Die italienische Großbank UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank auf 20 Prozent erhöht und verschafft sich damit eine stärkere Position beim deutschen Konkurrenten, während sie versucht, Widerstände gegen eine mögliche Übernahme des Rivalen zu überwinden.

Wie UniCredit am Dienstag mitteilte, wandelte die Bank Derivate, die rund 10 Prozent der Commerzbank repräsentieren, in Aktien um und verdoppelte damit ihren Anteil an dem deutschen Institut. Darüber hinaus hält UniCredit Derivate für weitere 9 Prozent.

UniCredit trat erstmals im September als größter privater Investor bei der Commerzbank in Erscheinung und stieß dabei auf deutlichen Widerstand aus Deutschland gegen vollständige Übernahmepläne.

Die Commerzbank reagierte darauf mit der Aussage, dass der Schritt von UniCredit ,,nicht mit der Commerzbank abgestimmt" sei und dass die Ergebnisse zeigten, ,,dass unser Geschäftsmodell der Unabhängigkeit funktioniert".

Entgegen der Haltung Berlins baute UniCredit ihre Position im Dezember durch den Kauf von Derivatkontrakten weiter aus. Anfang dieses Jahres erhielt die Bank von der Europäischen Zentralbank die Genehmigung, ihren Anteil auf bis zu 29,9 Prozent zu erhöhen.

Das Mailänder Institut teilte mit, es habe einen rund 10-prozentigen Anteil an der Commerzbank, den es bislang in Derivaten gehalten hatte, in Aktien umgewandelt und verfüge nun über etwa 20 Prozent der Stimmrechte.

,,UniCredit plant, in angemessener Zeit ihre verbleibende synthetische Position von rund 9 Prozent ebenfalls in Aktien umzuwandeln und damit auf einen Stimmrechtsanteil von etwa 29 Prozent an der Commerzbank zu kommen", hieß es weiter.

Die Schritte erfolgen, nachdem Vorstandschef Andrea Orcel der neuen deutschen Bundesregierung geschrieben und Gespräche darüber gefordert hatte, wie UniCredit mit der Commerzbank-Beteiligung verfahren solle.

Orcel wollte mit der Aufstockung des Anteils demonstrieren, dass er seine Ankündigungen auch umsetzt, so eine mit Orcels Überlegungen vertraute Person.

Der Zeitpunkt sei überraschend, sagte eine mit der Strategie der Commerzbank vertraute Person und fügte hinzu, dass Orcel sich womöglich für einen formellen Dialog mit der deutschen Bank und deren Anteilseignern im Hinblick auf eine Übernahme positioniere - ein Ziel, das er bereits länger verfolgt.

Die deutsche Gewerkschaft Verdi, die sich seit langem gegen eine Fusion ausspricht, kündigte an, weiterhin dagegen zu kämpfen, und bezeichnete die jüngsten Schritte von UniCredit als ,,feindliche Übernahmeaktivitäten, keine vertrauensbildenden Maßnahmen".

Orcel hat mehrfach eine Fusion der Commerzbank mit UniCredits deutscher Tochter HVB als beste Lösung für alle Beteiligten ins Spiel gebracht - vorausgesetzt, eine solche Vereinbarung fände breite Unterstützung aller relevanten Parteien.

Er betonte wiederholt, er könne alternativ die Beteiligung an der Commerzbank als Finanzinvestition halten oder auch verkaufen.

In seinem jüngsten Brief an die neue deutsche Regierung erklärte Orcel, er wolle mit den deutschen Behörden zusammensitzen, um die beste Lösung für alle Beteiligten angesichts der UniCredit-Beteiligung an der Commerzbank zu finden, sollte Berlin weiterhin eine Fusion ablehnen.

,,UniCredit ist der führende Investor der Commerzbank", hieß es in der Mitteilung am Dienstag.