Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC wird am Freitag neue Regeln verabschieden, die die Transparenz von Leerverkäufen erhöhen werden. Diese umstrittene Praxis, gegen Aktien zu wetten, wurde im Zusammenhang mit der GameStop-Saga erneut unter die Lupe genommen.

Die Regeln sehen vor, dass Investoren ihre Leerverkaufspositionen an die Behörde melden müssen und dass Unternehmen, die Aktien verleihen, diese Aktivitäten an die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) melden müssen, eine Selbstregulierungsbehörde, die Makler kontrolliert.

Die fünf Kommissare der SEC werden am Freitagmorgen über die Regeln abstimmen, die erstmals Ende 2021 und Anfang 2022 vorgeschlagen worden waren.

Bei Leerverkäufen wird eine Aktie geliehen, um sie in der Erwartung eines fallenden Kurses zu verkaufen, die Aktien zurückzukaufen und die Differenz einzustecken. Sollte der Preis steigen, kann der Verkäufer potenziell unbegrenzte Verluste erleiden.

Diese Praxis ist seit langem umstritten. Kritiker werfen Leerverkäufern vor, sie würden versuchen, Unternehmen zu schaden, während Leerverkäufer argumentieren, dass sie dazu beitragen, Betrug und Fehlverhalten von Unternehmen aufzudecken.

Im Jahr 2021 geriet die Praxis jedoch ins Visier des Kongresses, als Privatanleger den Kurs der Aktien des Einzelhändlers GameStop in die Höhe trieben und Hedgefonds, die Leerverkäufe getätigt hatten, schwere Verluste erlitten. Der Vorsitzende der SEC, Gary Gensler, sagte den Gesetzgebern, er werde die Transparenz des Marktes erhöhen.

Seit mindestens 2021 untersuchen das Justizministerium und die SEC auch mögliche Manipulationen durch Leerverkäufer und Hedgefonds im Zusammenhang mit der Veröffentlichung negativer Research-Berichte.

Beamte der SEC sagten, die neuen Regeln würden ihre Bemühungen zur Überwachung dieser Praxis unterstützen.

Konkret müssten institutionelle Anleger der SEC monatlich ihre Brutto-Leerverkaufspositionen und bestimmte Netto-Leerverkaufsaktivitäten für einzelne Abschlusstermine melden. Die SEC würde dann die aggregierten aktienspezifischen Daten mit Verzögerung veröffentlichen.

Unternehmen und andere Intermediäre, die Aktien leihen, sowie bestimmte Broker-Dealer, die Aktien leihen, müssten der FINRA Informationen über die Leihgeschäfte melden, z.B. den Namen und das Volumen der Aktie, die Sicherheiten, das Leihdatum und das Kündigungsdatum.

FINRA würde dann die meisten dieser Daten in anonymisierter Form am nächsten Tag veröffentlichen. Als Zugeständnis an die Branche sieht die endgültige Regelung vor, dass FINRA die Veröffentlichung der Darlehensbeträge um 20 Geschäftstage verzögert. (Berichterstattung durch Douglas Gillison; Bearbeitung durch Michelle Price und Chizu Nomiyama)