanbieter leiden unter dem wachsenden Druck von US-Streaming-Giganten wie Netflix und Amazon Prime Video, die zunehmend Werbeeinnahmen und Zuschauer für sich gewinnen.

Im Wettbewerb mit den US-Schwergewichten kündigte der europäische TV-Konzern RTL, der in Deutschland große Fernsehsender betreibt, im vergangenen Monat eine Vereinbarung zum Kauf der deutschen Aktivitäten des Pay-TV-Anbieters Sky an.

ProSieben selbst bemüht sich weiterhin um seine Unabhängigkeit und hat das Angebot von MFE bislang zurückgewiesen.