Die Eigentümer der luxemburgischen Majorel, allen voran der Gütersloher Medienriese Bertelsmann, haben die Gespräche über einen Zusammenschluss mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel abgebrochen, wie Majorel am Montag mitteilte. Offenbar gab es Zwistigkeiten mit dem Eigentümer von Sitel, der französischen Milliardärsfamilie Mulliez: Man habe sich trotz aller Bemühungen um einen Abschluss "angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage nicht auf die Struktur" der rund 8,7 Milliarden Euro schweren Fusion einigen können, teilte Majorel mit. Die Buchprüfung (Due Diligence) sei bereits abgeschlossen gewesen.

Im Juni hatte man sich bereits auf Grundzüge einer Übernahme geeinigt. Sitel-Gründer und -Vorstandschef Laurent Uberti hatte damals von Majorel als dem "perfekten Partner" gesprochen. Uberti sollte auch das neue Unternehmen lenken. Majorel-Chef Thomas Mackenbrock sollte für das Europa-Geschäft zuständig sein. Bertelsmann hatte die Call-Center seiner Tochter Arvato 2018 mit denen des marokkanischen Partners Saham zusammengelegt und unter dem Namen Majorel im Herbst 2021 an die Amsterdamer Börse gebracht. Das Unternehmen kam 2021 mit 75.000 Mitarbeitern auf 1,75 Milliarden Euro Umsatz und ein Ebitda von 316 Millionen Euro.

Eigentümer von Sitel ist die französische Milliardärsfamilie Mulliez, die mit Unternehmen wie der Supermarktkette Auchan und dem Sportartikelhändler Decathlon reich geworden ist. Sie sollte mit 45 Prozent auch größter Aktionär des fusionierten Call-Center-Betreibers werden. Bertelsmann wollte seinen Anteil von 39,5 auf zunächst 17,3 Prozent verwässern lassen.

Für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ist es die zweite Schlappe bei seinen Bemühungen, Tochterfirmen des Medienriesen mit Hilfe von Fusionen schlagkräftiger zu machen. Erst am Freitag war der Zusammenschluss der französischen RTL-Tochter M6 mit dem Konkurrenten TF1 am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert.

(Bericht von Zuzanna Szymanska und Alexander Hübner; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)