Gerresheimer ist ein altbekannter Fall für die Analysten von MarketScreener. 2021 war die Aktie kurzzeitig Bestandteil unseres Fonds Europa One. Kurzzeitig deshalb, weil die Performance die Erwartungen nicht erfüllte. Zwei Jahre später kamen wir zum Schluss, dass die Bewertung gefährlich überhitzt war.

Das Transformationsprogramm, mit dem sich das Unternehmen strategisch neu aufstellen und im Premiumsegment positionieren wollte, konnte bis heute nicht überzeugen. Trotz eines deutlichen Anstiegs der Kapitalintensität bleibt das Wachstum hinter den Prognosen zurück – während die Margen unter Druck geraten sind.

So stagniert der Gewinn je Aktie seit fünf Jahren, obwohl der Umsatz im gleichen Zeitraum um ein Drittel gestiegen ist – von 1,5 auf 2 Milliarden Euro. Noch gravierender: Seit vier Jahren reichen die operativen Cashflows nicht mehr aus, um die Investitionen zu decken. Gleichzeitig hat sich die Nettoverschuldung verdoppelt.

Die Geduld der Investoren ist erschöpft. Der Börsenwert des Konzerns hat sich inzwischen halbiert. Bewertungsseitig ist das Unternehmen von einem EV/EBITDA-Multiplikator von zehn auf sieben zurückgefallen – ein Niveau, das deutlich unter dem der Wettbewerber Schott oder Stevanato liegt, die operativ deutlich besser aufgestellt sind.

Diese schwierige Lage ruft zunehmend Private-Equity-Gesellschaften auf den Plan. Bereits Anfang des Jahres erwog ein Konsortium aus KKR, EQT und Warburg Pincus die Übernahme des Unternehmens. KKR ist mittlerweile ausgestiegen, wurde aber durch KPS Capital Partners ersetzt. Im Juni stiegen zudem zwei aktivistische Fonds beim Unternehmen ein.

Die Halbjahreszahlen für das laufende Geschäftsjahr zeigen noch keine Wende. Das Management gibt sich jedoch zuversichtlich: Das Investitionsprogramm nähere sich seinem Abschluss, der freie Cashflow werde ab dem kommenden Jahr wieder positiv, und ein möglicher Spin-off der Sparte für Pressglasverpackungen werde geprüft.

Für antizyklisch orientierte Anleger könnte das Interesse zahlreicher Investmentfonds ein gewisses Maß an Absicherung bieten.