Frankfurt/Rom/Brüssel (Reuters) - Die Lufthansa und die italienische Staatsairline ITA Airways könnten drei Insidern zufolge für grünes Licht der EU-Wettbewerbsbehörde zu ihrem Zusammenschluss Start- und Landerechte (Slots) am Flughafen Mailand-Linate abgeben.

Eine zu starke gemeinsame Marktposition der beiden Airlines gebe es auf den Flugstrecken zwischen Mailand und den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt, München, Zürich und Wien. "Da sind Auflagen der EU am wahrscheinlichsten", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Ein zweiter Insider erklärte, es gebe etwa ein halbes Dutzend Routen mit Überschneidungen. An Slots in Mailand hätten konkurrierende Airlines Interesse. Beschränkungen am Flughafen Rom seien unwahrscheinlich, da dort keine dominante Marktposition von Lufthansa und ITA entstehe, erklärten zwei der Insider.

Die EU-Kommission und die Lufthansa wollten sich dazu nicht äußern. ITA war für eine Stellungnahme nicht unmittelbar zu erreichen.

Die Lufthansa will mit 41 Prozent bei der staatlichen, lange Zeit defizitären ITA, die aus der insolventen Alitalia hervorging, einsteigen und sie später möglichst ganz übernehmen. Die EU-Behörde muss dafür Sorge tragen, dass der Wettbewerb durch Fusionen nicht zum Nachteil von Konkurrenten und Verbrauchern zu stark beschränkt wird und zu steigenden Preisen führt. Das kann durch Auflagen gelöst werden, die den Wettbewerb durch Konkurrenten stärken.

Die beiden Airlines stehen schon seit dem Sommer im Austausch mit den EU-Beamten, um die förmliche Fusionsanmeldung auf den Weg zu bringen. Bundeskanzler Olaf Scholz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderten kürzlich eine zügige Zustimmung von der EU-Kommission. Meloni erklärte, der Antrag in Brüssel werde in dieser Woche gestellt. Auch die Gewerkschaften in Italien und Deutschland hatten an die EU appelliert, bald eine Freigabe zu erteilen, damit die Zukunft von ITA gesichert werden könne.

Die Airlines hoffen, dass die EU-Kommission nach den intensiven Vorgesprächen ihre Zustimmung nach der ersten, auf 25 Arbeitstage begrenzten Prüfphase erteilen und auf eine monatelange vertiefte Prüfung verzichtet. Konkurrenten können nach der Anmeldung ihre Sicht der Marktlage darlegen. Die EU-Kommission könnte zudem Verbraucher und andere Marktteilnehmer befragen. Sollten die in der ersten Phase angebotenen Auflagen den Wettbewerb nach Dafürhalten der Behörde nicht absichern, kann sie die Untersuchung auf mindestens 90 weitere Werktage ausdehnen.

(Bericht von Ilona Wissenbach, Angelo Amante, Giuseppe Fonte, Foo Yun Chee; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)