HANNOVER (awp international) - Continental stellt Teile seines schwächelnden Automobilzuliefer-Geschäfts auf den Prüfstand. Man prüfe, Teile der Automotive-Sparte auszugliedern, kündigte Konzernchef Nikolai Setzer am Montag beim Kapitalmarkttag des Dax-Konzerns in Hannover an. Insgesamt gehe es um rund ein Viertel des Umsatzes der Sparte. Einen Komplettverkauf schloss er aber aus. Die Aktie gab nach.

Konkret geht es bei den Vorhaben zunächst um das Geschäft mit Auto-Cockpits und Displays. Das Geschäft mit erwarteten 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz werde zunächst organisatorisch selbstständig aufgestellt, um dann mögliche Optionen prüfen zu können. Von einem Einstieg eines Investors, einer Gemeinschaftsfirma bis hin zu einem Verkauf oder Börsengang sei alles möglich.

Anleger reagierten enttäuscht. Der Aktienkurs sackte zeitweise deutlich um vier Prozent ab. Zuletzt notierte das Papier unter den schwächeren Dax-Werten ein Prozent tiefer bei 70,70 Euro. In diesem Jahr hat der Kurs mehr als ein Viertel an Wert gewonnen. Von den Rekordhochs Anfang 2018 ist die Aktie nach einem längeren Abwärtstrend aber weit entfernt.

Entschieden sei rund um das Geschäft mit Cockpit-Displays und Bedienelementen noch nichts, einen Zeitplan nannte Setzer auf Nachfrage nicht. Daneben prüfe man dasselbe für weitere, kleine Randbereiche der Sparte mit zusammen 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Konkrete Angaben machte Setzer dazu ebenfalls nicht. Das Geschäft mit dem Autonomen Fahren stehe dabei aber nicht auf dem Prüfstand, betonte der Manager.

Mit dem Schritt will sich Continental auf profitable und wachstumsstarke Zukunftsfelder konzentrieren und noch stärker vom reinen Teilelieferanten zum Technologiepartner der Autobranche werden. Im Sommer hatte der Konzern bereits angekündigt, in der Kunststoffsparte Contitech das Automotive-Geschäft abzutrennen und auch hier alle Optionen vom Einstieg eines Partners bis hin zu Verkauf oder Börsengang zu prüfen. Die Konzernsparte stellt unter anderem Schläuche und Leitungen her, beliefert aber auch die Bergbauindustrie etwa mit Förderbändern. Bis 2025 solle der Umbau hier abgeschlossen werden, kündigte Setzer an. Details zu möglichen Gesprächen mit potenziellen Partnern nannte er noch nicht.

Vor zwei Jahren hatte der Konzern schon das Verbrennerantriebs-Geschäft in Vitesco ausgelagert und an die Börse gebracht. Zuletzt war spekuliert worden, Continental könnte sich auf das profitable Reifengeschäft und den Industriebereich von Contitech etwa mit Förderbändern konzentrieren. Dem erteilte Setzer nun eine Absage. "Automotive bleibt bei uns und ist auch künftig eine starke Säule", sagte er. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Continental-Konzern für diesen Bereich der beste Eigentümer sei. "Und wir sehen hier grosses Potenzial." Auch nach der möglichen Abspaltung des Cockpit-Geschäfts und der weiteren Bereiche sei das Segment mit rund 15 Milliarden Euro Umsatz noch ebenso gross wie das eigene Reifengeschäft. "Damit sind wir immer noch ein grosser Player."

Insgesamt sei Continental zuletzt hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, räumte Setzer ein. Die 2020 gesteckten Ziele habe man bisher nicht erreicht. "Insbesondere im Automotive-Bereich dauert es länger als 2020 angenommen. Wir sind mit dem Erreichten nicht zufrieden." Um die Kosten zu senken, will Continental in dem Segment auch seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung reduzieren. Im Automotive-Bereich sollen diese Ausgaben von derzeit zwölf Prozent des Umsatzes zunächst auf elf Prozent und mittelfristig - also in drei bis fünf Jahren - auf unter zehn Prozent sinken.

Um das zu erreichen, soll auch die Zahl der weltweit 82 Entwicklungsstandorte reduziert werden. Es gehe vor allem darum, kleine und ineffiziente Standorte mit anderen zusammenzulegen. Daneben soll künftig auch mit 70 Prozent ein grösserer Anteil der Forschung und Entwicklung aus Ländern mit niedrigeren Kosten kommen - bis dato sind es 60 Prozent, wie Auto-Spartenchef Philipp von Hirschheydt ausführte. Der Manager hatte bereits angekündigt, in der Verwaltung der Sparte Stellen abzubauen. 400 Millionen Euro sollen so ab 2025 eingespart werden. Berichte zufolge sollen rund 5500 Verwaltungsstellen wegfallen, Conti spricht von einer mittleren vierstelligen Zahl.

Im Reifenbereich kann sich Conti hingegen auch Zukäufe vorstellen. Spartenchef Christian Kötz nannte vor allem die Regionen Asien und Amerika als mögliche Regionen für Neuerwerbe, aber auch den Spezialreifenbereich.

Erhöhen will Continental die Ausschüttungen an seine Aktionäre. Statt der bisher in Aussicht gestellten 15 bis 30 Prozent des Nettogewinns wolle man künftig 20 bis 40 Prozent als Dividende auszahlen, kündigte Finanzvorständin Katja Garcia Vila an.

Mittelfristig will Conti den Gesamtumsatz von den in diesem Jahr angepeilten 41 bis 43 Milliarden auf 51 bis 56 Milliarden Euro steigern. Bereits kurzfristig - das heisst in zwei bis drei Jahren - will der Dax -Konzern die Bandbreite bei der angestrebten bereinigten operativen Marge von 8 bis 11 Prozent erreichen und sich danach weiter innerhalb der Spanne verbessern. Auch die schwächelnde Autozuliefersparte soll die Renditevorgabe von 6 bis 8 Prozent am unteren Ende bereits spätestens 2026 schaffen.

Die Mittelfristziele beinhalten noch keine Veränderungen des Portfolios. Sollte es zu Umbauten kommen, dürfte das aber einen positiven Effekt auf die operativen Margen haben, sagte Finanzchefin Garcia Vila./men/fjo/jha/