FRANKFURT (dpa-AFX) - Der schwindende Optimismus der Barclays Bank hat zum Wochenbeginn ein wenig auf den Aktien der Lufthansa gelastet. Die Titel fielen kurz nach dem Handelsstart um 0,2 Prozent auf 7,36 Euro. Damit weiteten sie ihr Jahresminus auf achteinhalb Prozent aus.

In Folge eines deutliche reduzierten Kursziels riet Barclays-Analyst Andrew Lobbenberg nicht mehr zum Übergewichten im Portfolio, sondern senkte das Votum auf "Equal-weight". Das von 12,50 auf 8,50 Euro reduzierte Kursziel rechtfertige keine Übergewichtung mehr.

Die Beziehungen mit den Arbeitnehmern seien starken Schwankungen ausgesetzt, so der Experte. Das treibe Löhne und Gehälter nach oben und schmälere die Profitabilität. Auch kämen strategische Vorteile der Fluggesellschaft nicht mehr so sehr zum Tragen.

Bei der Lufthansa tobt aktuell ein Arbeitskampf. So müssen Passagiere der Airline sich auf neuerliche Streiks im nächsten Tarifkonflikt einstellen. Die Gewerkschaft Ufo hatte vergangenen Donnerstag die Tarifverhandlungen für rund 18 000 Kabinenbeschäftigte für gescheitert erklärt. Sie rief ihre Mitglieder auf, in einer Urabstimmung ab kommender Woche bis 6. März über Streiks zu entscheiden. Die Lufthansa habe in einem weiteren Spitzengespräch kein ausreichendes Angebot vorgelegt, teilte die Gewerkschaft in Frankfurt mit.

Der Lufthansa steht damit die Eskalation des nächsten Tarifkonflikts bevor. Bei der Airline streikten zuletzt Piloten der Tochter Discover, um einen Erst-Tarifvertrag zu erzwingen. Zudem hatte ein zweiter Warnstreik des Bodenpersonals den Lufthansa-Betrieb nahezu lahmgelegt. Hunderte Flüge fielen aus, mehr als 100 000 Passagiere mussten umplanen. Eine schnelle Einigung mit der Gewerkschaft Verdi ist nicht in Sicht.

Zudem laufen Tarifverhandlungen für die Luftsicherheitskräfte. Bei einem bundesweiten Warnstreik, den Verdi Anfang Februar organisiert hatte, kam es ebenfalls zu Flugausfällen im großen Stil.

Sollte der jüngste Abwärtstrend andauern, würde sich der Kurs weiter dem Vorjahrestief von 6,51 Euro von Anfang November nähern. Damals hatten positiv aufgenommene Geschäftszahlen zum dritten Quartal den Sinkflug der Papiere gestoppt: Ein lukratives Sommergeschäft und die Aussicht auf einen guten Winter hatten geholfen. Auch daher schafften die Papiere 2023 am Ende noch eine positive Jahresbilanz von plus 3,6 Prozent auf 8,05 Euro. Gleichwohl: im März 2023, also vor rund einem Jahr, hatten die Papiere noch mehr als 11 Euro gekostet./mis/bek/tih