Von Stefanie Haxel

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Pharma- und Technologiekonzern Merck hat im dritten Quartal erneut Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis verbucht. Neben den hohen Lagerbeständen bei Kunden machen dem DAX-Konzern eine gedämpfte Nachfrage in China und eine verzögernde Markterholung bei Halbleitermaterialien und Display-Lösungen zu schaffen. Für 2024 erwartet die Merck KGaA eine Rückkehr zu organischem Umsatzwachstum, wobei das erste Halbjahr noch schleppend verlaufen dürfte.


   Diese Punkte stehen im Fokus: 

PROGNOSE: Im laufenden Jahr rechnet Merck mit einem Rückgang bei Umsatz und operativem Ergebnis und hat die ohnehin verhaltene Prognose im August zudem gesenkt. Nach einem organischen Wachstum von 6,4 Prozent im vergangenen Jahr stellt der Konzern für 2023 eine organische Umsatzentwicklung von lediglich minus 2 bis plus 2 Prozent auf insgesamt 20,5 bis 21,9 Milliarden Euro in Aussicht. Das bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA pre) soll organisch um 9 bis 3 Prozent auf insgesamt 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro sinken. Die Analysten sind allerdings skeptisch, ob die Prognose erreicht werden kann: Sie rechnen im Konsens aktuell mit einem Umsatz und bereinigten operativen Ergebnis unterhalb dieser Prognosen.

AKQUISITIONEN: Die milliardenschwere Übernahme von Versum Materials ist verdaut, und ab diesem Jahr waren größere Zukäufe wieder möglich. Konzernchefin Belen Garijo bekräftigte auf dem Kapitalmarkttag im Oktober, dass M&A weiterhin eine der Hauptprioritäten des Vorstandes sei, und Finanzchefin Helene von Roeder sagte, der Konzern halte nach größeren und kleinen Zukäufen Ausschau. Der Konzern hat sein Budget dafür zuletzt auf insgesamt 15 bis 20 Milliarden Euro beziffert. Investoren achten auf Aussagen zu möglichen Akquisitionsplänen im kommenden Jahr und zum Marktumfeld für M&A in der Branche.

HEALTHCARE: Die Pharmasparte ist die einzige, für die der Konzern in diesem Jahr mit einem Wachstum bei Umsatz und operativem Ergebnis rechnet. Die Spartenprognose hob der Konzern zur Jahresmitte in Erwartung einer stärkeren Geschäftsentwicklung an. Auch die Beendigung der Allianzvereinbarung mit Pfizer, in deren Folge Merck die exklusiven weltweiten Rechte am Krebsmedikament Bavencio zurückerhalten hat, trägt zum Ergebnis bei. Vor einem Jahr hatte der Konzern für die Sparte das Ziel ausgegeben, in den Therapiegebieten Onkologie, Neurologie und Immunologie im Schnitt alle anderthalb Jahre ein neues Produkt auf den Markt zu bringen oder die Freigabe für eine weitere Schlüsselindikation zu bekommen. Mehr als die Hälfte der neuen Arzneien soll dabei entweder aus externen Entwicklungskooperationen oder von einlizenzierten Wirkstoffkandidaten stammen. Analysten und Investoren achten auf Aussagen zur Medikamentenpipline, aber auch zur Neuausrichtung der Arzneimittelforschung. Merck setzt künftig noch stärker auf Kooperationen und verkleinert seine Belegschaft in Forschung und Entwicklung.

Die Merck KGaA, Darmstadt, wird am Donnerstag, 9. November 2023, Zahlen vorlegen. Nachfolgend eine Auswertung der Prognosen von Analysten zum dritten Quartal und Gesamtjahr 2023:


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.                                   PROG  PROG  PROG 
3. QUARTAL                          3Q23  ggVj  Zahl   3Q22 
Umsatz                             5.186  -11%    24  5.806 
EBITDA pre                         1.388  -23%    24  1.811 
EBITDA pre-Marge                    26,8    --    --   31,2 
Ergebnis nach Steuern/Dritten pre*   866  -26%     3  1.166 
Ergebnis nach Steuern/Dritten*       658  -29%     3    923 
Ergebnis je Aktie pre               1,94  -28%    24   2,68 
Ergebnis je Aktie*                  1,54  -27%     4   2,12 
 
 
.                                   PROG  PROG  PROG 
GESAMTJAHR                          Gj23  ggVj  Zahl   Gj22 
Umsatz                            21.084   -5%    24 22.232 
EBITDA pre                         5.898  -14%    24  6.849 
EBITDA pre-Marge                    28,0    --    --   30,8 
Ergebnis nach Steuern/Dritten pre* 3.749  -14%    13  4.371 
Ergebnis nach Steuern/Dritten*     2.851  -14%    12  3.326 
Ergebnis je Aktie pre               8,45  -16%    24  10,05 
Ergebnis je Aktie*                  6,59  -14%    13   7,65 
Dividende je Aktie*                 2,16   -2%    13   2,20 
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ERLÄUTERUNGEN:

- alle Angaben in den Tabellen in Millionen Euro, Ausnahme Ergebnis und Dividende je Aktie in Euro, Marge in Prozent

- Bilanzierung nach IFRS

- Quellen: Angaben des Unternehmens. Prognosen von Vara Research und S&P Global Intelligence*

- ggVj = Veränderung in Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum

- das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr

- alle Angaben ohne Gewähr

Kontakt zur Autorin: stefanie.haxel@wsj.com

DJG/sha/brb

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November 07, 2023 09:00 ET (14:00 GMT)