Die Transaktion erfolgt auf Basis einer Unternehmensbewertung von 2,9 Milliarden Pfund, entsprechend 180 Pence pro Aktie. Für viele Anleger ist das ein ernüchternder Ausstieg: Zur Erinnerung – kurz nach dem Börsengang hatte die Deliveroo-Aktie an der Londoner Börse noch ein Hoch von 3,90 Pfund erreicht.
Andere Beobachter dürften versöhnlicher urteilen. Im gnadenlosen Markt der Essenslieferdienste galt Deliveroo bei MarketScreener stets als einer der Favoriten – siehe dazu unsere Analyse "Deliveroo plc: Strategiewechsel in Sicht".
Denn im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern setzte der britische Anbieter auf eine vorsichtige, durchdachte Expansionsstrategie ohne teure Übernahmen oder aggressive Wachstumsfantasien. Deliveroo konzentrierte sich auf organisches Wachstum, wirtschaftete im Rahmen seiner Möglichkeiten und verteidigte konsequent seine Marktanteile.
Auch wenn das Unternehmen bislang keine nachhaltigen Gewinne ausweist, blieb sein Wachstum beeindruckend – und vor allem: kontrolliert. Im Gegensatz zu den europäischen Konkurrenten Just Eat und Delivery Hero, die sich in riskante Abenteuer stürzten und sich finanziell übernahmen, blieb Deliveroo standhaft.
Doch auch bei Deliveroo war zuletzt eine Wachstumsgrenze erreicht. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte eine ausgeglichene Bilanz vorlegen – und begann gleichzeitig mit einem Aktienrückkaufprogramm. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass man sich für eine Übernahme in Stellung brachte.
Der Verkaufspreis entspricht dem 1,4-Fachen des Jahresumsatzes von Deliveroo. DoorDash hingegen wird mit dem 7,6-Fachen seines eigenen Umsatzes bewertet – bei einem fünffach größeren Geschäftsvolumen. Auch der US-Konzern konnte im vergangenen Jahr seine Finanzen stabilisieren.
Allerdings schüttet das Unternehmen nach wie vor überaus großzügige Vergütungen in Form von Aktienoptionen aus – in einem Umfang, der rund 10 % des Umsatzes ausmacht. Vom Umsatz, nicht vom Gewinn!
Die Konsolidierung der Branche schreitet derweil zügig voran. Anfang des Jahres hatte Prosus Just Eat übernommen – für das 1,1-Fache des Umsatzes. Auch hier blieben die operativen Ergebnisse tiefrot.
Bleibt Delivery Hero, das sich nach Jahren des übermäßigen Expansionsdrangs nun ebenfalls einem rigiden Sparkurs unterwerfen muss. Unsere jüngste Einschätzung finden Sie im Artikel "Delivery Hero: Setzt ein Zeichen und holt Luft".
So oder so – und wie leider so oft – gelingt es vor allem den amerikanischen Akteuren, sich durchzusetzen. Uber Eats profitiert davon, dass es sein Liefergeschäft mit den üppigen Gewinnen aus dem Taxibereich querfinanzieren kann. DoorDash wiederum genießt weiterhin ein erstaunliches Maß an Vertrauen bei den Investoren – trotz einer bisher eher durchwachsenen Rentabilitätshistorie.

















