Italiens Leonardo wird eine Beteiligung von 24,55 % am finnischen Cybersecurity-Unternehmen SSH erwerben, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten. Dies ist ein Zeichen für Fortschritte bei der Konsolidierung und Zusammenarbeit in der europäischen Rüstungsindustrie.

Durch die Transaktion wird der italienische Luftfahrt- und Rüstungskonzern zum größten Anteilseigner von SSH. Damit unterstreicht Leonardo die strategische Bedeutung der Cybersicherheit für die vernetzten, multidomainen Kriegssysteme, die das Unternehmen entwickelt.

SSH-Geschäftsführer Rami Raulas erklärte, dass sich die westliche Rüstungsindustrie von nationalem Protektionismus abwende und sich zunehmend international ausrichte. Leonardos Einstieg sei Teil dieses Trends.

Raulas fügte hinzu, dass große Rüstungskonzerne damit begonnen hätten, Joint Ventures zu gründen, um Kosten und Risiken bei Projekten wie dem neuen Kampfjet zu teilen, der derzeit von Großbritanniens BAE Systems, Japans Japan Aircraft Industrial Enhancement und Leonardo entwickelt wird.

"Die geopolitische Lage und Bedenken gegenüber US-Investitionen werden dieses Denken 'Europäer für Europäer' weiter stärken", sagte er gegenüber Reuters und spielte damit auf die Haltung von US-Präsident Donald Trump an, der einen rückläufigen US-Einfluss in der europäischen Verteidigung fordert.

Leonardo, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18 Milliarden Euro (21,2 Milliarden US-Dollar) erzielte, erwartet in den kommenden Jahren ein zweistelliges prozentuales Wachstum im Bereich Cybersicherheit.

"Der digitale und cybersicherheitsrelevante Anteil wird stärker in (Verteidigungs-)Plattformen integriert werden und einen wachsenden Teil des globalen Sicherheitsangebots ausmachen", sagte Leonardos M&A-Chef Giuseppe Panizzardi in einer Telefonkonferenz. Es sei grundlegend für das Unternehmen, die Kerntechnologien der Cybersicherheit selbst zu besitzen.

Die Vereinbarung, die noch unter Vorbehalt steht, sieht vor, dass SSH Aktien im Wert von 20 Millionen Euro an Leonardo ausgibt. Nach Abschluss der Transaktion wird der bisherige Hauptinvestor Accendo Capital einen Anteil von 20,87 % halten.

SSH bietet unter anderem Technologien zur quantensicheren Verschlüsselung an.

Leonardo bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Schritt hin zur Entwicklung eines "Made in Europe"-Zero-Trust-Ökosystems - ein Cybersicherheitsansatz, bei dem grundsätzlich alle Nutzer als potenzielle Risiken betrachtet werden.

($1 = 0,8493 Euro)