Die italienische Steuerpolizei hat 43,5 Millionen Euro (51 Millionen Dollar) bei der italienischen Tochter des deutschen Logistikkonzerns Rhenus beschlagnahmt. Dies geschieht im Rahmen von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs und illegaler Arbeitspraktiken, wie aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft vom Dienstag hervorgeht.
Die Staatsanwaltschaft in Mailand hat eine Reihe formeller Ermittlungen gegen italienische Logistik- und Lieferunternehmen eingeleitet. Im Fokus stehen dabei die lokalen Einheiten großer Unternehmen wie FedEx, Amazon, GLS und DHL.
Im jüngsten Fall wird Rhenus Logistics Spa vorgeworfen, falsche Rechnungen ausgestellt und Arbeits- sowie Steuergesetze umgangen zu haben, um Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge zu vermeiden. Dies geht aus einem 199-seitigen Dekret hervor, das Reuters einsehen konnte.
Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von 2019 bis 2024. Die Staatsanwaltschaft hat bislang keine Anklage beantragt.
Rhenus Logistics Spa reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters um Stellungnahme.
Rhenus Logistics Spa ist Teil der Rhenus Group, einem der führenden Logistikdienstleister Europas mit einem Jahresumsatz von 8,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt 41.000 Mitarbeitende an 1.330 Standorten weltweit.
Die Staatsanwaltschaft wirft Rhenus Logistics Spa vor, über Mittelsmänner „Schein-Beschaffungsverträge für Dienstleistungen“ mit Genossenschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung abgeschlossen zu haben, die billige Arbeitskräfte bereitstellten, und daraufhin falsche Steuererklärungen eingereicht zu haben.
Dieses Geschäftsmodell, so die Staatsanwälte, werde in der Branche in Italien seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, praktiziert und „begünstigt die Ausbeutung von Arbeitskräften und führt zu unlauterem Wettbewerb“.
Italienische Behörden haben in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend Liefer- und Logistikunternehmen wegen ihrer Arbeitspraktiken unter die Lupe genommen. Seit 2021 wurden Beschlagnahmungen im Gesamtwert von mehr als 650 Millionen Euro angeordnet, einschließlich der aktuellen Konfiszierungen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mailand mussten auf Grundlage von Daten des Nationalen Sozialversicherungsinstituts über 30 Unternehmen, die in die Ermittlungen verwickelt sind, in den vergangenen vier Jahren die Beschäftigung von mehr als 49.000 Arbeitskräften regulieren.
Die Erneuerung des nationalen Tarifvertrags für die Logistikbranche, die im vergangenen Dezember unterzeichnet wurde, enthält neue Regeln zur Bekämpfung illegaler Praktiken.
Allerdings, so die Staatsanwälte in ihrem Dekret, würden „ohne grundlegende Änderungen der Geschäftspolitik der Hauptakteure der Branche die neuen Regeln voraussichtlich effektiv missachtet werden“.
($1 = 0,8528 Euro)



















