(neu: Aussagen aus der Konferenz, mehr Details zum Stellenabbau, Kurs aktualisiert, Analysten)

DARMSTADT (dpa-AFX) - Anhaltend schwache Geschäfte mit Laborbedarf und Halbleitermaterialien belasten weiter den Darmstädter Merck-Konzern. Einzig das Pharmageschäft lief im dritten Quartal erneut stark. Das Management um Vorstandschefin Belen Garijo wird nun mit Blick auf das laufende Jahr noch etwas zurückhaltender. Die schwierige Lage erhöht den Druck auf das Dax-Unternehmen, wo bereits Gespräche über Sparmaßnahmen und einen Stellenabbau in mehreren Bereichen laufen.

Von Juli bis September sank der Umsatz gemessen am Vorjahr um fast elf Prozent auf 5,17 Milliarden Euro, wie Merck am Donnerstag mitteilte. Dabei belasteten Währungseffekte. Weil zugleich im Verkauf der Anteil profitabler Produkte sank, brach das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) um ein Fünftel auf knapp 1,45 Milliarden Euro ein. Unterm Strich sank der Gewinn auf 740 Millionen Euro nach 926 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Analysten hatten allerdings zuvor mit noch schlechteren Resultaten gerechnet. Die Zahlen wurden als "solide" gewertet. Stifel-Analyst Dylan Van Haaften merkte zudem an, die Laborsparte haben offenbar einen Boden gefunden. Denn im Vergleich zum zweiten Quartal habe sich hier die Auftragslage verbessert.

Auch an der Börse wurden die Zahlen mit Freude aufgenommen. Die bereits stark in den Handelstag gestartete Aktie führte am Nachmittag den Dax mit einem Kursplus von fast sechs Prozent auf 156,55 Euro an.

Merck hat wegen der bisher schwierigen Lage gleichwohl schon Konsequenzen gezogen. So sollen bis Jahresende in der Pharmasparte rund 200 Stellen wegfallen. Bis zu 550 weitere Jobs sollen bis Ende 2024 in Zentralfunktionen wie IT, Einkauf, Personal und Recht gestrichen werden. Hier laufen die Gespräche noch. Zudem wurde jüngst eine bis zu 90 Millionen Euro schwere Sparrunde in der Elektroniksparte bekannt, bei der Merck einen Stellenabbau nicht ausschließt. Betriebsbedingte Kündigungen am Hauptsitz sind durch eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2025 ausgeschlossen. Merck beschäftigt rund 64 000 Menschen weltweit.

Das Management schaue auf "alles", um die Kosten in der Elektroniksparte zu optimieren, sagte Finanzchefin Helene von Roeder am Donnerstag vor Journalisten. Der Konzern wolle die Mitarbeiter so wenig wie möglich belasten und suche nach akzeptablen Bedingungen - dies könnten etwa auch interne Wechsel in sein.

Das Geschäft in der überwiegend auf die Halbleiterindustrie ausgerichteten Elektroniksparte schwächelt bei Merck seit längerem, am Markt herrscht Nachfrageflaute. Die für dieses Jahr erhoffte Erholung verzögert sich nach Einschätzung des Managements bis 2024. Roeder berichtete, am Markt zeigten sich immerhin erste Hoffnungsschimmer. Kunden aus der Chip-Industrie bauten in Erwartungen des Aufschwungs neue Fabriken auf. Eindeutige Treiber auch für Merck dürften dabei in Zukunft neue Megatrends wie etwa Künstliche Intelligenz und Datenspeicherung sein.

Auch die in der Pandemie starke Nachfrage von Impfstoffherstellern und -forschern hat sich gedreht: Seit geraumer Zeit ist der Bedarf gerade in der Biotechindustrie mau. Kunden bauen ihre in der Pandemie aufgestockten Lager ab. Das sorgte auch im dritten Quartal in der Laborsparte von Merck für sinkende Erlöse.

Wie Merck weiter mitteilte, wird für die Geschäftseinheit Process Solutions, die sich auf das Geschäft rund um die pharmazeutische Entwicklung und Herstellung konzentriert, ab Mitte des vierten Quartals eine schrittweise Erholung der Auftragslage erwartet. Das sollte sich im Laufe des ersten Halbjahres 2024 positiv auf die Umsatzentwicklung auswirken, hieß es.

Im Medikamentengeschäft profitierte der Konzern zwar von einem guten Lauf bei Krebsarzneien, insgesamt verbuchte aber auch die Pharmasparte bei leicht gesunkenem Umsatz wegen negativer Wechselkurseffekte einen Ergebnisrückgang.

Merck-Chefin Garijo erwartet nun für 2023 ein um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis am unteren Ende der Prognosespanne von 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro. Der Umsatz soll leicht unterhalb des Mittelwerts der Spanne von 20,5 bis 21,9 Milliarden herauskommen. Im vergangenen Jahr hatte Merck 22,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt und ein bereinigtes Betriebsergebnis von 6,85 Milliarden Euro./tav/als/mne/mis