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Thyssen-Chefin präsentiert bittere Wahrheiten - Aktie stürzt ab

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21.11.2019 | 14:56
ThyssenKrupp AG annual news conference

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

"Was ich gesehen und gehört habe, hat mich zum Teil ernüchtert. Wir liegen in vielen Bereichen weit hinter unseren Ambitionen zurück", sagte die 56-Jährige am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Es gebe nichts zu beschönigen, die Sanierung sei harte Arbeit. "Das wird dauern und manchmal wird der Prozess schwer auszuhalten sein." Zur bitteren Wahrheit gehöre auch, dass der Nettoverlust im neuen Geschäftsjahr noch einmal deutlich steigen werde. Der bereits unter ihrem Vorgänger angekündigte Abbau von 6000 Stellen könnte noch ausgeweitet werden, um die Kosten wieder in den Griff zu bekommen.

Es war der erste größere Auftritt der Managerin als Chefin des Konzerns. Im Oktober hatte Merz, die vorher Aufsichtsratschefin war, das Ruder vom glücklosen Guido Kerkhoff übernommen. Wie tief Thyssenkrupp in der Krise steckt, zeigten nun die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres 2018/19: Operativ (bereinigtes Ebit) standen nur noch 802 Millionen Euro zu Buche, nach 1,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Nettoverlust summierte sich auf 304 Millionen Euro. Eine Dividende wird es nicht geben.

An der Börse kamen die nüchternen Worte und der schwache Ausblick nicht gut an. Die Thyssen-Aktie, die im September aus dem Dax aussortiert worden war, verlor zeitweise fast zwölf Prozent an Wert. Doch es gab auch Zustimmung für die angekündigten Einschnitte. "Es ist richtig und konsequent, die Dividende zu streichen", sagte Union-Investment-Experte Michael Muders. "Thyssenkrupp muss sich im Interesse der Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Konzerns auf die umfassende und nachhaltige Restrukturierung der Geschäftsbereiche konzentrieren." Die Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Einzelaktionär, erklärte, sie trage angesichts der Lage den Dividendenausfall mit. "Eine Null-Dividende darf sich aber in der Zukunft nicht verfestigen."

"ZÜGIG, SAUBER UND FAKTENBASIERT"

Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag habe der Konzern im laufenden Jahr für Restrukturierungen reserviert, berichtete Merz. "Wir müssen jetzt zügig, sauber und faktenbasiert abarbeiten, was wir uns vorgenommen haben." Auf dem Podium suchte die Konzernchefin immer wieder das Gespräch mit dem neben ihr sitzenden Personalvorstand Oliver Burkhard. Der frühere Chef der IG Metall NRW ist nach dem Personalkarussell der vergangenen Jahre nun der Dienstälteste im Vorstand. Der 47-Jährige ist seit April 2013 dabei. Er spielt eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, den geplanten Abbau von 6000 der weltweit 160.000 Jobs im Einklang mit den Arbeitnehmervertretern umzusetzen.

Dies könnte nun noch schwieriger werden. Denn Merz schließt nicht aus, dass die Zahl sogar übertroffen wird. 2100 der betroffenen Stellen habe man schon konkret im Blick. In der Essener Zentrale werde die Zahl der Mitarbeiter in zwölf Monaten auf rund 430 von knapp 800 sinken.

Die Arbeitnehmervertreter reagierten prompt. "Für uns gilt, was in der mit dem Vorstand vereinbarten Grundlagenvereinbarung steht – und das ist die Zahl von 6000 Arbeitsplätzen", sagte Konzernbetriebsratschef Dirk Sievers der Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorstand könne nicht ständig neue Abbauzahlen aufrufen. "Dass wir als Arbeitnehmervertreter nicht abstreiten, dass restruktuiert werden muss, heißt noch lange nicht, dass hier freies Schießen ist."

ENTSCHEIDUNG ÜBER AUFZUGSSPARTE BIS ZUM FRÜHJAHR

Sievers forderte Investitionen statt eines Überbietungswettbewerbs bei den Job-Abbauzahlen. Die Mittel dafür könnten aus dem Verkauf der lukrativen Aufzugssparte in die Kasse fließen. Die Sparte konnte ihr operatives Ergebnis um fünf Prozent auf 907 Millionen Euro verbessern, während der Gewinn der Stahlsparte auf 31 Millionen Euro von zuletzt 687 Millionen zusammenschmolz. Merz stellte eine Entscheidung über den Börsengang oder Verkauf der Aufzugssparte für das erste Quartal 2020 in Aussicht. Laut Finanzchef Johannes Dietsch gibt es mindestens zwei direkte Konkurrenten unter den Bietern. Nach Reuters-Informationen ist unter anderem der finnische Wettbewerber Kone im Bündnis mit dem Finanzinvestor CVC dabei. Experten schätzen den Wert von Thyssenkrupp Elevator auf zwölf bis 17 Milliarden Euro. Für die neue Chefin Merz ist klar: "Wir werden die Erlöse aus der Elevator-Transaktion nicht zum Stopfen von Löchern nutzen, sondern für die Stärkung der Bilanz und für die Zukunftsfähigkeit der Geschäfte."


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