FRANKFURT (Dow Jones)--Analysten haben ihre Schätzungen zu Covestro zuletzt weiter gesenkt. Die erwartete Erholung der Abnehmerbranchen für die Chemieindustrie, so glauben sie, kommt, wenn überhaupt, nur langsam voran. In der für den Kunststoffhersteller wichtigen Baubranche verschlechtert sich die Lage gar weiter. Der EBITDA-Konsens der Analysten für das Gesamtjahr 2023 von Covestro liegt deshalb fast am unteren Ende des Unternehmens-Zielkorridors. Einzelne Analysten halten es sogar nicht für ausgeschlossen, dass die Leverkusener bei Vorlage der Quartalbilanz am frühen Freitagmorgen ihre Prognose senken werden. Daneben hoffen alle auf Neuigkeiten zum Übernahmeangebot von Adnoc.


Darauf werden Anleger achten:


QUARTALSERGEBNIS: 240 bis 340 Millionen Euro EBITDA hat das Unternehmen für den Zeitraum Juli bis September in Aussicht gestellt, bis zu 145 Millionen weniger als im Vorquartal. Der Konsens geht von einem im Quartalsvergleich rund 100 Millionen Euro schwächeren Ergebnis aus. Kosteneinsparungen könnten die Volumenverluste nicht auffangen, heißt es bei den Analysten von Citi. Relativ stabil sei einzig das Geschäft mit der Autobranche.


PROGNOSE: Covestro hat den Markt im Sommer darauf eingestimmt, dass der operative Gewinn in der unteren Hälfte der bisher recht breit angelegten Zielspanne bleiben wird: das entspräche einem EBITDA zwischen 1,1 und 1,35 Milliarden Euro, mit einem Mittelwert bei 1,225 Milliarden Euro. Der Analystenkonsens geht noch von 80 Millionen Euro weniger aus, womit sie für das Schlussquartal noch knapp 200 Millionen Euro EBITDA veranschlagen. Sebastian Bray von Berenberg hält es sogar für möglich, dass Covestro seine Prognose auf den letzten Metern noch korrigieren muss. Baader-Analyst Konstantin Wiechert verweist dagegen auf Aussagen aus dem Vorstand von Ende September, wonach in drei von vier wichtigen Märkte der Lagerabbau zum Ende gekommen ist.


ADNOC - Noch wichtiger als die Zahlen dürfte für Anleger die Frage sein, wie die Verhandlungen der Covestro-Führung mit Adnoc, dem staatlichen Ölkonzern der Vereinigten Arabischen Emirate, vorankommen, der nach unbestätigten Meldungen Covestro zu einer Bewertung von 11,6 Milliarden Euro übernehmen will. Seit September wird miteinander gesprochen, Adnoc soll Covestro zusätzlich Milliardeninvestitionen und operative Eigenständigkeit zugesagt haben. Bislang war Markus Steilemann aber sehr schmallippig bei dem Thema. Analyst Sebastian Bray sieht gute Chancen, dass Adnoc zum Zuge kommen könnte: Dafür spräche neben den schlechten Fundamentaldaten auch, dass bislang wenig Störgeräusche aus den Verhandlungen nach außen gedrungen seien und es auch öffentlich keinen Widerstand gebe, schrieb er.


Nachfolgend eine Auswertung der Prognosen von Analysten zum dritten Quartal und für das Gesamtjahr 2023:


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.                               PROG  PROG  PROG 
3. QUARTAL                      3Q23  ggVj  Zahl   3Q22 
Umsatz                         3.727  -19%    12  4.618 
EBITDA                           282   -7%    12    302 
Ergebnis nach Steuern/Dritten     15  +25%    12     12 
Ergebnis je Aktie               0,08  +33%    12   0,06 
 
 
.                               PROG  PROG  PROG 
GESAMTJAHR                      Gj23  ggVj  Zahl   Gj22 
Umsatz                        14.794  -18%    15 17.968 
EBITDA                         1.147  -29%    15  1.617 
Ergebnis nach Steuern/Dritten    -52    --    15   -272 
Ergebnis je Aktie              -0,25    --    15  -1,42 
Free Operating Cash Flow         151   +9%    12    138 
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ERLÄUTERUNGEN:

- Angaben in den Tabellen in Millionen Euro, Ergebnis je Aktie in Euro

- Bilanzierung nach IFRS

- Quellen: Angaben des Unternehmens. Prognosen von Vara Research

- ggVj = Veränderung in Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum

- das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr

- alle Angaben ohne Gewähr

Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

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October 24, 2023 09:00 ET (13:00 GMT)